Drei Mütter, alle alleinerziehend, erzählen von der Schwierigkeit der Partnersuche, von großen Träumen, logistischen Herausforderungen und der Frage, wie viele Kompromisse vertretbar sind.

Frankfurt ist ihr fremd geworden. Und das, obwohl sie sich hier auskennt. Sie weiß, wo es den besten Cappuccino gibt, welche Bar die ausgefallensten Cocktails serviert, kennt Geheimtipps und Schleichwege. Nicht die Stadt hat sich in den vergangenen zwei Jahren verändert, sondern ihre Lebenssituation. Sie selbst ist sich in dieser Stadt fremd geworden. Sie hat ihren Platz noch nicht wiedergefunden. In Frankfurt war sie in der Vergangenheit immer mit ihrem Partner unterwegs. Ich und du – wir zwei. War das „Ich“ allein unterwegs, wusste sie, dass das „Du“ irgendwo auf sie wartete.

Jetzt gibt es kein „wir zwei“ mehr. Besser gesagt: Es gibt ein neues „wir zwei“. Aber es ist ein anderes. Sie ist jetzt Mutter – und Single. Das Kind war geplant, die Trennung ist passiert. „Das erste Babyjahr hat mich total fertiggemacht. Nur, weil man eine Frau ist, ist man nicht automatisch eine geborene Mutter“, sagt sie. Noch während der Schwangerschaft ist sie mit ihrem Mann aus Frankfurt in eine andere Stadt gezogen. „Berufliche Gründe“, erklärt die 39 Jahre alte Frau, die nicht erkannt werden möchte. Denn noch wissen nicht alle in ihrer Familie, dass ihr Mann und sie sich scheiden lassen werden. „Ich habe türkische Wurzeln“, sagt sie, als würde das jede weitere Frage überflüssig machen.

Die neue Stadt, die neue Rolle als Mutter, das neue Leben – „das war ein ,Neu‘ zu viel“, sagt sie und klingt dabei, als würde sie eine Erklärung suchen für das, was sie nicht erklären kann. Nach der Trennung ist sie mit ihrem Sohn nach Frankfurt zurückgekehrt. Der Vater des Kindes hat sich ein Zimmer in ihrer Nähe gesucht, um seinen Sohn am Wochenende regelmäßig sehen zu können. Durch das gemeinsame Kind fühlt sich die Trennung noch nicht wie eine an – und ist es doch.

Lernen ein „Ich“ zu sein

Ihr Alltag ist ein anderer geworden. Spielplatz statt Szenecafé, durchgetaktete Tage statt Großstadttreiben. Morgens erlaubt sie sich nur noch ein Glas Tee, um im Park nicht sofort wieder auf Toilette zu müssen. Dann müsste sie ihren protestierenden Sohn nämlich aus dem Spiel reißen. Die Aufsicht Fremden zu übertragen kommt für sie nicht in Frage. „Zu zweit sind die Dinge einfacher.“ Sie kennt viele solcher Situationen im Alltag, in denen sie sich Unterstützung wünscht. „Aber am schlimmsten ist die Einsamkeit“, sagt sie, pausiert kurz, korrigiert dann. „Nein“, sie sei ja nicht wirklich einsam. Sie habe ja ihren Sohn. Aber der sei eben kein Partnerersatz, sondern einfach ein Kind – und solle genau das auch sein dürfen.

Eine Frau und ein Kind gehen über einen Gehweg

Sie würde gerne wieder jemanden kennenlernen. „Aber wann?“ Abends, wenn sie ihren Sohn ins Bett bringt, schläft sie oft erschöpft neben ihm ein. Will sie ausgehen, muss sie einen Babysitter organisieren. Das ist teuer – und muss von langer Hand geplant werden. Weil sie es nur noch selten schafft, sich abends zu verabreden, hat sie sich auf einer Online-Datingplattform angemeldet. Die Männer mögen ihr Profil. Sie ist auffallend zierlich, ein dunkler Typ, gebildet, erfolgreich im Beruf. Und sie ist alleinerziehend. Das mögen die Männer nicht, glaubt sie zu wissen. Und sie selbst mag es auch nicht. Weil es sich in ihren Ohren ein bisschen nach „gescheitert“ anhört. Zumindest fühlt es sich für sie so an. „Ich wollte nie, dass es so ist. Ich wollte immer eine gute, funktionierende und liebende Familie.“

Sie will wieder lieben. Aber gerade fehlen ihr die Kraft, die Zeit, die Muße, um sich ernsthaft auf die Suche nach einem neuen Partner zu machen. Bald wird sie wieder Vollzeit arbeiten. Auch, weil sie nicht dauerhaft vom Geld ihres Ex-Manns abhängig sein will. Mit dem 40-Stunden-Job will sie sich finanziell absichern „Auch für später. Für die Rente“, sagt sie und klingt dabei müde. Fast, als hätte sie eben erst realisiert, dass sie auch die Zukunftsvorstellung vom gemeinsamen Altern beiseiteschieben muss. „Ich würde gerne wieder jemanden kennenlernen, mit dem ich glücklich bin“ – aber das hat noch ein bisschen Zeit. In dem neuen Frankfurt, in dem sie jetzt lebt, lernt sie gerade erst wieder, ein „Ich“ zu sein.

Partnersuche unter Zeitdruck

Wer einen neuen Job sucht, der bereitet sich vor. Der hat genaue Vorstellungen von dem, was er will. Von dem, was er nicht will, sowieso. Sophia Mendes, die eigentlich anders heißt, sucht keinen neuen Job. Sie sucht einen neuen Partner. „Aber ich bereite mich genauso gewissenhaft darauf vor wie auf die Jobsuche“, sagt sie. Mit ihren 41 Jahren war sie schon einmal verheiratet. Drei Jahre dauerte die Ehe. Eine Zeit, über die sie nicht gerne spricht. „Manchmal war es die Hölle“ – mehr will sie dazu nicht sagen. Sie sehnt sich nach einem Mann an ihrer Seite. Einem, der ihre Werte teilt, einem, der ihren Sohn beim Aufwachsen begleitet, einem, der mit ihr eine Familie gründet. Denn Mendes wünscht sich ein zweites Kind. Und nicht nur das. Sie will das volle Familienprogramm.

Mit Elternschlafzimmer, gemeinsamen Abendessen, Geschwister-Zank und Fernsehabenden auf dem Sofa. „Aber ich habe nicht mehr so viel Zeit dafür.“ Eine Beziehung mit Kompromissen wolle sie trotzdem nicht. „Viele vergessen, sich selbst zu lieben.“ Sie nicht. Sie hat in den vergangenen Jahren gelernt, auf sich zu vertrauen. Sie verdient ihr eigenes Geld, kümmert sich im Alltag allein um ihren Sohn, um den Haushalt, darum, dass alles läuft. „Ich bin durchgetaktet“, sagt sie und klingt selbst dabei atemlos. „Ich muss es mir richtig vornehmen, abends rauszugehen. Sonst mache ich es nicht.“ Dann kommt ihre Mutter Hunderte Kilometer angefahren, um auf ihren Enkel aufzupassen. Mit Babysittern habe sie bisher nur schlechte Erfahrungen gemacht. „Zu unzuverlässig“, sagt sie.

Mendes sucht sich bewusst Veranstaltungen heraus, bei denen sie neue Kontakte knüpfen kann. Und oft merkt sie, wenn sie einmal angekommen ist, dass sie eigentlich wieder gehen will. Weil sie unfassbar müde ist. Also hat sie es ebenfalls mit Online-Dating probiert. „Ich habe ja nicht immer die Zeit, um richtig auszugehen.“ Dass sie allein für sich und ihren Sohn sorgen kann, macht sie stolz – und genau diese Haltung trägt sie auch nach außen. Den Männern gefalle das, sagt sie. „Ich bin unabhängig. Das gibt mir eine Stärke, vor der die Männer Respekt haben.“ Nur ihr gefallen die Männer oft nicht, die sich bei ihr melden. „Ich bin wählerischer geworden. Ich will einen Partner, aber nicht um jeden Preis.“ Neulich hat wieder ihre Mutter angerufen. Ob es noch etwas werde mit dem zweiten Enkelkind. „Du bist schließlich nicht mehr die Jüngste.“

Kein Platz für Kompromisse

„Jemanden zum Bilderaufhängen brauche ich nicht. Das kann ich allein. Und wenn ich es mal nicht kann, dann kenne ich jemanden.“ – Sätze wie diesen sagt Katharina Schünemann oft. Es sind Sätze einer jungen Frau, die früh lernen musste, für sich und ihre fünf Jahre alten Zwillinge zu sorgen. „Ich war von Anfang an mit den beiden allein“, sagt sie. Das stimmt. Irgendwie. Und irgendwie auch nicht. Zwar hat sich der Vater der Kinder nie richtig gekümmert, Freunde und Familie aber standen ihr zur Seite. Die 30 Jahre alte Sozialarbeiterin lebt mit ihren Kindern in einem Reihenhaus mit Garten bei Darmstadt.

Um sich die Miete überhaupt leisten zu können, hat sie zwei Zimmer an Studenten untervermietet. In der Wohnungsanzeige habe sie explizit nach Männern gesucht – damit ihre Kinder nicht nur in einem Frauenhaushalt aufwachsen, sagt sie. Es haben sich nur wenige gemeldet. Und das, obwohl sie die Miete schon niedrig angesetzt habe, so Schünemann. Eingezogen ist zuerst ein chilenischer Tätowierer, dann ein Iraner, zuletzt ein Student aus China. Gut so, sagt Schünemann. Dann würden ihre Kinder gleich mit einem weltoffenen Blick aufwachsen. „Es ist keine Party-WG. Ich nenne es Wohnen mit Familienanschluss.“

Männer im Haus gibt es also, ein Partner aber, der fehlt noch. Oder etwa nicht? Schünemann überlegt. Dann sagt sie: „Nein, nicht wirklich. Es ist doch schön, dass wir unabhängig sind und schalten und walten können, wie wir wollen.“ Außerdem könnten sich Männer in ihrem Alter oft nicht vorstellen, Verantwortung für zwei Kinder zu übernehmen. Müssten sie auch gar nicht – die Verantwortung trägt Schünemann schon selbst. „Ich kriege alles ganz gut allein gebacken. Es ist okay so, wie es ist.“ Und falls sie sich doch verlieben sollte? „Dann müsste er sich uns anpassen. Ich bin da nicht mehr so flexibel.“