Mahnung und Pfändungsandrohungen rauben vielen Menschen den Schlaf. Aber bloß nicht gleich schnell zahlen. Mehr als die Hälfte der Forderungen sind unberechtigt.

Angstwort Inkasso. Ja, es ist ein Geschäft mit der Angst. Und um es klar zu sagen: Bei berechtigten Forderungen müssen Sie zahlen.

Aber besonders viel Ärger bereiten Abzocker-Geldeintreiber. Dubiose Inkassofirmen arbeiten mit wirklich schmutzigen Tricks: frei erfundene Forderungen oder Angstmache mit drastischen Drohungen per Brief (z.B. Gerichtsverfahren, sogar Gefängnis). Die Einnahmequelle: Viele Opfer zahlen aus Angst, vor Gericht gezerrt zu werden. Die Summen liegen zwischen 100 und 200 Euro, da sagen Betroffene: „Mist, ich überweise lieber, um das von der Backe zu haben.“ Doch dabei haben sie oft Geld zum Fenster rausgeworfen.

Mehr als jede zweite Inkasso-Forderung ist unberechtigt, sagt die Verbraucherzentrale. Dieser aktuelle Fall beschäftigt die Berater am meisten: Das Internetportal Probenheld.de (Firmensitz: angeblich Karibik) ködert arglose Nutzer mit Gratis-Produkten zum Testen. Dann wollen andere Anbieter plötzlich Geld von ihnen. Kurze Zeit später erhalten die Tester Post von der Inkassofirma „Euro Collect“ aus Monheim am Rhein (NRW). Geschäftsführer Eduard Müller lässt z.B. Forderungen von „Seitensprung.tv“ (angeblich aus USA) und VeriPay aus Holland eintreiben. Der Verdacht: Ist Geschäftsführer Müller Teil des Abzocker-Netzwerks? „Euro Collect“ ließ meine Anfrage unbeantwortet.

Die Düsseldorfer Staatsanwältin Laura Hollmann schrieb mir auf Anfrage: „Zur Firma Euro Collect kann ich Ihnen mitteilen, dass hier zwar eine Vielzahl von Strafanzeigen gegen Verantwortliche der Firma, insbesondere gegen den Geschäftsführer Eduard Müller, eingegangen sind, ein Sammelverfahren wegen ‘bandenmäßigen Betrugs’ aber nicht geführt wird. Die Verfahren wurden und werden hier überwiegend mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt, weil der Nachweis eines Betrugsvorsatzes letztlich nicht geführt werden kann.“

Die Masche von dubiosen Inkassofirmen: Viele Empfänger solcher Briefe zahlen aus Angst vor den Konsequenzen. Oder weil sie sich mit der komplizierten Materie nicht auskennen.

„Euro Collect“ fiel bereits durch sehr zweifelhafte Praktiken auf:

  • Das Landgericht Düsseldorf (Az.: 12 O 227/16) hat ein Schreiben des Inkassounternehmens als unzulässige, psychische Drohung gegenüber Verbrauchern gewertet. Den Verbrauchern wird so suggeriert, sie würden, wenn sie nicht zahlen, wegen Eingehungsbetrug verurteilt oder zumindest deswegen zeitnah angezeigt.
  • Das Landgericht Frankfurt hat „Euro Collect“ im letzten Jahr unter anderem verboten, auf der Website Dieselheld.de ein Vertragsformular zu verwenden, in welchem nur versteckt auf die Kosten hingewiesen wird. Dieselheld.de wurde mittlerweile von einer Anwaltskanzlei übernommen.

Wie gehe ich mit Fantasie-Forderungen um?

Jochen Weisser (43), Jurist beim Verbraucher-Service Bayern, sagt: „Sie haben im Internet nur dann einen Vertrag geschlossen, wenn Sie auf den Button geklickt haben, der Sie auf eine Zahlungspflicht hinweist, wie z.B. ‘Jetzt kaufen’. Wer das nicht getan hat, kann ganz gelassen bleiben.“ Grund: Vor Gericht haben die Anbieter oder die Inkassofirma keine Chance, an Ihr Geld zu kommen.

  • Inkasso-Firmen sind wie eine ausgelagerte Mahnabteilung. Sparen Sie sich, die Unternehmen anzurufen oder Anzeige wegen Betrugs zu erstatten. Lohnt sich nicht.
  • Weisen Sie die Forderung kurz und bündig schriftlich zurück. Dabei keine Teilgeständnisse einbauen wie „Ich war nur mal kurz auf der Website…“. Am Ende muss die Gegenpartei nachweisen, dass es einen Vertrag mit Ihnen persönlich gibt. Theoretisch könnte ja auch ein Dritter Ihre Daten verwendet haben.
  • Lesen Sie Briefe genau. Widersprechen Sie auf jeden Fall fristgerecht einem möglichen Mahnbescheid! Sollte die Forderung eine Luftnummer sein, haben Sie erst dann Ruhe.
  • Sie haben eine dubiose Zahlungsaufforderung erhalten? Auf dieser Internet-Seite der Verbraucherzentrale können Sie eine Inkasso-Forderung kostenlos überprüfen.
  • Nutzen Sie das Tool auch, wenn Ihnen Gebühren bei berechtigten Forderungen zu hoch erscheinen. Da schlagen Geldeintreiber gern zu. Unberechtigt ist etwa die Umlage einer Kontoführungsgebühr oder Adress-Ermittlungskosten (wenn Sie nicht umgezogen sind oder dem Vertragspartner einen Umzug mitgeteilt haben).
  • Sollte die Forderung jedoch berechtigt sein, lieber bezahlen, um weitere Kosten zu vermeiden.