Die Energiepreise haben den heftigsten Anstieg seit sieben Jahren hinter sich. Was steckt hinter dieser seltsamen Entwicklung – und wie stark trifft das die Geldbeutel der Deutschen vor Weihnachten?

Die Autofahrer haben es besonders stark gemerkt, an immer abenteuerlicheren Ziffern an den Preisanzeigetafeln an Deutschlands Tankstellen: Energie ist hierzulande im November auffällig teurer geworden. Das Statistische Bundesamt hat jetzt veröffentlicht, dass der Anstieg der Energiepreise im vergangenen Monat stolze 9,3 Prozent betragen hat. Das ist außergewöhnlich viel – und war immerhin der höchste Anstieg seit sieben Jahren. Auch zur hohen Inflationsrate in Deutschland im November von 2,3 Prozent haben die Energiepreise maßgeblich beigetragen. Was steckt dahinter?

Besonders heftig war es bei den Preisen für Benzin und Diesel. Am 11. November erreichten die Kraftstoffpreise an Deutschlands Tankstellen einen Höchststand von mehr als 1,45 Euro je Liter Diesel und fast 1,55 Euro je Liter Super E10 im Bundesdurchschnitt. In bestimmten Regionen, an einzelnen Tankstellen und zu bestimmten Tageszeiten wurden sogar noch ganz andere Preise verlangt. Als Grund dafür, dass die Kraftstoffpreise trotz sinkenden Rohölpreise so kräftig gestiegen sind, gaben die Ölkonzerne das Niedrigwasser auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen an, das die Transportkosten verteuert habe.

Deutschland ist mit Dänemark Spitzenreiter

Dazu passte, dass an manchen Tankstellen sogar zeitweise das Benzin ausging. Der Autoklub ADAC bezweifelt allerdings bis heute, dass dies die alleinige Ursache war. Er nimmt an, die Ölunternehmen hätten das Niedrigwasser zum Anlass genommen, ihre Marge kräftig auszuweiten. Der enorme Energiepreisanstieg wäre damit auch einer guten Wirtschaftslage geschuldet, die es den Unternehmen ermöglichte, deutlich höhere Preise durchzusetzen. Solche Veränderungen spüren die Verbraucher durchaus: Wer mit seinem Auto dreimal im Monat 40 Liter tankt, für den machen 10 Cent Unterschied beim Benzinpreis 12 Euro im Monat aus – oder 144 Euro im Jahr.

Auch Heizen ist im November kräftig teurer geworden. Heizöl erreichte zeitweise einen Stand von gut 85 Euro für 100 Liter, gut 20 Euro mehr als noch wenige Monate zuvor. Auch Gas ist teurer geworden. Und beim Strompreis liegt Deutschland schon lange über dem Durchschnitt der Länder der Europäischen Union – seit dem vergangenen Jahr aber bildet die Bundesrepublik nun sogar gemeinsam mit dem langjährigen Spitzenreiter Dänemark die Spitze bei den Strompreisen in Europa.

Heizen ist im November kräftig teurer geworden. Heizöl erreichte zeitweise einen Stand von gut 85 Euro für 100 Liter

Die Summen, um die es dabei für die einzelnen Haushalte geht, sind zumindest nicht ganz trivial. Nach Angaben der Internetplattform Verivox sind die Gaspreise für Verbraucher im Schnitt von Oktober auf November um 2,4 Prozent gestiegen und die Strompreise um 1,4 Prozent. Für eine drei- bis vierköpfige Familien mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Gas bedeute der Preisanstieg aufs Jahr gerechnet eine Mehrbelastung von 27 Euro und beim Strom bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden eine Mehrbelastung von 15 Euro.

Die Jahresstromrechnung für die Durchschnittsfamilie auf Basis der Novemberpreise würde demnach jetzt 1121 Euro betragen, beim Gas käme man auf durchschnittlich 1147 Euro. Diese Preiserhöhungen sind für viele Verbraucher relevant: In Deutschland heizen noch etwa 26 Prozent der Haushalte mit Heizöl (früher waren es deutlich mehr), 49 Prozent mit Gas und 14 Prozent mit Fernwärme, der Rest verteilt sich auf Strom, Wärmepumpen, Holz, Kohle, Biomasse und Sonstige.

Energiekosten reduzieren die Kaufkraft der Deutschen

Das alles belastet das Haushaltsbudget durchaus. „Die gestiegenen Energiekosten haben die Kaufkraft der Bürger in Deutschland im November um beachtliche 0,8 Prozent reduziert“, sagt Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Seine Einschätzung ist allerdings, dass diese zusätzliche Belastung des Budgets noch nicht dazu führt, dass die Leute sich wahnsinnig einschränken und womöglich bei den Weihnachtsgeschenken knausern. „Das wird kaum auf das Weihnachtsgeschäft durchschlagen“, meint Krämer.

Diese Hoffnung gründet sich auf die gute Wirtschaftsentwicklung. Denn die Einkommen der Deutschen nähmen auf der anderen Seite in diesem Jahr kräftig zu, um durchschnittlich rund 3 Prozent. „Das liegt an den wieder stärker steigenden Löhnen und der boomenden Beschäftigung“, sagt der Ökonom. „Das Einkommensplus übersteigt die Inflation deutlich, so dass die Einkommen in diesem Jahr inflationsbereinigt um 1,5 Prozent zulegen.“ Trotz der gestiegenen Energiepreise steige die Kaufkraft der Deutschen also merklich an. Krämer meint: „Die gestiegenen Benzin- und Heizölpreise werden das Weihnachtsgeschäft nicht verhageln – der Handel darf sich auf ein gutes Geschäft freuen.“

Zum Teil sind die Energiepreise im Dezember jetzt wieder etwas moderater geworden – aber auch nicht bei allem. Benzin und Diesel sind ebenso wieder günstiger geworden wie Heizöl. Bei Gas und Strom aber gehe der Preisanstieg weiter, berichtet das Internetportal Verivox. Für einen durchschnittlichen Haushalt verzeichnet die Internetplattform in diesem Monat bislang einen Anstieg beim Strom um 1,3 Prozent und beim Gas um 2 Prozent.

Zudem hätten viele Versorger zum Januar die Preise angehoben. „Gas wird für Verbraucher im Jahr 2019 spürbar teurer. Grund sind vor allem die höheren Beschaffungskosten, die Börsenpreise sind zwischen März und Oktober um rund 50 Prozent gestiegen“, berichtet Oliver Bohr von der Internetplattform Check 24. „Verbraucher zahlen schon seit langem Rekordpreise für Strom und sie müssen sich 2019 auf weitere Preissteigerungen einstellen.“