Die Leverkusener wollen im Skandal um interne Kritiker-Listen der US-Tochter die Betroffenen in Kürze informieren. Vieles wird aber im Unklaren bleiben.

In mindestens sieben Ländern hat das zum Bayer-Konzern gehörende US-Unternehmen Monsanto Listen mit Persönlichkeitsdetails vor allem über Journalisten, Politiker und Umweltaktivisten erstellt. Das teilte der Leverkusener Pharmakonzern an diesem Dienstag mit. Demnach wurden in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und Großbritannien Spitzellisten geführt sowie Listen „im Zusammenhang mit EU-Institutionen“ geführt, gab Bayer bekannt.

Vor Kurzem war öffentlich geworden, dass der Saatgut- und Pestizidhersteller aus den USA interne Listen mit Kritikern in verschiedenen Ländern gepflegt hatte. Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall. Der Bayer-Tochter wird vorgeworfen, eine Liste mit rund 200 Kritikern in Frankreich angelegt zu haben, um diese später zu beeinflussen. Dazu zählten Journalisten und Abgeordnete. Auch andere europäische Länder sollen betroffen sein. Bayer sagte nach Bekanntwerden Aufklärung zu.

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern ist seit der milliardenschweren Monsanto-Übernahme ohnehin unter Druck. Er sieht sich mit Tausenden Klagen wegen einer angeblich krebserregenden Wirkung des Monsanto-Unkrautvernichters Glyphosat konfrontiert.

Mit der Untersuchung beauftragte der Leverkusener Konzern die US-Sozietät Sidley Austin, die das Mandat von ihrem Brüsseler Büro aus koordinieren wird. Die auf den Listen verzeichneten, ausgespähten Personen sollen voraussichtlich ab spätestens Ende kommender Woche kontaktiert und darüber informiert werden, welche Daten über sie erhoben wurden.

Ansonsten bleibt aber weiter vieles im Unklaren, so etwa die Anzahl der betroffenen Personen und Umfang der Listen. All dies solle nun gründlich analysiert werden. Wann die Untersuchung durch Sidley Austin abgeschlossen werden könne, sei derzeit nicht absehbar. Die US-Büros der Kanzlei hatte Bayer bereits häufiger beauftragt, beispielsweise in Prozessen im Nachgang von Übernahmen und um Patente.

Bis auf Weiteres nicht mehr zusammenarbeiten wird Bayer dagegen mit der PR-Agentur Fleishman Hillard, die von Monsanto einst den Auftrag zum Anlegen der Listen erhalten hatte. Bei allen noch laufenden Aktivitäten – ausgenommen im Marketing – prüft der Dax-Konzern die vertraglichen Möglichkeiten für einen baldmöglichen Ausstieg. Bereits direkt nach Bekanntwerden des Skandals hatte Bayer die Zusammenarbeit vorerst auf Eis gelegt.

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