Alle Versuche sind fehlgeschlagen, Managergehälter zu begrenzen. Wenn Vorstände und Aufseher keine Einsicht zeigen, wird der Gesetzgeber ihnen die Kompetenz entziehen.

Unsere Topmanager haben eine Debatte über den Sinn der Unternehmen angestoßen. Die Diskussion wird in einiger Zeit hochkochen – allerdings ganz anders, als die Führungskräfte sich das vorgestellt haben. Daimler-Chef Dieter Zetsche fragte neulich zu Recht nach der Sinnstiftung des Unternehmertums: „Was wollen wir mit unserer Arbeit erreichen?“

Siemens-Chef Joe Kaeser fordert einen „inklusiven Kapitalismus“ und nicht weniger als eine „neue Ära der Verantwortung“. Mit Jahreseinkommen von 42 Millionen (Zetsche) beziehungsweise 13 Millionen Euro (Kaeser) Pensionsvorsorge durch den Arbeitgeber lässt sich das alles leicht formulieren.

Aber es beantwortet nicht die zentrale Frage, warum Manager eigentlich Millionäre sein müssen. Und eben diese Frage werden Gesellschaft und Politik bald wieder stellen. Sie werden zu einer Antwort kommen, die Kaeser, Zetsche und den anderen Führungskräften nicht gefallen wird – und die auch keine wirkliche Lösung ist.

Frage nach Managervergütung wird wiederkommen

Der Staat wird in absehbarer Zukunft Managervergütungen zu deckeln versuchen, soweit das rechtlich machbar ist. Einfach deshalb, weil die Empfänger dieser betrieblichen Versorgungsleistungen kein Maß gefunden haben. Mit ihrer Purpose-Debatte, also der Frage nach dem Unternehmenszweck, haben die Spitzenkräfte zudem schlafende Hunde geweckt.

Wenn man heute überhaupt noch davon ausgehen kann, dass ihre exorbitant gestiegenen Gehälter und Pensionen irgendjemandem entgangen sein können. Zum Glück von Zetsche und Co. ist die Politik gerade mit anderen Dingen beschäftigt: mit dem Erhalt der eigenen Macht und Katastrophen wie dem Brexit oder twitternden Präsidenten. Auch überschatten Wohnungsnot und Kohleausstieg innenpolitisch das Thema, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder auftauchen wird: die Managervergütung.

Und diesmal wird die Frage lauten, ob Purpose nicht auch Mäßigung heißt, weil die wachsende Einkommensdivergenz zwischen Führungskräften und Arbeitnehmern Sprengstoff für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. Dazu ein paar Fakten: Der Vorstand eines Dax-Konzerns verdiente vor einem Jahrzehnt rund zwei Millionen Euro. Heute sind es drei Millionen.

Vorstandsvorsitzende haben gehaltsmäßig noch deutlicher abgehoben, ihr Einkommen stieg von rund 3,6 auf jetzt etwa sechs Millionen Euro. Entsprechend kletterte die Pensionsvorsorge. Zwar mussten auch Vorstände Abstriche machen, aber nur relativ.

800 Millionen Euro für Vorstandspensionen

Allein für die aktiven Vorstände deutscher Dax-Konzerne haben die Unternehmen mehr als 800 Millionen Euro in die Ruhestandskassen eingestellt. Die Rückstellungen für bereits ausgeschiedene Vorstände summieren sich gar auf mehr als drei Milliarden Euro. Wohlgemerkt, nur für einige Hundert Ruheständler, deren unternehmerisches Erbe nicht selten ein trostloses Dasein fristet. Auch bemerkenswert: 2005 verdiente ein Dax-Vorstand im Schnitt 42-mal so viel wie einer seiner Beschäftigten, 2017 war es das 71-Fache.

Die öffentliche Debatte über angemessene Vorstandsvergütungen entzündet sich zwar an den Ausreißern, wie zweistellige Millionengehälter für Ex-VW-Chef Winterkorn oder Superrenten über täglich mehrere Tausend Euro, die Daimler-Chef Dieter Zetsche in Aussicht hat.

Doch schon der Blick auf die Entwicklung von Vorstandsnormalos zeigt: Die Bezahlung der Führungskräfte ist dem realen Leben weit vorausgeeilt. Kein Tarifbeschäftigter, der ja ebenfalls an der Wertsteigerung seines Unternehmens beteiligt ist, kann da mithalten. Und je weiter die Einkommen auseinanderklaffen, desto größer die Gefahr, dass der Staat die Notbremse zieht.

Zumal zwei Versuche, explodierende Vorstandsversorgungen zu stoppen, gescheitert sind. Die seit 2005 gesetzlich verordnete Transparenz hat den Trend nach oben wohl eher beschleunigt. Und die seit 2009 geforderte Angemessenheit der Vergütung scheint verpufft.

Auch der Kodex zur guten Unternehmensführung ist eher Hoffnung, als dass er Wirkung zeigt. Die jüngsten Vorschläge der Corporate-Governance-Kommission zu Erfolgsbeteiligungen vermitteln zudem eher den Eindruck, der Shareholder-Value feiere fröhliche Urständ.

Das Fatale daran ist, dass ja nicht allein die Manager Verantwortung tragen, sondern auch ihre Aufsichtsgremien. Warum sogar Arbeitnehmer in den Kontrollorganen diese Fehlentwicklungen mittragen, ist ein absolutes Rätsel. Ausreden, komplexe Vergütungssysteme nicht verstanden zu haben, können heute nicht mehr akzeptiert werden. Die Ergebnisse sind allzu offensichtlich.

Bleibt nur die Erklärung, dass die begünstigten Vorstände wie ihre Aufsichtsräte das System wohlwollend und gemeinsam tragen. Diesen Konsens wird der Staat eines Tages brechen wollen, indem er etwa die Entscheidung über Managervergütungen voll in die Hände der Aktionäre legt. Das wäre in der Tat eine neue Form des Kapitalismus, aber verantwortlich im Sinne der Gesellschaft wohl kaum.