Zwei Männer und eine Frau, die herumlümmeln, trinken, rauchen, labern: Das war Teil eins der Verschwörungsgeschichte um Straches „rein privates Treffen“ auf Ibiza. Teil zwei verspricht mehr als das Video selbst.

Jetzt, da, nach der ersten Staffel gewissermaßen, der FPÖ-Mann Heinz-Christian Strache zwar nicht eines Verbrechens, auf jeden Fall aber einer atemberaubenden Dummheit und eines kleinmaxlhaften Größenwahns überführt ist, jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob in der zweiten Staffel herauskommen wird, wer ihn da überführt hat.

Es ist ja eine doppelte Verschwörungsgeschichte, welche, zum Teil, die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Spiegel“ erzählen, und die erste, die aufgedeckte Verschwörung geht so: Wie wäre es, wenn wir, die FPÖ, eine reiche Russin dazu überredeten, eine Viertelmilliarde zu investieren, womit man erst die mächtige „Kronen Zeitung“ kaufen und unter Kontrolle bringen, dann die Nationalratswahl gewinnen, anschließend den Rest der Presse und den Rundfunk gleichschalten und sich bei den Russen mit Staatsaufträgen bedanken würde? Klingt genau so, als hätten viel Champagner und Red Bull (von der Frage, was Strache raucht in dem Video, und was da sonst für weißes Pulver auf dem Tisch in der Russenvilla liegt, ganz zu schweigen) ihn eher inspiriert als jener nüchterne Realismus, den man als Fernsehserienfan schon deshalb vermisst, weil man sich vorstellen kann, wie misstrauisch und wie gut vorbereitet Weltklassebösewichte wie Tony Soprano oder Frank Underwood in so ein Treffen hineingegangen wären. Dass sie neutrales Terrain gewählt hätten, versteht sich von selbst. Was das Video zeigt, zwei Männer und eine Frau, die in Freizeitkleidung in einer Sitzecke herumlümmeln, trinken, rauchen, labern, das ist leider nicht „House of Cards“. Straches Format reicht nur für „Big Brother“.

Immerhin deuten die „Making of“-Videos und die Artikel in der „SZ“ und im „Spiegel“, in denen von verlassenen Hotels und konspirativ übergebenen USB-Sticks die Rede ist, schon an, dass die zweite Staffel, falls sie je herauskommt, eine bessere Besetzung und interessantere Schauplätze haben könnte. Immerhin geht es da um die gelungene Verschwörung: Wir spielen reiche Russen, laden Strache zu uns ein, machen ihm ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann, und filmen alles mit versteckten Kameras.

Was nur dann ein guter Plan ist, wenn man die Eitelkeit und Dummheit des potentiellen Opfers richtig einschätzt – und das ist jetzt die Frage, die nicht nur Österreich bewegt: Wer kennt Strache gut genug? War es Norbert Hofer, fragt mancher auf Twitter, weil Hofer schon lange FPÖ-Chef werden wolle? Waren es westliche Geheimdienste, die die FPÖ insgesamt erledigen wollen, fragt die Zeitung „Die Presse“. War es Jan Böhmermann, der schon im April auf diesen Abend anspielte? Es ist ja nicht so, dass der krasse Regelbruch, Leute ohne deren Einwilligung beim Trinken und Blödsinnreden zu filmen, dadurch aufgehoben würde, dass diese Leute sehr schmutzige politische Phantasien haben.

Das wäre schon auch eine lohnenswerte Recherche: herauszubekommen, ob es Böhmermann war. Oder wer sonst.