Der neuste Leerstandsindex wurde veröffentlicht. Er zeigt, wie viel potentieller Wohnraum in Form von Geschosswohnungen in Deutschland nicht genutzt wird. Die Daten für 2017 belegen: vor allem der Osten wird unbewohnter.

Grundlage der aktuellen Zahlen bilden Bewirtschaftungsdaten des „Immobilienberatungsunternehmens CBRE“ (rund 900 000 Wohneinheiten), umfangreiche Analysen und Schätzungen auf Basis der „empirica“-Regionaldatenbank, sowie des Statistischen Bundesamtes.

Leerstand wird bis 2022 ansteigen

Experte Dr. Reiner Braun von empirica: „Der marktaktive Leerstand – also Geschosswohnungen, die unmittelbar vermietbar oder mittelfristig aktivierbar sind – lag Ende 2017 bei 2,9 Prozent oder rund 608 000 Einheiten.“

  • Das sind gut 8000 Einheiten weniger als noch im Jahr 2016.
  • 80 000 weniger als 2013.

Aber: „In den kommenden Jahren bis 2022 ist jedoch eher wieder mit einem Anstieg zu rechnen – vor allem in den ländlichen Wegzugsregionen.“

Höchste Leerstandsquote 2017:

  • Pirmasens: 8,8 Prozent
  • Schwerin: 8,6 Prozent
  • Chemnitz: 8,5 Prozent
  • Salzgitter: 8,1 Prozent
  • Frankfurt (Oder): 8,0 Prozent
In Dessau-Roßlau stehen immer mehr Wohnungen leer

Größter Zuwachs (Veränderung 2012 bis 2017):

  • Dessau-Roßlau: +0,8 Prozent auf 7,0 Prozent
  • Suhl: 4,0 Prozent: +0,6 Prozent auf 4,0 Prozent
  • Gera: +0,6 Prozent auf 6,9 Prozent
  • Frankfurt (Oder): +0,5 Prozent auf 8,0 Prozent
  • Wilhelmshaven: +0,4 Prozent auf 6,0 Prozent
Mit Graffitis beschmiert ist ein Haus an der Berger Straße in Frankfurt am Main, das seit Jahren leersteht

Niedrigste Leerstandsquote 2017:

  • München: 0,2 Prozent
  • Frankfurt am Main: 0,4 Prozent
  • Freiburg: 0,4 Prozent
  • Münster: 0,4 Prozent
  • Darmstadt: 0,5 Prozent

Der Osten steht leerer als der Westen

Der marktaktive Leerstand in Geschosswohnungen liegt in Ostdeutschland (ohne Berlin) mit 6,0 Prozent immer noch deutlich höher als im Westen mit 2,3 Prozent.

Experte Michael Schlatterer von „CBRE“ in Deutschland: „Aussagekräftiger als Ost-West-Unterschiede sind jedoch die abweichenden Entwicklungen in Regionen mit schrumpfenden und wachsenden Einwohnerzahlen, wie es sie beiderseits der ehemaligen innerdeutschen Grenze gibt. In Schrumpfungsregionen schwillt der Leerstand weiter an und beträgt derzeit 7,4 Prozent.

Und weiter: „Demgegenüber liegt der Leerstand in Wachstumsregionen nur bei unterdurchschnittlichen 1,9 Prozent und ist hier im elften Jahr rückläufig (2006: 3,3 Prozent).“

Beeindruckend ist die Dynamik – in zwei Städten ist die Leerstandsquote seit 2012 um mehr als drei Prozentpunkte geschrumpft: Leipzig (-4,8 Punkte) und Salzgitter (-3,2 Punkte). Hohe Rückgänge gibt es auch in Chemnitz (-1,1 Punkte), Berlin (-1,1 Punkte) und Duisburg (-1,0 Punkte).

Fazit: Der Abbau von Leerstandsreserven konnte lange Zeit einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes leisten. Das ist jetzt vorbei, in den prosperierenden Schwarmstädten sind die Reserven erschöpft.

„Diese Märkte brauchen daher dringend Neubau und dazu Bauland auf der grünen Wiese“, folgert Schlatterer.

In den ländlichen Schrumpfungsregionen werden die Leerstände dagegen weiter steigen: „Außerhalb der Wachstumsregionen haben wir heute schon mehr als 300 000 marktaktive Leerstände, bis 2022 könnte sich diese Zahl auf mehr als 400 000 erhöhen“, ergänzt Dr. Braun.