Ein Flughafen, der nie fertig wird, eine Migrationspolitik, die alle Grenzen sprengt, eine Energiewende, die keinen sauberen Strom produziert: Deutschland ist funktionsunfähig. Derweil steigt eine alte Weltmacht zu neuer gefährlicher Größe auf.

Ausgerechnet dort wollten sie ihr kleines Raumschiff landen lassen, auf der Rückseite des Mondes, der „dunklen Seite“, die natürlich nicht dunkel ist. Und sehen kann man sie von der Erde aus auch nicht, selbst mit dem besten Fernrohr, denn es ist ja die erdabgewandte Seite. Aber es gab wohl einen Grund dafür, dass die chinesische Weltraumbehörde ausgerechnet um die Jahreswende 2018/19 ihr „Jadehase“ genanntes Mondfahrzeug dort absetzen wollte. Genau 50 Jahre zuvor nämlich hatten drei Amerikaner zum ersten Mal in der Geschichte einen Blick auf die der Erde abgewandte Seite des Trabanten werfen können – die Crew der Apollo-8-Mission auf ihrer Reise um die Erde und den Mond zu Weihnachten 1968. Sie hatte damals an Heiligabend die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel vorgelesen.

Die Chinesen verzichteten auf große Worte und sprachen nur von einem „historischen Augenblick“. Es war immerhin ein Elektrofahrzeug, das da in der „Bucht der Regenbogen“ umherkurven sollte, gespeist aus sauberem Strom, der mittels eines Sonnensegels umweltschonend hergestellt wurde.

Ob das Projekt nun einen „großen Schritt für die Menschheit“ bedeutet wie die Mondlandung der Amerikaner vor 50 Jahren, mag dahingestellt bleiben. Ein Zeichen ist es allemal: Die Chinesen spielen jetzt auch im Weltall ganz vorn mit, nicht nur auf der Erde. Und wie im Space-Race zwischen den USA und der Sowjetunion während des Kalten Krieges geht es auch hier nicht nur um wissenschaftliche, sondern auch um militärische Propaganda. Wer eine Rakete zum Mond schießen kann, dürfte es damit bestimmt auch bis Kalifornien schaffen. Das Weltraumprogramm der Chinesen ist konsequenterweise Teil des Militärs. Machen wir uns also besser auf einiges gefasst.

Auf dem Weg an die Spitze der Weltwirtschaft

China ist wieder da, wo es früher einmal war – und das mit einem Regierungssystem, von dem man früher annahm, dass es niemals so produktiv sein könnte wie ein westlich kapitalistisches, demokratisches und rechtsstaatliches System, die soziale Marktwirtschaft eben. Ein Einparteiensystem, das sich immer noch kommunistisch nennt, aber wohl eher eine schrecklich gut funktionierende Mischung aus Mao Tse-tung und Konfuzius ist, hat China nach oben gebracht – demnächst wohl an die Spitze der Weltwirtschaft.

Historisch gesehen ist das nichts Neues. Noch im Jahre 1820 erwirtschaftete das Reich der Mitte ein Drittel des Bruttosozialprodukts der Welt. Schon 800 Jahre vor Gutenberg druckten die Chinesen Bücher. Gar 1300 Jahre vor den Europäern stellten sie Stahl her. Sie erfanden das Papier, das Porzellan, das Schießpulver und den Kompass. Aus alten Berichten geht hervor: Die Barbaren im Westen achteten nur wenig auf ihre Sauberkeit, stanken vor sich hin. Die Chinesen hingegen wuschen sich mit Seife und heißem Wasser. Ihre Sterberate war niedriger.

Über weite Strecken der Menschheitsgeschichte war China die führende Weltmacht. Es ist das größte Comeback der Geschichte, das wir gerade miterleben können. Keine wirtschaftspolitische Diskussion, bei der nicht die siegreiche Aufholjagd Chinas mit Zahlen unterlegt im Vordergrund steht, vom Handelskrieg mit den USA bis zur Übernahme innovativer Unternehmen und weiter Landstriche in Afrika.

Der amerikanische Staatsapparat steht so gut wie still

Und während sich der amerikanische Botschafter in Berlin darüber freut, dass sein Präsident immerhin nur mit einer Person, nämlich dem chinesischen Staatschef Xi Jinping, einen Deal aushandeln muss, kann Trump sich schon mit den Demokraten in seinem Kongress nicht einigen. Dabei wollte er wenigstens in puncto Mauer mit den Chinesen gleichziehen. Der Preis des von ihm versprochenen Bauwerks an der mexikanischen Grenze soll mit rund fünf Milliarden Dollar etwas weniger als ein Viertel von dem kosten, was die Stadt Hamburg und das Land Schleswig-Holstein in faulen Schiffskrediten der HSH Nordbank versenkt haben.

Der Streit um das Grenzinvestment in Washington führte zum partiellen Stillstand fast des gesamten amerikanischen Staatsapparats. In der Freien und Hansestadt Hamburg erzeugte das kleine Fehlinvestment in Höhe eines Jahresbudgets der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein maximal ein Schulterzucken. Wir haben’s ja – und legen gleich noch ein paar Euro drauf, um größere Teilstücke der Autobahn zu überdeckeln, damit darauf dann Schrebergärten angelegt werden können. Das hört sich wie ein Witz an, ist aber keiner.

Nicht nur in den USA scheinen sich Demokratie und Funktionsfähigkeit zu einem Gegensatzpaar zu entwickeln. Siehe Großbritannien, das sich scheinbar lustvoll in die Krise brexit. Im stabilen, demokratischen und wirtschaftlich immer noch erfolgreichen Deutschland lässt sich die Automobilindustrie erst von uneinhaltbaren Abgasvorschriften in die globale Lügerei und dann von einer steuersubventionierten Umweltorganisation um die Häuser und durch die Straßen jagen. Eine überhastete Energiewende produziert alles, nur keine saubere Energie, eine grenzenlos humanitäre Migrationspolitik sprengt alle Grenzen, der Hauptstadtflughafen wird aufgrund schwankender Zielvorstellungen und wechselnder Vorschriften erst zum Sankt-Nimmerleins-Tag fertig.

Die Regierungsmaschinen sind zunehmend fluguntauglich und nähern sich der Funktionsfähigkeit von Bundeswehr-Hubschraubern und anderem militärischen Nichtfluggerät an. Dafür stimmt die pazifistische Bilanz: Immerhin könnte man den Gesamtzustand der Bundeswehr als konsequenten Schritt zur Abrüstung und damit zum Kernthema eines friedenserhaltenden Masterplans erklären. Das dürfte auch im Sinn der rot-grünen Opposition sein, die ohnehin bereits zum politischen Gesamtkunstwerk der großen Koalition gehört. Man kann ja nie wissen, in welcher Konstellation beim nächsten Mal nicht regiert werden muss.

Globaler Migrationspakt voll teurer Nettigkeiten

Die neue CDU-Vorsitzende und Kanzlerin in spe Annegret Kramp-Karrenbauer, schon jetzt ganz oben in der Gunst der Wähler, wird zwar nicht müde, aufgeweckte Ideen in die schlaffe Runde zu werfen, kann aber auch nicht so recht erklären, warum nichts davon in den vergangenen Legislaturperioden angepackt wurde. Stattdessen wird mit der Gießkanne Steuergeld ausgeschüttet, während für Investitionen entweder kein Geld da ist oder bereitstehende Milliardenbeträge aufgrund bürokratischer Hemmnisse nicht ausgegeben werden können.

Der schlichte Plan, mehr Geld für digitale Bildung an Schulen auszugeben, scheitert daran, dass erst das Grundgesetz geändert werden muss, was jene, die dies fordern, anschließend verhindern wollen. Ein globaler Migrationspakt voll teurer Nettigkeiten wird im schönen Marrakesch im Beisein der Kanzlerin mit dem leichten Schlag eines Auktionshammers besiegelt, und alle glauben, dass die Probleme einer transkontinentalen Völkerwanderung damit zum Wohle aller gelöst werden. Wunschdenken ist die Generallinie der Politik, aber nicht nur der Politik.

Auch im Journalismus wird die schön beschriebene Fata Morgana mit Preisen bedacht, und wenn das nach 60 Artikeln plötzlich herauskommt, ist die weihnachtliche Überraschung so groß wie die von Kleinkindern, wenn Knecht Ruprecht mit der Rute vor der Tür steht. Und besonders diejenigen, die der Betrugssoftware beim Diesel akribisch nachgeschnüffelt haben, merken nicht, dass auch die schreibende Zunft ihre Betrugssoftware hat, bestehend aus Gefühl, Gesinnung und Gelaber.

Doch die Wirklichkeit versteckt sich nicht hinter dem Mond. Und selbst dahin schaffen es die Chinesen ja mittlerweile.