Wenn Wohnen in Deutschland zum Luxus wird: Im vergangenen Jahr stiegen die Mieten bundesweit im Schnitt um 3,6 Prozent.

Die stärkste Zunahme gab es laut Frühjahrsgutachten des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) in Berlin (+ 9,2 Prozent).

Die höchsten Mieten werden laut Forschungsunternehmen F+B das erste Mal seit 20 Jahren nicht mehr in München, sondern in dem Vorort Karlsfeld (durchschnittlich 10,62 Euro/m2) gezahlt. Dahinter u. a. Stuttgart und Frankfurt/Main. Bundesweiter Schnitt: 6,92 Euro/m2.

Gründe für den Anstieg laut Experten: Das Angebot ist zu gering, es werden zu wenig neue Wohnungen gebaut. ZIA-Präsident Andreas Mattner: „Der Neubau wird in unserem Land völlig vernachlässigt.“

Bei den Mietpreisen für Wohnungen entwickelte sich die Schere zwischen den 68 deutschen Großstädten mit über 100 000 Einwohnern weiter auseinander. In 48 Städten lag die Leerstandsquote vergangenes Jahr unter drei Prozent. Folge: Die Mieten stiegen.

Wo gibt es überhaupt noch freie Wohnungen? Den größten Leerstand hat Salzgitter, hier sind 97 von 1000 Wohnungen frei. Es folgen Chemnitz (86), Halle/Saale (78) und Bremerhaven (65).

Am engsten ist es in München, dort stehen auf 1000 Wohnungen nur drei leer. Wenig besser geht es in Münster und Frankfurt/M. (5) sowie Ingolstadt, Freiburg und Darmstadt (6).

Werden die Mieten auch in diesem Jahr weiter steigen? Der Aufwärtstrend bei Wohnungsmieten dürfte sich 2019 fortsetzen, prognostizierte der ZIA – daran ändere auch die zum Jahresbeginn verschärfte Mietpreis-Bremse nichts.

„Einziger Luxus neben der Miete ist der Friseurbesuch“

Verkäuferin Agnes Przygorska (36) aus München: „Ich verdiene 1700 Euro netto. Für meine Wohnung mit eineinhalb Zimmern und 48 Quadratmetern zahle ich 930 Euro warm. Abzüglich Strom, GEZ und Handy bleiben mir weniger als 600 Euro im Monat. Davon zahle ich das Bahn-Ticket, ein Auto kann ich mir nicht leisten. Statt ins Fitness-Studio gehe ich joggen. Die Lebensmittel kaufe ich vor allem bei Discountern. Mein einziger Luxus ist der Friseur­besuch alle drei Monate. Es ist aussichtslos, eine günstigere Wohnung in München zu finden. Das Umland ist keine Alternative. Zum einen ist es im S-Bahn-Bereich auch nicht viel günstiger. Zum anderen steigen die Kosten für die Fahrkarte.“

„Ich spare an jedem Ende“

Studentin Friedlind Wegner (26) aus Stuttgart: „Ich lebe mit einer Kommilitonin in einer Zwei-Zimmer-WG mit insgesamt 55 Quadratmetern in Stuttgart-Mitte. Monatlich habe ich 800 Euro zur Verfügung. Für mein Zimmer zahle ich 450 Euro. Hinzu kommen rund 100 Euro Kosten für Strom, Internet und Gas. Macht monatliche Ausgaben für Wohnen von 550 Euro. Ich spare an jedem Ende, fahre nur mit dem Rad, koche selbst, anstatt Essen zu gehen. Wenn ich mal ins Kino will, gehe ich in den Überraschungsfilm, da zahlt man weniger.“

„Es ist schwer, bei der hohen Miete über die Runden zu kommen“

Hotelfachfrau Rebecca Hubert (26) aus Böblingen: „Ich bin allein­erziehend, lebe mit meiner Tochter Amaya in einer 60-Quadratmeter-Wohnung in der Innenstadt. Für die zwei Zimmer zahle ich monatlich 1060 Euro Warmmiete. Ich habe monatlich insgesamt 1600 ­Euro zur Verfügung. Es ist schwer, bei dieser hohen Miete über die Runden zu kommen. Ich leiste mir eigentlich gar nichts. Es war schwierig, in Böblingen eine Wohnung zu finden, die bezahlbar ist, aber nicht wie eine Bruchbude aussieht.“