Zuletzt blockierten mehrere türkische Hochzeitsgesellschaften den Verkehr auf Autobahnen. Ärgerlich? Für die anderen Fahrer ganz bestimmt. Unser Autor will trotzdem nicht klagen – und die Sache lieber von ihrer positiven Seite sehen.

In der letzten Zeit häufen sich Berichte über Hochzeitspartys, die nicht in einem Saal oder einem Gartenlokal gefeiert werden, sondern mitten auf der Autobahn. Auf der A81 von Heilbronn nach Stuttgart haben Teilnehmer einer „Hochzeitsgesellschaft mit mindestens vier teuren Autos“ den Verkehr blockiert und den „dadurch entstehenden Stau“ gefilmt.

Eine andere türkische Hochzeitsgesellschaft blockierte auf der A8 bei Esslingen über drei Fahrstreifen den Verkehr, derweil auf der A3 gleich an zwei Stellen ausgelassen gefeiert wurde, einmal in Unterfranken und einmal bei Düsseldorf, mit den unvermeidlichen Folgen für den Verkehr, der lahmgelegt wurde.

Für die Polizei ist es nicht einfach, solche „Störungen“ zu beseitigen. Die Beamten müssen erst einmal zum Ort des Geschehens durchkommen. Was angesichts der Unfähigkeit der meisten Autofahrer, eine Rettungsgasse zu bilden, nicht einfach ist.

Die Aufnahme der Personalien kann sich ebenfalls hinziehen, weil erst festgestellt werden muss, wer am Steuer der oft gemieteten Fahrzeuge saß. Diese zu beschlagnahmen wäre eine gute, aber keine vernünftige Idee. Man müsste Abschleppfahrzeuge bestellen, die nicht um die Ecke darauf warten, gerufen zu werden. Vorrangig ist, dass der Verkehr wieder fließt, denn je länger ein Stau wird, desto länger dauert es, ihn aufzulösen.

Es nutzt nichts, über das Phänomen zu klagen oder zu fragen, warum es immer „türkische Hochzeitsgesellschaften“ sind und keine spanischen oder italienischen. So ist es eben.

Sehen wir die Sache lieber von ihrer positiven Seite. Der Verkehr wird entschleunigt. Während der Fahrtpausen üben wir kultursensibles Verhalten. Wir lehnen uns nicht aus dem Fenster und schreien: „Hast du ein Rad verloren?!“ oder „Ist deine Schwiegermutter abgehauen?!“, nein, wir schärfen unseren Blick für Kulturen, die andere primäre und sekundäre Tugenden pflegen. Herzlichkeit statt Förmlichkeit, Spontaneität statt Planungssicherheit, Homogenität statt Diversität.

Und plötzlich begreifen wir, was der Satz bedeutet, dass Integration keine Einbahnstraße ist, dass die Gesellschaft auf die Migranten zugehen, von ihnen lernen sollte.

In ein paar Tagen bin ich wieder auf dem Weg nach Süden, in meine bayerische Wahlheimat. Und wenn sich dann bei Irschenberg der Verkehr staut, will ich hoffen, dass es kein Unfall ist, sondern die Biermösl Blosn wiederauferstanden sind und ein Konzert mitten auf der A8 geben. Des wird a Mordsgaudi!