Zwei Jahre nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz könnte es zu einer weiteren Entschädigungszahlung für die Angehörigen der Opfer kommen. Der Berliner Anwalt Andreas Schulz (67), will den Social-Media Giganten Facebook auf eine Milliarde US-Dollar (877 Millionen Euro) Schadensersatz verklagen.

Andreas Schulz, der nach dem Anschlag mehrere Angehörige von Opfern vertreten hat, sagt dazu: „Facebook hat es unterlassen, ausländische Terrororganisationen davon abzuhalten, ihre Social Media Plattform zu benutzen. ISIS radikalisiert und rekrutiert über Facebook Selbstmordattentäter.“

Auch der Tunesier Anis Amri, der am 19.12.2016 mit einem gestohlenen 40-Tonner auf den Weihnachtsmarkt raste und dabei 12 Menschen tötete und 70 Personen teilweise schwer verletzte, hatte vor dem Anschlag über Facebook kommuniziert.

Das FBI hatte Amris Facebook-Account ausgewertet. In der Kommunikation ist ganz klar seine radikale Ausrichtung zu erkennen. Facebook hat es unterlassen, das zu löschen oder zu unterbinden.

Die Klage will der Jurist im neuen Jahr im Bezirksgericht von San Francisco, Kalifornien, einreichen. Der Hauptsitz von Facebook (Börsenwert 600 Milliarden Dollar, Stand, Juli 2018)
liegt 50 Kilometer weiter südlich in Menlo Park, Palo Alto.Bisherige Klagen von Opfern anderer Terror-Anschläge gegen das Unternehmen blieben bislang erfolglos.

So hatten Angehörige der 49 Opfer des Nachtclub-Massakers vom 12.Juni 2016 in Orlando, Florida Facebook, Twitter und Google verklagt. Der Vorwurf: Die sozialen Medien hätten durch die Verbreitung dschihadistischer Beiträge zum Attentat beigetragen.

Doch eine konkrete Verbindung zwischen dem islamistischen Attentäter und den Plattformen konnte nicht bewiesen werden.

Andreas Schulz will erreichen, dass seine Klage am Ende vor ein Geschworenengericht kommt. „Wir haben durch die Facebook-Auswertung gute Chancen. Die Angehörigen müssten dann allerdings für einen Prozess in die USA reisen.“

Opferanwalt Andreas Schulz (67)

Facebook hat alleine im ersten Quartal diesen Jahres knapp zwei Millionen extremistische Einträge gelöscht, die in Verbindung mit der Terrororganisation ISIS standen.

Insgesamt haben die mehr als 170 Angehörigen von Todesopfern und die Verletzten 3,8 Millionen Euro an Entschädigungen erhalten. 21 Verletzte erhalten je nach Schweregrad Beschädigtenrenten zwischen 141 und 736 Euro im Monat.