Greta Thunberg, das Mädchen, das das Klima retten will, ist nicht allein: Hinter der 16-Jährigen lauert eine Industrie wie bei einem Popstar. Welche Geschichte wird hier eigentlich „produziert“?

Kurz bevor Greta Thunberg am Dienstag den Saal des Straßburger Europaparlaments betrat, in dem eine Pressekonferenz mit ihr stattfinden sollte, blieb sie kurz stehen, zog ihre Jacke aus und übergab diese zusammen mit einer Thermosflasche, die sie in der Hand gehalten hatte, an eine Begleitperson. Gut zu sehen ist auch ein Kameramann, der Greta folgt und jede ihrer Bewegungen filmisch festhält.

Die Szene ist zwar kurz, aber aufschlussreich. Erstens erfahren wir, dass Greta offenbar betreut wird, bis zu dem Moment, da sie vor ihr Publikum tritt. In der Berichterstattung über Greta wird dagegen immer der Eindruck vermittelt, sie mache alles allein; sie reise allein, sie organisiere ihre Auftritte allein, sie verbringe ihre Abende allein, immer in Gedanken um den bevorstehenden Weltuntergang, den zu verhindern ihr eine höhere Macht aufgetragen hat.

Dabei wissen wir: Jeder Star ist mit einem Tross unterwegs, der im Hintergrund dafür sorgt, dass alles nach Plan läuft. So war es bei David Copperfield und Erich von Däniken, so ist es bei Eckart von Hirschhausen und Helene Fischer.

Zweitens nährt die Anwesenheit des Kameramannes in den Kulissen den Verdacht, dass Gretas Auftritt in Straßburg nicht nur dem Zweck diente, die Abgeordneten des Europaparlaments wachzurütteln. Die Reden, die Greta hält, ähneln sich wie ein Lollipop dem anderen. Hat man eine gehört, weiß man, was sie demnächst sagen wird.

Worauf es ankommt, ist die erstaunliche Karriere einer jungen Frau, die ihre Horrorvisionen in ein Anliegen verwandelt, das sie mit allen Menschen teilen will. Ihre Welt soll unsere Welt werden. Eine Exhibitionistin sucht und findet Trost in dem Umstand, dass es genug Voyeure gibt, die es nicht peinlich finden, einer 16-Jährigen, die wie eine Zehnjährige aussieht, beim Leiden und Entkleiden zuzusehen.

Wer immer die Figur „Greta“ konzipiert hat, der hat sich nicht nur von Wednesday Addams inspirieren lassen, er oder sie hat etwas Größeres vor. Vermutlich eine Doku, „The Making of Greta“ oder: Wie aus einem altklugen und jung vergreisten Mädchen eine Märtyrerin wurde. Wenn es den Produzenten gelingt, den Papst zu einem Geleitwort zu überreden, könnte so ein Film der Bewegung, die Greta angestoßen hat, einen weiteren Kick geben.

Eine Gesellschaft, die mit ihrer eigenen Komplexität nicht klarkommt, sehnt sich nach einfachen Lösungen: Atommeiler abschalten, Kohlekraftwerke vom Netz nehmen, Autofahren verbieten, seltener duschen, keine Kinder in die Welt setzen und Haustiere auswildern – dann wird die Welt wieder genesen. Ansonsten, sagt Greta, wird in spätestens zehn Jahren der Point of no Return erreicht und die Welt verloren sein.

Möglich ist aber auch, dass es eine ganz andere Geschichte ist, die derzeit im wahrsten Sinne des Wortes „produziert“ wird. Die Greta-Roadshow könnte das Remake einer Satire aus dem Jahre 1979 sein: „Das Leben des Brian“ der britischen Komikertruppe von Monty Python & Friends, mit Greta in der Hauptrolle, den Präsidenten der EU-Kommission, des Europaparlaments und dem Papst in den Nebenrollen.

Nur zur Erinnerung: Brian, zur selben Zeit wie Jesus geboren, wurde für den Messias gehalten, und weil er sich dem Zeitgeist widersetzte und gegen die Römer opponierte, beendete er sein Leben am Kreuz.

Ein ranghoher Mitarbeiter der katholischen Kirche hat Greta neulich mit Jesus verglichen, indem er sagte, die Freitagsdemos erinnerten ihn „an die biblische Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem“. Eine führende grüne Politikerin meinte, in Greta den Propheten Amos wieder zu erkennen, der vor etwa 2800 Jahren gelebt und ein sozialkritischer Geist gewesen sein soll.

Käme der Messias heute wieder, würde die Gleichstellungsbeauftragte darauf bestehen, dass er eine Frau ist. Und die müsste so aussehen wie Greta, als sie in einem weißen Kleid die Goldene Kamera empfing. Nur das Ende der Geschichte sollte ein anderes sein. Greta wird, obwohl von Hause aus protestantisch, vom Papst seliggesprochen und radelt danach von Rom nach Stockholm zurück.