Nach dem Terrorangriff in Straßburg wird weiter nach dem Täter gefahndet – es soll sich um einen Franzosen mit nordafrikanischen Wurzeln handeln. An der deutsch-französischen Grenze müssen sich Pendler auf strenge Kontrollen einstellen.

Der mutmaßliche Angreifer von Straßburg ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein französischer Staatsbürger mit nordafrikanischen Wurzeln. Der 29-Jährige wurde demnach vom Amtsgericht Singen wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und war in Deutschland in Haft. Nach dem Verbüßen der Strafe wurde er im Jahr 2017 nach Frankreich abgeschoben, wie die dpa am Mittwoch weiter erfuhr. Der Täter ist nach Informationen des Bürgermeisters der elsässischen Metropole, Roland Ries, noch flüchtig. Nach der Attacke auf den Weihnachtsmarkt hat die französische Regierung die höchste Terrorwarnstufe für das Land ausgerufen. Die Warnstufe des Anti-Terror-Plans Vigipirate werde auf das höchste Niveau „urgence attentat“ angehoben, sagte Innenminister Christophe Castaner in der Nacht auf Mittwoch in Straßburg.

Laut Castaner hätte sich der Angreifer bei der Flucht zwei Mal Schusswechsel mit Sicherheitskräften geliefert. An der Suche nach dem 29-Jährigen seien derzeit 350 Sicherheitskräfte beteiligt. Unterstützt wurden diese unter anderem von zwei Hubschraubern. Auch die Bundespolizei kontrolliert mehrere Grenzübergänge von Deutschland nach Frankreich. Wie ein Sprecher am Mittwochmorgen sagte, ist die Polizei in Kehl, Iffezheim, Breisach und Rheinau im Einsatz. Pendler von Deutschland nach Frankreich müssten sich auf Wartezeiten bis zu 90 Minuten einstellen, hieß es weiter. Wie lange die Kontrollen noch andauern, sei unklar. „Wir sind auf die Kollegen in Frankreich angewiesen. Solange die Lage nicht bereinigt ist, werden wir weiter kontrollieren“, sagte der Polizeisprecher.

Tourist aus Thailand unter den Opfern

Nicht nur der Straßenverkehr, sondern auch der öffentliche Nahverkehr werde überprüft. Dazu zählt auch die grenzüberschreitende Tram D. Diese war in der Nacht bereits komplett gesperrt worden, inzwischen fährt sie aber wieder. Laut Polizei wird auch die Fußgänger- und Radfahrerbrücke Passerelle des Deux Rives zwischen Kehl und Straßburg kontrolliert.

Zugleich gab Castaner die Zahl der Todesopfer der Attacke auf den Weihnachtsmarkt mit drei an. Zwölf Menschen seien verletzt worden, sechs von ihnen würden in Lebensgefahr schweben, sagte der Innenminister. Zuvor hatte Straßburgs Bürgermeister Roland Ries von vier Toten gesprochen. Am frühen Mittwochmorgen bestätigte das Außenministerium in Bangkok zudem, dass ein thailändischer Tourist unter den Opfern des Anschlags ist. Der 45 Jahre alte Mann war zusammen mit seiner Frau im Urlaub in Frankreich. Das Paar war erst wenige Stunden zuvor eingetroffen. Die Frau blieb dem Ministerium zufolge unverletzt. Nach Medienberichten starb der Thailänder durch einen Schuss in den Kopf.

Derweil sicherte Staatschef Emmanuel Macron den Opfern des Angriffs die Solidarität Frankreichs zu. „Solidarität der gesamten Nation mit Straßburg, unseren Opfern und ihren Familien“, schrieb Macron im Kurzbotschaftendienst Twitter. Auch Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich „tief erschüttert“ über den Terroranschlag geäußert und die „feige Tat“ verurteilt. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen“, schrieb der SPD-Politiker am Mittwochmorgen auf Twitter. Die Bundesregierung tue alles, um den französischen Freunden beizustehen, versicherte Maas.

Der tödliche Anschlag am Straßburger Weihnachtsmarkt hat auch die Abgeordneten des EU-Parlaments in eine Ausnahmesituation gebracht. Über Stunden hinweg saßen die Volksvertreter in dem Parlamentsgebäude in der Stadt im Elsass fest. Am frühen Mittwochmorgen teilte Parlamentspräsident Antonio Tajani seinen im Plenarsaal versammelten Kollegen dann mit, sie dürften das Parlamentsgebäude abseits des Stadtzentrums verlassen – allerdings nur auf eigenes Risiko. Wer ins Stadtzentrum hinein wolle, dürfe dies ausschließlich in einem von der Polizei gesicherten Konvoi, betonte Tajani. „Es ist unmöglich, ohne solch einen Konvoi ins Zentrum zu gelangen“, fügte er hinzu.

Der CDU-Europaabgeordnete Sven Schulze hatte der „Bild“-Zeitung gegen Mitternacht die beklemmende Lage am Telefon geschildert – zu einer Zeit, als noch niemand in das Parlamentsgebäude hinein und auch niemand hinaus durfte: „Es sind immer noch mehrere hundert Menschen im Parlament. Abgeordnete, Mitarbeiter – als das Gebäude abgeriegelt wurde, herrschte Hochbetrieb. Die Stimmung ist sehr bedrückt. Viele fühlten sich an den Brüsseler Anschlag von 2016 erinnert.“