Das Aus der schwarz-blauen Regierung ist folgerichtig. Doch wirtschaftlich hat das Bündnis mehr hinbekommen als die Vorgängerregierung. Hoffentlich fällt das Land nicht zurück in Stillstand.

Am Ende ging es vielen nicht schnell genug in Wien. Teile der österreichischen Öffentlichkeit empörten sich darüber, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz von der konservativen Volkspartei ÖVP erst am Samstagabend die Koalition mit der Rechtspartei FPÖ beendete und Neuwahlen ausrief.

Dabei hatten die Verantwortlichen nicht getrödelt, seit 24 Stunden zuvor jenes kompromittierende Video von 2017 aufgetaucht war, das dem FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache und letztlich der gesamten Regierung den Nacken brach. Der heimliche Mitschnitt zeigt Strache, wie er einer vermeintlichen russischen Oligarchin Staatsaufträge für den Fall anbot, dass sie sich in die „Kronenzeitung“ einkaufen und mit dieser medialen Macht im Rücken der FPÖ zum Wahlsieg verhelfen würde.

Das Aus der Regierung war folgerichtig, doch hätte vor den Enthüllungen niemand ein derart schnelles Ende erwartet. Natürlich hatte es geknirscht zwischen den Partnern, weil die FPÖ immer wieder mit rechtsextremen Unappetitlichkeiten aufgefallen war. Aber im Großen und Ganzen funktionierte die Regierungsarbeit, jedenfalls besser als unter der rot-schwarzen Vorgängerkoalition.

Schwarz-Blau hat viel richtig gemacht

Für die Wirtschaft bedeutet der Bruch denn auch einen schweren Rückschlag. Bei allen Zweifeln an der FPÖ hat die Partei doch die Reformpolitik mitgetragen.

Wer sich in den Unternehmen und Verbänden umhört, hört viel Lob über die Koalition: Sie habe den jahrelangen Reformstau unter Rot-Schwarz beendet, die richtigen Akzente gesetzt, für eine bessere Stimmung gesorgt. Zum Wohle der Betriebe und deren Beschäftigten gleichermaßen.

Tatsächlich hat Schwarz-Blau viel richtig gemacht. Die Arbeitszeiten wurden flexibilisiert, die Sozialversicherungen entschlackt, die Abgaben gesenkt. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hat Österreich wieder einen ausgeglichenen Haushalt und verringert seine Schuldenquote.

Die kürzlich vorgelegte Steuerreform ist die ehrgeizigste seit dem Krieg. Sie entlastet private Haushalte – vor allem Geringverdiener – ebenso wie kleine und große Unternehmen.

Endlich hatte Österreich eine bürgerliche Regierung, die einige der großen Standortnachteile anging. Es stimmt, dass sie vor der Rentenreform zurückschreckte und dass die gute Konjunktur ihr in die Hände spielte.

Entscheidend aber ist, dass der jetzige Wahlkampf zur Unzeit kommt und niemand weiß, ob die nächste Regierung nicht zurückfällt in die Zeiten von Stillstand und Umverteilung. Es könnte sein, dass sich die Wirtschaft später zu der ÖVP/FPÖ-Koalition zurücksehnt.