Der Bundespräsident rät mit Blick auf den wachsenden Judenhass: Die Menschen sollten wieder mehr miteinander reden. Aber worüber? Wie man Antisemit wird? Nein, die Politik ist gefragt. Konkret könnte die SPD-Chefin einen alten Fehler beheben.

Am Sonntag wurde in Nürnberg die diesjährige Woche der Brüderlichkeit eröffnet. Zum 68. Mal seit 1952. Veranstaltet vom Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ist die Woche der Brüderlichkeit so etwas wie ein Veteranentreffen der Guten und Aufrechten, bei dem Erinnerungen ausgetauscht und gute Vorsätze für die Zukunft gefasst werden. Ein Ritual wie die Woche der Frau, die Grüne Woche oder die Woche der Botanischen Gärten, nur auf einem höheren Anspruchsniveau.

Die Eröffnungsrede in Nürnberg hielt Bundespräsident Steinmeier. Er sagte, was bei solchen Gelegenheiten immer gesagt wird. Es erfülle ihn „mit großer Sorge“, dass der Antisemitismus „auch in der Mitte der Gesellschaft wieder salonfähig“ werde; der Antisemitismus sei immer auch „ein Angriff auf die gesamte Gesellschaft“; der Kampf gegen den Antisemitismus müsse „noch viel entschiedener“ geführt werden.

Das alles ist nicht falsch, aber es ist eben auch so richtig, wie es richtig ist, dass die Basis die Grundlage des Fundaments ist. In diese Kategorie der ewig gültigen Gemeinplätze gehört auch die Empfehlung des Bundespräsidenten, dass „wir das Gespräch miteinander suchen müssen, Gläubige und Nichtgläubige, Christen, Juden und Muslime“.

Miteinander reden, im Hausflur, am Arbeitsplatz oder am Tresen, kann nie schaden. Nur: Worüber sollen Gläubige und Nichtgläubige, Christen, Juden und Muslime miteinander reden? Wie man ein Antisemit wird? Oder was die Juden tun müssten, um die Judenhasser von ihrem Wahn zu heilen?

Der einfachste Weg, ein Problem zu entkernen, ist, es zu vergesellschaften. Wenn „wir“ alle betroffen sind, dann ist es keiner. Deswegen wird der Antisemitismus immer als ein „gesamtgesellschaftliches Problem“ beschrieben, das heißt, er wird ausgelagert. Wo die staatlichen Agenturen versagt haben, soll es „die Gesellschaft“ richten.

Wie wäre es, wenn die SPD mit gutem Beispiel vorangehen würde? Als Andrea Nahles noch Generalsekretärin ihrer Partei war, 2012, entdeckte sie „gemeinsame Werte“ zwischen der palästinensischen Fatah und der SPD, die in einer „strategischen Partnerschaft“ mündeten. Die Fatah macht kein Geheimnis daraus, dass sie ganz Palästina von der von der „zionistischen Besatzung“ befreien will. Ist das nicht auch Judenhass?

Vielleicht schafft es die SPD-Vorsitzende, das Abkommen mit der Fatah zu kündigen, das sie als Generalsekretärin geschlossen hat. Als Beitrag zur Woche der Brüderlichkeit.