Er war für zwei Tage untergetaucht. Auf seinen Fersen: Polizisten, Spezialeinheiten, Beamte aus Frankreich und Deutschland. Eine Riesenfahndung. Aber Donnerstag Abend endet die Suche nach Cherif Chekatt (29) auf dem Bürgersteig der Rue du Lazaret. In Straßburg. Von Polizeikugeln getroffen sackt der Killer im Eingang des Hauses Nummer 74 zusammen – tot.

Rund 50 Stunden vor diesem Schusswechsel mit der Polizei tauchte Chekatt am Straßburger Weihnachtsmarkt auf. Mit einem alten Revolver, Kaliber acht Millimeter, feuerte er auf Wehrlose, stach mit einem Messer zu, wurde von einem Soldaten angeschossen – und entkam zunächst. Es gab vier Tote, zwölf Verletzte.

Warum hat sich der Attentäter nicht abgesetzt?

Ermittler vermuteten ihn bereits Dienstag Abend, nach dem Attentat, im Stadtteil Neudorf. Denn dort steht das Haus seiner Eltern. Chekatt hielt sich offenbar nur wenige Hundert Meter entfernt auf – versteckt in einer Lagerhalle.

Kriminal-Psychologe Helmut Kury : „Möglich ist, dass seine Verletzung so schwer war, dass sie ihn in seiner Bewegungsfähigkeit einschränkte und er nicht in der Lage war, sich weit weg zu bewegen. Außerdem wird er sich gedacht haben, dass an der Grenze nach ihm kontrolliert wird. Es war ein taktischer Fehler von ihm, dort zu bleiben. Er hätte kaum eine Chance gehabt, dort unentdeckt zu bleiben.“

„Der Mann ist früher schon polizeilich auffällig geworden, aber scheinbar kein trainierter Terrorist. Nach der Tat ist mit Sicherheit eine gewisse Panik bei ihm ausgebrochen. Es bestand ein großer Fahndungsdruck. Das löst enormen psychischen Stress aus, der ihn in seinen Entscheidungen beeinflusst. Bedeutet: Er konnte nicht mehr rational und überlegt handeln.“

Nach der Flucht des Attentäters sichern Scharfschütze die deutsch-französische Grenze

Als Polizisten den Terroristen fanden, begann er sofort zu schießen. Die Polizisten schossen zurück und töteten ihn.

Der internationale Terrorismus-Experte Davis Lewin: „Weihnachtsmärkte sind für terroristische Täter das perfekte Ziel. Sie sind einfach zu erreichen, verbinden Menschenmengen und christliche Bedeutung. So ein Mann befindet sich nach so einer Tat in einer speziellen Situation, besonders, wenn er angeblich angeschossen war. Ich gehe davon aus, dass er Panik hatte und dazu jemand ist, der hochgradig problematisch ist, vorbestraft. Möglicherweise hat er sich aus dem Druck seiner Situation entschlossen, in Straßburg zu bleiben.“

Ein Einschussloch in der Haustür, an der der Attentäter von Polizisten erschossen wurde

Jetzt sucht die Polizei nach möglichen Komplizen. Ermittler wollen klären, ob der 29-Jährige bei seiner Flucht Hilfe bekommen hatte. Laut dem Staatsanwalt von Paris, Rémy Heitz, sind sieben Personen in Polizeigewahrsam: vier Familienangehörige und drei der Familie nahestehende Personen.

Beamte in weißen Schutzanzüge sichern Spuren nach der Schießerei

Eine Ladenbesitzer aus Straßburg: „Die Stimmung in der Stadt ist noch immer sehr bedrückt, die Menschen sind traurig und stehen unter Schock. Jeder spricht darüber. Aber wir sind erleichtert, dass es jetzt vorbei ist. Man wünscht es niemandem, aber es ist gut, dass der Täter tot ist.“