Noch ist der neue Verdacht gegen Daimler, bei den Abgaswerten getrickst zu haben, nicht erhärtet. Dass schon jetzt der Stab gebrochen wird, zeigt wie mies das Image ist.

Und noch ein Diesel-Skandal! Jetzt ist auch der Daimler dran! Obwohl die Stuttgarter sich doch immer so unschuldig geben! Das sind die Gedanken, die vielen durch den Kopf schießen werden, wenn sie erfahren, dass jetzt noch eine Funktion in der Motorsteuerung eines Mercedes gefunden wurde, die für saubere Werte auf dem Prüfstand und dreckige Luft in der Stadt gesorgt hat. Wer weiß, was da noch alles getrickst wird – das ist dann oft die Schlussfolgerung. Und wieder ist das Image der Autoindustrie ein bisschen schlechter.

Das ist ungerecht, denn so eine Meldung über ein Anhörungsverfahren ist nicht mehr als ein Zwischenstand. Das Kraftfahrtbundesamt hat sich zu einem bestimmten, von Mercedes verwendeten Verfahren auf Grundlage von Tests und Befragungen eine Meinung gebildet und ermöglicht dem Autohersteller nun, Stellung dazu zu nehmen. Mehr weiß man noch gar nicht.

Übrigens weiß man, was Daimler angeht, bisher auch nicht, ob die Sache mit der weißen Weste stimmt oder nicht. Nachdem im vorigen Sommer der Streit um den sauberen Diesel bis auf die Ebene von Verkehrsminister und Vorstandschef eskaliert wurde, muss Mercedes nun zwar Hunderttausende Autos zurückrufen und mit Software-Updates für bessere Abgaswerte sorgen. Aber der Stuttgarter Konzern hat gegen diesen Bescheid Widerspruch eingelegt und will die Sache notfalls sogar gerichtlich klären lassen. Das sieht keineswegs danach aus, als müsste Daimler sich schon des Betrugs überführt sehen.

Trotzdem kommt das schnelle Urteil ja nicht von ungefähr. Daimler und die anderen Autohersteller haben viel dafür getan, dass ihr Image so mies ist. Schönreden gehörte in der Branche zum Geschäftsmodell. Angaben zum Spritverbrauch wurden von den Verbrauchern immer schon müde belächelt. Und nachdem Volkswagen im Herbst 2015 den millionenfachen Betrug mit Abgassystemen zugeben musste, ist es endgültig vorbei mit der Glaubwürdigkeit der Autoindustrie. Überall, so scheint es, hat man in Sachen Abgaswerten mindestens getrickst, und zudem haben die Hersteller die Sauereien auch noch untereinander abgesprochen. Nicht umsonst stehen Kartellvorwürfe der EU im Raum. Niemand sollte sich davon blenden lassen, dass die Kunden bisher noch fleißig dicke Autos in Deutschland kaufen. Das kann sich auch schnell ändern.