Nach einer neuen EU-Verordnung dürfen Kunden nicht mehr blockiert werden, wenn sie in einem Online-Shop im Ausland kaufen wollen. Doch es gibt Ausnahmen.

Ab dem 3. Dezember, pünktlich zum Weihnachtseinkauf, gilt die neue Geoblocking-Verordnung der EU. Sie soll Hürden im grenzüberschreitenden E-Commerce abbauen. Doch sie löst nicht alle Probleme. Was Kunden jetzt wissen müssen.

Was bedeutet Geoblocking?

Geoblocking bedeutet, dass Kunden, die aus einem anderen Land auf eine Website zugreifen, Produkte nicht kaufen können oder direkt auf einen Webshop in ihrem jeweiligen Land umgeleitet werden. Identifiziert werden sie in der Regel anhand ihrer IP-Adresse oder weil sie durch ihre Kontodaten als Ausländer erkennbar sind.

Eine Untersuchung der EU-Kommission vor zwei Jahren hatte gezeigt, dass zwei Drittel aller Onlinehändler Geoblocking eingesetzt haben. Diese Diskriminierung von Kunden mit einem Wohnsitz in einem anderen Land ist ab dem 3. Dezember 2018 in der EU nicht mehr erlaubt. Zuvor hatte die EU schon das Geoblocking bei Abo-Diensten wie Netflix oder Spotify untersagt.

Wollen die Deutschen denn überhaupt im Ausland einkaufen?

Mit der zunehmenden Verbreitung des E-Commerce entdecken immer mehr Konsumenten die Möglichkeiten, weltweit einzukaufen, weil sie dort Produkte bekommen, die es in Deutschland nicht gibt oder weil sie in anderen Ländern für die gleichen Produkte günstigere Preise bekommen. Eine Umfrage des Preisvergleichsportals idealo.de hat gezeigt: Sieben von zehn Deutschen (71 Prozent) haben schon mindestens einmal gezielt im Ausland bestellt, rund die Hälfte sogar mehrfach (50 Prozent).

Viele Konsumenten könnten sich vorstellen, künftig mehr im Ausland einzukaufen, haben aber gewisse Vorbehalte. Das hat seinen Grund: Bei 44 Prozent der Befragten ist bei der Bestellung im Ausland etwas schief gelaufen. Die häufigsten Probleme war eine verspätete Zustellung, minderwertige Ware und Probleme mit dem Zoll.

In welchen Ländern lohnt sich der Einkauf?

Am liebsten kaufen die Deutschen im EU-Ausland ein. Da locken häufig eine größere Auswahl oder günstigere Preise bei landestypischen Produkten. Ein beliebtes Beispiel ist der Einkauf von Wein in Frankreich.

An der zweiten Stelle der Beliebtheit liegt der Einkauf bei chinesischen Händlern. In diesen Fällen geht es im Grund nur um den günstigen Preis. Dies macht sich beispielsweise die besonders bei jungen Kunden beliebte Shopping-App Wish zunutze. Rund 90 Prozent der dort angebotenen Produkte kommen aus China.

Gerade bei billigen Produkten aus China gibt es aber häufig Probleme mit der Qualität. Dann ist es oft schwierig, den Kauf rückgängig zu machen oder die Waren umzutauschen. Das sollten Kunden bedenken.

Bekommen jetzt alle die gleichen Preise?

Ja. Das ist eine der aus Kundensicht wichtigsten Neuerungen. Händler in der EU müssen Kunden mit einem Wohnsitz im Ausland die Möglichkeit geben, bei ihnen zu den gleichen Preisen einzukaufen. Auch Rabatte, die nur Käufern aus einem bestimmten Land gewährt werden, sind nun verboten. Sperrungen oder Umleitungen sind nicht mehr erlaubt.

Wie läuft es mit dem Bezahlen?

Auch hier macht die neue EU-Verordnung das Einkaufen über die Grenzen hinweg deutlich einfacher. Ein Händler muss jetzt grundsätzlich allen Kunden die gleichen Bezahlmöglichkeiten anbieten, egal in welchem Land sie wohnen.

Bietet beispielsweise ein österreichischer Händler die Nutzung der Visa-Card an, muss er sie auch akzeptieren, wenn sie in Deutschland ausgestellt wurde. Das war in der Praxis bisher nicht immer üblich. Auch bei einer Überweisung ist es jetzt egal, in welchem Land das Bankkonto ist.

Muss der Händler überall hin liefern?

Nein. da hat auch die neue Verordnung ihre Grenzen. Ein Händler ist nicht verpflichtet, in jedes Land zu liefern. Er muss dem Kunden aber die Möglichkeit geben, das gekaufte Produkt bei ihm abzuholen. Auch kann der Kunde selber einen Lieferdienst beauftragen, der das Produkt abholt.

Kann man jetzt alle Produkte grenzenlos kaufen?

Auch da gibt es noch gewisse Einschränkungen. So gilt die Verordnung nicht für Finanz- und Verkehrsdienstleistungen. So kann sich ein Kunde beispielsweise beim Kauf von Flugtickets nicht auf die neue Geoblocking-Verordnung berufen.

Auch andere gesetzliche Vorschriften stehen einem grenzenlosen Einkauf im Wege. Ausgenommen sind alle urheberrechtlich geschützten digitalen Medien, also E-Books, Filme oder Computerspiele. Außerdem müssen die Händler natürlich berücksichtigen, dass bestimmte Waren in bestimmten Ländern rechtlichen Beschränkungen unterliegen, wie beispielsweise die Abgabe und Bewerbung von Alkohol oder der Verkauf von Feuerwerkskörpern.

Was passiert, wenn der Händler sich nicht daran hält?

Wenn Händler gegen die Geoblocking-Verordnung verstoßen, drohen ihnen Geldbußen von bis zu 300.000 Euro. Kontrollieren soll das die Bundesnetzagentur. Aber auch Wettbewerber haben die Möglichkeit, Abmahnungen auszusprechen, wenn Händler weiterhin unerlaubtes Geoblocking einsetzen.