Sie bewachen Demonstranten und Fußballfans, jagen Raser und Verbrecher und bringen sich selbst in Gefahr. Polizisten verdienen Respekt. Und ihr Gehalt? Ist je nach Bundesland erstaunlich niedrig.

1882,42 Euro netto pro Monat spuckt der Onlinerechner aus. So viel Geld fließt auf dein Konto, wenn du mit Anfang 20 nach der Polizeischule in Berlin den Dienst antrittst. „Erstaunlich wenig für Schichtarbeit und hohe Belastung“, sagt Wolfgang Ladebeck. Er ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, die sich für die Interessen der Polizistinnen und Polizisten einsetzt. „Wir nennen es die geregelte Armut.“

Polizei-Gehalt: Was verdient ein Polizist an Nettogehalt im Monat?

Trifft das wirklich zu? Verdienen die 220.000 Frauen und Männer, die sich täglich für unsere Sicherheit einsetzen und dabei teilweise ihr Leben riskieren so wenig, dass man von geregelter Armut sprechen kann? In diesem Artikel erfährst du, wie hoch das Einstiegsgehalt bei der Polizei in Deutschland ist und wie es sich zusammensetzt. Dazu zeigen wir dir, mit welchem Einkommen du im Laufe einer Karriere als Polizistin oder Polizist rechnen kannst.

In einem hat der Polizeigewerkschafter auf jeden Fall recht: das Gehalt ist geregelt. Den Verdienst der Polizei bestimmt jedes Bundesland einzeln, denn Polizei ist in Deutschland – mit einer Ausnahme – Ländersache. Wie hoch es ist, lässt sich in den sogenannten Besoldungstabellen nachlesen. Eine Sonderrolle spielt die Bundespolizei, deren Beamte unter anderem Bahnhöfe und Grenzen schützen. Für die gilt die Bundesbesoldungstabelle.

Polizei-Einstiegsgehalt: Welche Bundesländer zahlen im Vergleich am meisten?

Auf Landesebene herrschen je nach Region große Unterschiede. Der Vergleich zeigt: Berufseinsteiger bekommen das höchste Gehalt in Nordrhein-Westfalen (NRW). Das bevölkerungsreichste Bundesland zahlt Polizisten im ersten Jahr 2.595,50 Euro brutto pro Monat. Das entspricht auf zwölf Monate hochgerechnet einem Jahresgehalt von 31.146 Euro.

Für den gleichen Job bekommen Polizisten in Berlin nur 25.772,16 Euro pro Jahr. Das sind über 5.300 Euro weniger als in NRW und damit der niedrigste Wert in ganz Deutschland (siehe Grafik). Bei Großeinsätzen wie etwa zum G20-Gipfel kommt es vor, dass Polizisten aus verschiedenen Bundesländern Seite an Seite arbeiten, die völlig unterschiedlich verdienen. Das führt schon mal zu Spannungen, berichtet Wolfgang Ladebeck.

Für Einsätze am Sonntag oder nachts gibt es Zulagen. „Die machen nochmal um die 300 bis 400 Euro brutto im Monat aus“, erklärt der Gewerkschafter. Außerdem erhalten Polizisten Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Zuschläge, wenn sie heiraten oder Kinder bekommen. Diese unterscheiden sich ebenfalls stark nach Bundesland. Die Beamten informieren sich dazu gerne auf dem Portal oeffentlicher-dienst.info. Weiter unten im Artikel findest du eine Grafik mit Beispielen.

Polizei-Gehalt: Beamten erhalten mehr Netto vom Brutto

Im Vergleich mit anderen Berufen wirkt das Einstiegsgehalt von Polizisten gering. Allerdings muss man hier einen wichtigen Faktor berücksichtigen: Beamte zahlen geringere Abgaben als normale Angestellte. Verdient eine Polizistin im ersten Berufsjahr wie in NRW 31.146 Euro brutto, bekommt sie davon immerhin 26.914 Euro netto aufs Konto.

Eine normale Angestellte in einem anderen Job hätte bei gleichem Bruttogehalt nur 20.964 Euro netto übrig. Oder mit anderen Worten: Um 26.914 Euro netto pro Jahr zu verdienen, müsste sie in der freien Wirtschaft ein Bruttogehalt von etwa 44.000 Euro bekommen. Zum Vergleich: Vollzeitbeschäftigte in Deutschland verdienen laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 46.560 Euro brutto.

Das Einstiegs-Monatsgehalt der Polizistin in NRW setzt sich folgendermaßen zusammen: Nehmen wir an, die Beamtin ist 21, nicht verheiratet, kinderlos und aus der Kirche ausgetreten. Sie muss nur Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag zahlen. Das wären in diesem Fall 446 Euro.

Krankenversicherung und Altersvorsorge übernimmt der Staat über die so genannte Heilfürsorge. Dazu bekommt sie noch eine Stellenzulage von 93 Euro. Ergebnis: Von 2.688 Euro brutto im Monat bleiben ihr 2.243 Euro netto übrig. Bei einer normalen Angestellten wären es 1.747 Euro.

Wichtig dabei ist: All diese Zahlen gelten nur für Nordrhein-Westfalen. Die meisten Polizisten in Deutschland verdienen teils deutlich weniger.

Polizei-Gehalt: Wie hoch kann das Gehalt maximal steigen?

Wie es nach dem Berufseinstieg beim Gehalt weitergeht, hängt vor allem davon ab, wie erfolgreich sich der Polizist weiterentwickelt. Und auch hier: in welchem Bundesland er arbeitet. Ärmere Länder wie Berlin und Brandenburg zahlen ihren Beamten nicht nur weniger, sie befördern sie auch seltener als reiche Bundesländer.

Damit es nicht zu kompliziert wird, konzentrieren wir uns im folgenden Rechenbeispiel erneut auf das Bundesland mit den meisten Polizisten: Nordrhein-Westfalen. Dort erhalten Beamte in den ersten zehn Berufsjahren alle zwei Jahre automatisch mehr Gehalt. Danach steigt der Verdienst alle drei Jahre. Und zum Ende der Karriere hin gibt es nur noch alle vier Jahre mehr Geld für die größere Berufserfahrung.

Größere Sprünge sind möglich, wenn du als Polizistin aufsteigst, also einen höheren Dienstrang erreichst. 97 Prozent aller Polizisten in NRW verteilen sich auf folgende Dienstbezeichnungen:

  • Polizei-Kommissar
  • Polizei-Oberkommissar
  • Polizei-Hauptkommissar

Wer richtig erfolgreich ist, steigt etwa alle sechs Jahre auf. Auch hier gibt es wieder Zulagen, etwa für Verheiratete, für Mütter oder Väter. Damit es übersichtlich bleibt, haben wir für die Grafik drei Beispiel-Lebensläufe erstellt, um mögliche Gehaltsentwicklungen zu zeigen. Alle Zahlen sind netto, fließen also tatsächlich aufs Konto:

Dabei sind wir einmal von einem 21-jährigen Berufsanfänger ausgegangen, der überhaupt nicht aufsteigt. Und zweimal von Kollegen, die schnell aufsteigen. Für die Karriere im dritten Fall dürften die meisten Polizisten etwas länger brauchen. Unsere Muster-Polizistin würde in NRW im besten Fall mit 51 Jahren 4.137 Euro netto pro Monat verdienen.

In der freien Wirtschaft bräuchte er dafür ein Monatsgehalt von mindestens 7.300 Euro. Bis sie wirklich 51 ist, dürfte es noch deutlich mehr sein, denn die Besoldung steigt – wie auch die Tarifgehälter bei normalen Angestellten – alle paar Jahre etwas an.

Noch höhere Verdienste als in der Grafik sind bei der Polizei selten. Die höchsten Besoldungsgruppen (zum Beispiel für Polizeidirektorinnen), in denen Monatsgehälter bis zu 6.000 Euro netto erreicht werden, erreichen im Schnitt nur drei Prozent der Polizisten.

Die allermeisten steigern ihr Gehalt über das ganze Berufsleben nur um wenige Tausend Euro. Einen großen Vorteil sieht aber auch Polizeigewerkschafter Ladebeck: „Wir können wirklich Sicherheit bieten.“