Die Ethnologin Susanne Schröter betrachtet das Kopftuch als ein frauenfeindliches, nicht als ein religiöses Symbol. Anlässlich einer von ihr angesetzten Tagung an der Uni Frankfurt eskaliert der Konflikt mit den Identitätslinken. Die unterdrücken mit ihrem Gesinnungsterror berechtigte Kritik.

Es gibt eine Kurzgeschichte von Franz Kafka, in der ein nicht näher benanntes, dachsähnliches Tier einen unterirdischen Bau errichtet. Er soll als Schutz und Vorratslager dienen. Zunächst fühlt sich das Tier in dem Bau absolut sicher und schlummert friedlich ein. Doch eines Tages meint das Tier ein Geräusch zu bemerken. Von nun an versucht es verzweifelt, die Ursache des Geräusches zu finden. Doch das angebliche Geräusch ist nicht zu orten. Überall im Bau ist es gleich laut. Immer hysterischer will das Tier etwas über das Geräusch herausfinden. Es schläft nicht mehr, isst kaum und versucht wie besessen, dem Geräusch habhaft zu werden. Doch umsonst. Dann bricht die Geschichte ab.

Die politische Linke ist das dachsähnliche Tier unserer Tage und Rassismus das diffuse Geräusch, das sie zu vernehmen meint und nach dessen Quelle sie zwanghaft sucht. Das führt in immer dichteren Abständen zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen.

Wissenschaft statt Ideologie

Zum Beispiel an der Uni Frankfurt. Dort unterrichtet die überaus angesehene Ethnologin Susanne Schröter. Schröter ist Direktorin des Instituts für Ethnologie, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) und Mitinitiatorin des Exzellenzclusters „Normative Orders“. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnung, der Islam in verschiedenen Lebenswelten, die damit verbundenen Veränderungen und Genderaspekte.

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Themen von Schröters Arbeiten kaum von dem, was in den letzten Jahren Zeitgeist geworden ist an geisteswissenschaftlichen Instituten. Schaut man jedoch genauer hin, stellt man fest, dass es Schröter nicht um Ideologie geht, sondern um Wissenschaft. Das liegt sicher auch daran, dass sie als Ethnologin einer empirischen, an der Beobachtung konkreter Lebensweisen orientierten Forschung verpflichtet ist. Wer sich jedoch mit der Realität befasst, der durchbricht häufig liebgewordene Schemata, an die sich viele krampfhaft klammern, weil sie die Welt so schön einfach erklären.

Kopftuch ist politisches Instrument

So beim Reizthema Islam. Wo sich Islamkritiker auf der einen und Islamversteher auf der anderen Seite in ihren jeweiligen Stellungen verschanzt haben und auf alles schießen, was sich bewegt, lenkt Susanne Schröter den Blick auf die Lebenswirklichkeit hiesiger Muslime, an der die einfachen Schablonen der Ideologen kläglich scheitern. Damit macht man sich nicht nur Freunde. Insbesondere, wenn man dann auch noch bei Schlüsselfragen eindeutig Position bezieht. So geschehen beim Aufreger schlechthin: dem Kopftuch.

Klar, deutlich und nüchtern wies die Ethnologin in den letzten Jahren immer wieder darauf hin, dass das Kopftuch im Koran nicht erwähnt wird, dass es mit Religion schrecklich wenig, mit kulturell legitimiertem Sexismus und Frauenfeindlichkeit aber umso mehr zu tun habe. Das Kopftuch sei ein politisches Instrument, kein Religiöses – und immer mehr Muslima würden es tragen.

Aufgabe von Frauenrechten für Multikulti

Mit der Gallionsfigur Alice Schwarzer positioniert sie sich also gegen die Identitätslinke, die im Namen von Multikulti bereit ist, Menschen- und Frauenrechte zu opfern – und alle, die das nicht mitmachen, als rassistisch beschimpft.

Anlässlich an einer von Susanne Schröter unter dem Titel „„Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?“ für Anfang Mai anberaumten Tagung eskaliert der Konflikt mit der autoritären Linken nun endgültig. Auf der inzwischen gelöschten Instagramseite „Uni gegen AMR – Kein Platz für Anti-Muslimischen Rassismus“ unterstellen Aktivisten der Wissenschaftlerin Rassismus und fordern die Universität auf, Schröter ihrer Ämter zu entheben.

Diskreditierung abweichender Meinungen

Der Vorwurf des Rassismus gegen die Ethnologin und andere Referenten, darunter Alice Schwarzer, Necla Kelek oder Abdel-Hakim Ourghi, ist so absurd, dass er nicht weiter kommentiert werden muss. Man könnte die Sache also als peinliche Farce intellektueller Irrlichter abtun. Doch das wäre ein Fehler. Dafür hatte die Initiative in zu kurzer Zeit zu viel Unterstützer. Und nicht nur unter sektiererischen Universitäts-Linken hat sich ein geradezu metaphorischer Rassismus-Begriff breitgemacht, der jede ideologisch abweichende Meinung als „rassistisch“ diskreditiert und unterdrücken möchte.

Doch nur Rassismus ist rassistisch. Also die Herabstufung von Menschen anhand angeblicher Rassen. Kultureller Normen zu kritisieren, ist hingegen nicht rassistisch und der Versuch, jede Kritik an ihnen mit dem R-Wort abzuwürgen, totalitär. Kulturen müssen sogar kritisiert werden. Sonst läuft man Gefahr, Unrecht als Folklore zu legitimieren. Vor allem aber ist hier die Politik gefordert, viel klarer gegen Gesinnungsterror in Namen eines angeblichen Antirassismus Stellung zu beziehen.