Wie von Sinnen, ohne jeden Anlass und für die Opfer völlig überraschend schlug ein 34-jähriger Syrer am Gründonnerstag in einer Magdeburger Straßenbahn auf zwei Fahrgäste ein, verletzte sie schwer. Es ist eine Tat, die fassungslos macht – auch, weil sie möglicherweise hätte verhindert werden können.

Laut der „Magdeburger Volksstimme“ wurde bei der Prügelorgie zunächst Abiturientin Levken (18) von dem Täter mit brutalen Faustschlägen attackiert, wobei sie einen Nasenbruch sowie einen Bruch des linken Augenhöhlenrings davontrug. Als ihr der Medizinstudent Raman (28) zur Hilfe eilen wollte, wurde auch dieser von dem Täter schwer verletzt, er erlitt u.a. Platzwunden und einen Bruch der Vorderhöhlen-Stirnwand.

Die Polizeiakte des Straßenbahnschlägers

Verletzungen, die vermuten lassen: Das hat der Täter wohl nicht zum ersten Mal gemacht. Und tatsächlich: Bahar M. (34) ist bei der Polizei kein Unbekannter. Es handelt sich bei dem Syrer ganz offensichtlich um einen Serientäter, der womöglich gar nicht mehr auf freiem Fuß hätte sein dürfen.

Dreimal bereits wurden Bahar M. als Täter bei der Polizei aktenkundig:

  • Dezember 2018, gefährliche Körperverletzung: Vor einer Spielhalle in Detmold (NRW) rammt er seinem Opfer einen Kugelschreiber unterhalb des Schlüsselbeins in die Schulter.
  • Dezember 2018, Körperverletzung, ebenfalls in Detmold: M. schlägt seinem Opfer mit der Faust ins Gesicht.
  • Anfang 2019, wieder Körperverletzung, diesmal in Lemgo (NRW), hier ist Bahar M. offiziell gemeldet.

Trotz dieser drei Taten kam Bahar M. nicht hinter Schloss und Riegel. Und auch nach der Gewaltorgie in Magdeburg blieb er zunächst auf freiem Fuß. Erst als nach einigen Tagen die Verletzungen der beiden Opfer als „potenziell lebensbedrohlich“ eingestuft wurden, wurde Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft Detmold wurde zu keinem Zeitpunkt von den Magdeburger Behörden zu M. angefragt. Der Magdeburger Hauptkommissar Küssner: „Da zunächst die Verletzungsfolgen nicht bekannt waren, wurde die Tat lediglich als einfache Körperverletzung angezeigt. Wir überprüften deshalb lediglich, ob ein Haftbefehl vorlag. Dies war nicht der Fall, weshalb wir auch keinen Untersuchungshaftbefehl beantragten.“

Warum die Beamten vor Ort die Schwere der Verletzungen nichtmal im Ansatz erkannten – unklar. Auch die Umstände der Tat wurden offenbar völlig falsch eingeschätzt. Ging man von einer kleinen Rangelei unter jungen Leuten aus?

Die Magdeburger Beamten versäumten es sogar, eine polizeiinterne Abfrage nach Bahar M. durchzuführen. Eigentlich reine Routine, auch bei viel kleineren Delikten. Das System speichert alle Anzeigen, die gegen eine Person vorliegen. In diesem Fall wären die Beamten auf die sehr gewalttätige Vorgeschichte des Syrers gestoßen. Alle drei Delikte von Bahar M. aus NRW sind in dem System erfasst.