Es war eine streng geheime Mission. Nach intensiven Verhandlungen des Auswärtigen Amts konnte die deutsche ISIS-Braut Carla Steinhauer am Donnerstag mit ihren drei Kindern von Syrien nach Deutschland geflogen werden. Nach ihrer Landung in Stuttgart wurde sie umgehend verhaftet. Vor knapp vier Jahren hatte sich Steinhauer nach Syrien abgesetzt und der Terrormiliz ISIS angeschlossen.

Jetzt fordert ihr Bruder Julius eine Gefängnisstrafe für seine Schwester. „Ich hoffe, dass meine Schwester hinter Gittern bleibt.“ Und weiter: „Ich freue mich aber gleichzeitig darüber, dass die Kinder wieder da sind.“ Sie hätten aufgrund der „Dummheit“ seiner Schwester viel Schlimmes durchgemacht.

Rückblick: Im Oktober 2015 bricht Carla Steinhauer aus Oberhausen (NRW) heimlich nach Syrien auf, nimmt ihre drei Kinder mit. Ihren Eltern schreibt Carla Steinhauer in einem Abschiedsbrief den Grund für ihre Ausreise: „Ich fühle mich hier in Deutschland schon lange sehr unwohl und möchte nicht, dass meine Kinder hier groß werden.“

Und so folgt Steinhauer einer Freundin, die bereits im syrischen Rakka mit ihrem Mann lebt. In der inoffiziellen Hauptstadt des ISIS-Herrschaftsgebietes heiratet die Deutsche einen ISIS-Kämpfer, bekommt kurz darauf auch ein Kind von ihm.

Als kurdische Militär-Einheiten im Frühjahr 2017 eine Offensive gegen die ISIS-Hochburg Rakka starten, muss Steinhauer mit ihren Kindern fliehen. Sie setzt sich gemeinsam mit hochrangigen ISIS-Kadern nach Osten ab. Im Dezember vergangenen Jahres kommt ihr achtjähriger Sohn Hamza bei einem Bombenangriff im syrischen Hadschin ums Leben. Die Region im syrisch-irakischen Grenzgebiet ist die letzte Bastion der Islamisten.

Carla Steinhauer sieht nun keinen Ausweg mehr. Sie bezahlt einen Schleuser, der sie und ihre Kinder ins türkische Gaziantep bringen soll. Doch der Plan misslingt. Steinhauer wird geschnappt und in ein Flüchtlingslager ins syrische Azaz – nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt – gebracht.

Dort sind die Bedingungen katastrophal. Es gibt Gefechte zwischen Islamisten und der türkischen Armee, die das syrische Gebiet kontrolliert. Auch die hygienischen Zustände sind unhaltbar. Carla Steinhauer beschwert sich bei Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes.

Während der ISIS-Schreckensherrschaft laufen im Januar 2014 schwarz vermummte islamistische Kämpfer durch die Straßen von Rakka (Syrien)

Die antworten ihr im Februar: „Wir sind uns der prekären Situation, in der sie sich mit ihren Kindern befinden, bewusst.“ Und weiter: „Wir prüfen deshalb mögliche Optionen, um ihnen die Ausreise aus Syrien zu ermöglichen.“

Weil die syrische Region unter der Kontrolle der türkischen Armee steht, können die deutschen Diplomaten bei ihren türkischen Ansprechpartnern intervenieren. Steinhauer wird zunächst in die Türkei gebracht und von dort nach Deutschland geflogen.

Ihr droht unter anderem wegen schwerer Kindesentziehung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eine mehrjährige Haftstrafe. Die Kinder befinden sich wieder in der Obhut ihres Vaters.

Wie viele deutsche ISIS-Kämpfer kommen noch zurück?

Laut Bundesinnenministerium befinden sich unter den gefangenen ISIS-Angehörigen im syrischen Kurdengebiet 66 Kämpfer aus Deutschland, darunter auch Frauen mit ihren Kindern.

Gegen 21 ISIS-Mitglieder liegen Haftbefehle vor. Die Innenminister der G-7-Staaten berieten am Freitag in Paris darüber, wie sie mit den ISIS-Anhängern umgehen sollen – ohne Ergebnis.

Deutschland hat die diplomatischen Beziehungen zur Regierung in Damaskus abgebrochen.