Für eine schöne Frau tut man bekanntlich alles. Aber der Versuch, sich noch einmal ernsthaft mit der neuen deutschen Linken zu beschäftigen, ist für einen alten Sozi heute ernüchternd.

Du bist doch eigentlich links, schreib doch mal so, dass deine Ironie mehr durchkommt, sagt sie, lässt wie zufällig ihren warmen, nackten Arm auf meine Hand sinken, und ich fühle unter der Haut das heiße Blut der Levante in ihren Adern. Wir sitzen auf einem Sofa, es ist spät, sehr spät, so spät, dass man gemeinhin alle Vorsätze vergisst, ihr Parfum ist auf eine teure Art betörend, und sie muss auch gar nicht Bitte sagen – ich würde alles tun, um ihr zu gefallen. Aber was sie will, ist so unerreichbar. Vor 20 Jahren wäre das nicht schwer gewesen, aber heute … heute bin ich als typischer Bessergestellter vom Gardasee hierhergefahren, in einem deutschen Mercedes, vorbei an der Villa Feltrinelli, in der Mussolini seinen letzten Wohnsitz hatte, an den Lago di Bonzo, den Tegernsee, wo Himmler bei mir um die Ecke wohnte, und nun bin ich auf kurzen Zuruf von ihr auch für einen schnellen Tee, der schon zwei Stunden dauert, in die frühere Hauptstadt der Bewegung gefahren, ich alter, gar nicht so weißer Mann, und ich sage, vor 20 Jahren wäre das einfach gewesen. Aber jetzt ist 2019. Und ich weiß nicht mehr, was das sein soll, dieses Links. Denn das ist die Vorsitzende einer früher mal großen Volkspartei, der ich einmal angehört habe.

Meine Großmutter, die ich sehr achte und die die Frau neben mir für ihre direkte Art gemocht hätte, meine Großmutter pflegte mich wütend anzufahren, wenn ich etwas Bedeutsames wenig bedeutsam mit Phrasen umschrieb: Sei nicht so bagatellmäßig, sagte sie dann, und dann wusste ich, dass ich in Zukunft mit mehr Respekt zu reden hätte. Bagatellmäßig, das ist diese Aussage. Nahles will 2030 die besten Autos, aber wer will schon schlechte Autos? Dann eine Floskel der Partnerschaft von Politik, Industrie und Beschäftigten und kein Wort, kein Buchstabe über das, was hierzulande gerade wirklich passiert. Ford will in Deutschland 5000 Stellen streichen. Audi will 15 Prozent der Belegschaft abbauen und streicht jetzt die Nachtschicht. VW plant ein heftiges Sparpaket, das auch 5000 bis 7000 Arbeitsplätze kosten wird. BMW hüllt sich noch in Schweigen, aber am Mittwoch droht die Bilanzpressekonferenz. Opel wurde schon an die Franzosen verhökert. Dass die Zulieferer seit einem Jahr Angst haben, ist dem Kundigen schon länger bekannt. Das Problem ist für viele konkret, dass sie 2030 diese Stellen einfach nicht mehr haben werden, denn die meisten Konzerne schicken Mitarbeiter in Pension, ohne sie zu ersetzen: So vermeidet man heute Entlassungen und sorgt für weniger Zukunftschancen für die nächsten Generationen.

Und ob die sich dann noch ein deutsches Auto leisten können? Es sind ja nicht nur die normalen Arbeiter am Band. Es sind die Zulieferer und mit ihnen die gesamten Südregionen der Republik von Stuttgart und Friedrichshafen über München, Ingolstadt und Nürnberg bis nach Regensburg und Straubing, die da gerade in den Abgrund schauen: 1,8 Millionen Mitarbeiter sind es nach konservativen Schätzungen, und wenn da zehn Prozent durch Verrentung abgebaut und nicht ersetzt werden, dann spürt das auch die Regaleinräumerin bei Lidl. Die Betreiberin des Blumengeschäfts. Der Handwerksbetrieb. Der Maler. Der Biobauer auf dem Wochenmarkt. Und ganz sicher merken das die schlechter Qualifizierten. Denn die wenigen Stellen, die dann noch zu haben sind, werden dann von den Besten besetzt. Und die anderen – Sie erinnern sich vielleicht, es gibt da eine Asylkrise, die wir angeblich schaffen sollten, durch Integration durch Arbeit – fallen dann eben raus. Man kann durchaus Industrien und Wirtschaftsleistung zehn Prozent schrumpfen. Das Fett, das oben schwimmt, der Roadsterfahrer mit zwei Wohnsitzen in einer Bar, wo die Band „Tu vuò fà l’americano“ singt und der die Gunst einer Frau genießen darf, für die sich andere ruinieren, dieses Fett wird immer weiter oben schwimmen, denn wie heißt es im Lied nicht so schön? „Tu abball‘ o‘ rocchenroll, tu giochi a baisiboll, ma e solde p‘ e‘ Camel, chi te li da: La borsetta di mammà.“ – „Du magst Musik, Sport, Luxus, aber wer zahlt es? Die Geldbörse Deiner Mutter.“ Dieses Fett wird bleiben, und bleiben werden die gesellschaftlichen Rettungsringe um die Bäuche der politische Kaste, damit sie nicht weggespült werden:

Die gleiche „linke“ Berufspolitikerin, Vorsitzende der SPD und der Fraktion, hat sehr viel wärmere Worte für die Buchpräsentation von Ferda Ataman als für die bald Arbeitslosen übrig. Anderswo wäre es vermutlich ein Skandal, wenn eine Politikerin das Buch einer Journalistin bewirbt, mit der ihre Partei über Ministerienfinanzierung finanziell verbandelt ist. Frau Ataman, die in ihrem Buch die Integrationsleistung der Migranten betont und nun fordert, dass sie von der Gesellschaft auch in Führungspositionen gebracht werden, ist für die Neuen Deutschen Organisationen tätig und daneben auch noch bei den Neuen Deutschen Medienmachern, die obendrein noch die Kampagne No Hate Speech betreiben: Alle drei Einrichtungen werden mit staatlichen Mitteln über SPD-geführte Ministerien erheblich bezuschusst – wie deren Vertreter auf die Idee kommen, sich hin und wieder als NGO zu bezeichnen, ist vor diesem Hintergrund ausgesprochen fragwürdig. Ataman hat nicht nur zum Integrationsgipfel eine forderungsreiche Ansprache gehalten, sondern auch davor für die Stiftung der früheren Stasi-IM Anetta Kahane, die ebenfalls erheblich vom Staat finanziert wird, einen Text verfasst, in dem sie Innenminister Seehofer in die Nähe der NS-Ideologie von Blut und Boden rückte. Sollte bei uns aber die Autoindustrie wirklich ins Schleudern kommen, sind weitere Pöstchen, Staatsgelder und Berufungen im Berliner Politikmedienbetrieb für die Kinder und Enkel der Gastarbeiter eher von untergeordneter Bedeutung. In meiner Heimatstadt werden dann die Geringqualifizierten durch die Sparpläne eines zugewanderten Audi-Chefs noch ganz andere Probleme haben, und ich wage es zu bezweifeln, dass die Ämter, die sich dann mit den Folgen beschäftigen müssen, ihnen mehr als die Grundversorgung anbieten können. Aber so ist das in dieser linken SPD unter der neuen linken Vorsitzenden. Die einen sollen sich irgendwie über das kommende Elend einigen, damit Frau Nahles 2030 immer noch eine sichere S-Klasse der Fahrbereitschaft hat, und die andere darf ihr Buch verkaufen – über einen Podcast, der von der staatlich mitfinanzierten SPD betrieben und von der hoch bezahlten Doppelvorsitzenden besprochen wird.

Das Fett schwimmt, wie gesagt, oben, aber das Fett, das ich bin, wurde auch viele Sommer in die seifige Kühlflüssigkeit gelegt, die sich um die Fräsmaschinen der großen Autofabrik ansammelt: Nicht alles hat die Geldbörse meiner Eltern bezahlt, den Luxus musste ich mir selbst erarbeiten, die Urlaube und die Rennräder, und deshalb habe ich den ganzen Weg vom Rohrleitungsbau über die Türverkleidungen und die Bandarbeit an der Karosserie bis zum Werksfahrer in diesen Jahren meiner Jugend mitgemacht. Ich saß in den Kantinen, wenn die Gewerkschaftler kamen und zur Beteiligung am 1. Mai aufriefen und sagten, welche Sonderschichten sie genehmigt hatten. Wenn das abgesprochen war, war es eben abgesprochen: Dann fuhr man ein Wochenende im Akkord Autos auf die Züge oder ließ die Kühlflüssigkeit aus den Maschinen ablaufen und kratzte die Späne aus den Becken. Das alles hat seinen eigenen Geruch, die ganze Firma riecht beißend nach zu frischem Gummi, das Kühlmittel nach billiger Seife, die Kantinen nach abgestandenem Alkohol und die neuen Autos nach dem ausdünstenden Schaumstoff in den Sitzen – nichts riecht so angenehm wie die Frau neben mir, die sagt, ich soll doch ironisch über die Linke schreiben, jetzt, da ich mein Geld auf dem Sofa verdiene, weil sie mir eine Anregung schenkt und ich auch frisch geduscht bin, sauber gekleidet, ein Wapperl von Loro Piana im Jackett und Schuhe von Alexander Milano mit roten Sohlen trage. Aber bei meinen Eltern im Keller stehen nach über 30 Jahren immer noch die alten Stahlkappenschuhe, deren Kosten mir damals, mit 16, vom ersten Lohn abgezogen wurden, in der Fabrik, in die ich während der Ferien radelte, um mir ein Rennrad leisten zu können. Manchmal vergesse ich den Geruch der Firma, wenn ich die Pinien an der Gardesana rieche oder das Parfum am fein geschwungenen Hals einer Frau, aber heute war ich wieder daheim und sah das hier, von der SPD:

Da stellt sich also ein Sönke Rix hin, der in seinem Leben sieben Jahre tatsächlich als Erzieher gearbeitet hat, bevor er in der Partei der sozialen Gerechtigkeit Karriere machte und seit 2005 zu den Besserverdienenden und Privilegierten in diesem Land gehört. Der Anlass ist das Ausspielen von Frauen gegen Männer, genannt Equal Pay Day. Seit ein paar Jahren wird das in der medienpolitischen Kaste abgefeiert, und dann fordert dieser Herr bei der gestellten Demonstration wörtlich: „Jemand, der Autos zusammenschraubt, sollte nicht mehr verdienen als jemand, der auf Kinder aufpasst und sie betreut.“ Als jemand, der den Geruch der Punktschweißgeräte nie vergessen wird, merkt man genau, was der da sagt. Er sagt nicht mehr „Mann der Arbeit, aufgewacht, und erkenne deine Macht“. Er sagt nicht mehr „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“. Er sagt auch nicht „Alle Macht den Arbeitern“ oder auch nur „Mehr Geld für alle Arbeiter“. Er sagt, es steht da, ich habe es gehört: „Jemand, der Autos zusammenschraubt, sollte nicht mehr verdienen als jemand, der auf Kinder aufpasst und sie betreut.“

Mein lieber Herr Arbeitergesangsverein. Es gibt gute Gründe, warum sich nicht alle Menschen und schon gar keine SPD-Politiker freiwillig melden, wenn es darum geht, in der Nachtschicht noch heiße und nach Harz stinkende Türverkleidungen aus den Stahlformen zu heben und die weniger festen Stellen mit Skalpell und Kunstharz nachzuarbeiten. So einen Stahlkotflügel vom Audi B3 hebt auch nicht jeder im Minutentakt aus dem Container in die Verschlüsse am Band. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis der Arbeit. Die ist prinzipiell für alle offen, es geht halt im Fahrzeugbau eher robust zu, und damit erwirtschaftet dieses Land ein Viertel seiner Industrieproduktion. Diese Berufe sind vergleichsweise gut bezahlt, weil sie hart sind und den Wohlstand sichern, von dem andere bezahlt werden. Und es ist wirklich alles andere als links und sozial, wenn dann ein SPDler meint, man sollte da auch nicht mehr als eine Erzieherin verdienen.

Der große Pay Gap verläuft hier nicht zwischen miserabel bezahlter Erzieherin und von der Steuer ausgepresstem Metallarbeiter. Er verläuft zwischen denen an den Bändern und den Privilegierten oben, den Atamans auf den politischen Kuschelsofas, den Begleitfunktionären des Zwangsabgabenystems, diesem Sönke Rix und, in gewisser Weise, auch mir, aber ich gehöre nicht dazu, ich bin keiner von denen, denn ich bin Oberschicht durch Geburt. Da müsste die SPD ran, aber sie spielt lieber die kleinen Leute gegeneinander aus. Wir sind die Reichen, die Fetten und manchmal auch die Arroganten, womit wir bei den anderen Linken mit grüner Färbung wären:

Ich kenne nicht nur den Geruch der Fabrik, ich kenne auch das Geräusch der Unterschrift auf einer ausgefüllten Überweisung, wenn man bei einer Restaurierung unerwartet 40.000 Euro für neue Leitungen zahlen muss. Ich habe nebenberuflich mit dem Thema Wohnraumbeschaffung in urbanen Räumen zu tun. Ich kenne einige Leute, die durch die Lebensbedingungen in der lange rot-grün regierten Stadt München obdachlos wurden. Dort, wo die Eigentümerquote niedrig und der Mieteranteil hoch ist, hat man momentan ganz andere Sorgen als die Anlage von Stadtgärten. Das führt dann bei der Partei des DDR-Regimes zu solchen altbekannt-stalinistischen Forderungen gegen Überweisungsunterschreiber wie mich:

Denn diese 40.000 Euro für den Handwerker, die sauber versteuert werden, die wachsen nach den Vorstellungen der Linken vermutlich auf den Geldbäumen, die unsereins nach Künastrezepten auf den Latifundien gedeihen lässt. Als Vermieter kann ich hinzufügen, dass so ein Balkon in Münchens besserer Lage für die Geldbaumzucht 15 Euro pro Quadratmeter oder mehr Miete kostet, und wer wirklich einen Stadtgarten hat, der gehört zu den Reichen. Ich kenne da näher – Moment, lassen Sie mich überlegen – einen Clan, der so etwas hat. Meinen nämlich. Leute wie ich hätten also durchaus Grund, ein Buch zu kaufen, das die Bundestagsabgeordnete Renate Künast, die für ihren Wählerauftrag sehr gut aus Steuermitteln alimentiert wird, neben ihrer Arbeit als Volksvertreterin verfasst hat. Über die lieben Bienen und Pflanzen, mit denen man die Städte – aktuell Orte brutaler Kämpfe um jeden Raum angesichts massiver Zuwanderung – grüner machen soll. Möglicherweise sitzt Frau Künast in ihrem Berliner Stadtgarten, und wenn nebenan eine 100 Meter lange Schlange von Menschen um eine bezahlbare Wohnung bettelt, singt sie auf einer Lyra über Bienen und lässt ihre Tränen in Phiolen auffangen.

Oder irgend so etwas in der Art, und auf dem Coffee Table daneben liegt das Buch mit den Bepflanzungstipps für jene, die jenen Überfluss an Grund und Boden haben, der die anderen zum Nächtigen unter der Brücke zwingt. Ich weiß, ich habe weitaus mehr Wohnfläche als gewöhnliche Sterbliche – aber ich stelle mich auch nicht hin und behaupte, eine sozial engagierte Partei im Bundestag zu vertreten. Ich fahre gern mit dem Sportwagen über die Gardesana und habe überhaupt kein Problem, auch noch eines dieser Poserfotos zu machen, die heute angeblich nicht mehr schick sind, weil sie toxisch männlich und benzinfressend sind.

Autos wollen die Grünen in ihren Kalifaten eh verbieten, außer natürlich Lkw für Biogemüse, und auf dem Leiterwagerl wollen ihre Anhänger bei einer Überdosis Görlie vermutlich auch nicht ins Krankenhaus gebracht werden. Ja, ich stelle mich nach 350 Kilometer Schnellfahrt mit 31,5 Liter Verbrauch und 73 Kilogramm erzeugtem CO2 vor mein Auto an den See. Renate Künast dagegen fliegt nach Malaysia – auf dem einfachen Weg entstehen dabei schon in der Holzklasse 3153 Kilogramm CO2 nach Atmosfairberechnung. Sie stellt sich dort auf der anderen Seite der Welt vor einen Müllberg, wie ihn nun mal aufstrebende Industrienationen erzeugen; wir Älteren kennen das, vor München sah der Müllberg früher jahrzehntelang viel schlimmer aus. Und dann beklagt Künast mit diesem Poserfoto im Kontext mit einer Anschuldigung von Greenpeace gegen die Deutschen und ihren Müllexport das Fehlen von Kontrolle und Haftung.

Für Malaysia ist übrigens die Regierung von Malaysia zuständig und nicht die grüne Weltrettung aus Berlin, aber um anderen ein schlechtes Gewissen zu machen, reicht es – zusammen mit der Flugreise, die hin und zurück so viel klimarelevante Schadstoffe produziert, dass ich mit meinem 3,5-Liter-Hubraum 30.000 Kilometer über die Berge fahren könnte. Offen. Ohne wohlriechende Frau neben mir, mit Renato Carosone im Autoradio. Und selbst das wäre noch nicht so schädlich wie ein Holzklasseflug zum Müllberg und zurück. Ich war mal bei der SPD, weil ich dachte, die tun etwas für die kleinen Leute, und ich habe mal die Grünen gewählt, weil ich dachte, die nehmen die Umwelt gegen alle Widerstände ernst. Heute ist Umweltschutz etwas für Parolen mit dem geistigen Tiefgang von Maos rotem Buch. Katja Kipping von der Linken, die von den Problemen Sahra Wagenknechts innerparteilich profitiert, gefällt genau das.

Und dem Fraktionsvorsitzenden Bernd Riexinger gelingt das Kunststück, nacheinander zuerst gretasystemkonforme Komiker zum Feinstaub zu loben.

Um dann im nächsten Tweet den Abbau der Arbeitsplätze in der Feinstaubindustrie zu beklagen:

Ich bin zu alt und zu gebildet, um Debatten über kognitive Dissonanz an Parteispitzen und dumme Schilder bei den Fußtruppen zu führen – das Aussterben der Dinosaurier hat mit dem Klimawandel nichts zu tun, globale Erwärmung ist, das hat man diesen Winter gesehen, kein Gegensatz zu enormen Schneemengen, und wessen Welt das ist, entscheiden nicht Plakate, sondern die herrschenden Umstände der inhaltlich ausgebluteten Konservativen, und die haben dafür gesorgt, dass für Leute wie mich nicht nur Banken und Aktien gerettet, sondern auch Immobilienbesitz verteuert wurde. Die linken Parteien waren auf Länderebene zumindest dabei, und sie haben sich alle vom Populismus der simplen Gretas und Rezepten des US-Wahlkampfs beeinflussen lassen, die den alten, weißen Mann, mich also, als Gegner und Hassfigur erkoren.

Die Welt ist aber ganz anders, die Frau neben mir ist links und dennoch sehr freundlich, und drüben an der Bar fangen Frauen und Männer an zu tanzen, als die letzten Lieder gespielt werden. Sie haben Lust aneinander, niemand hat Lust auf die Müllberge von Frau Künast und die Berufsbeleidigten, deren Forderungen sich die Politik anschließt, um sie am Ende mit Kompromissen wieder zu betrügen, weil hier alles nur dank der brummenden Konjunktur so ruhig, reich und fett war. Weil der Mann der Krankenschwester aus der Fabrik viel Geld nach Hause brachte und der Chinese gern deutsche Autos fuhr. Die Rechten lebten gut, bauten Häuser und brachten die Kinder mit dem SUV in die Schule, und die Linken bekamen Lob, Staatsgeld, immer neue Versprechen für ihre richtige Haltung und sogar Gendersternchen. Mit der Autoindustrie knickt da gerade ein zentraler Pfeiler des Gleichgewichtssystems ein.

Aber ich habe in Österreich für 1,20 Super getankt, 70 Liter passen in den Tank, und wenn es hier ungemütlich wird, weil der Staat kein Geld mehr zur Alimentierung seiner Entourage hat und die Sorgen der Absteigenden wieder hart auf die Forderungen der Abgestiegenen treffen, dann kann ich immer noch über die Berge fahren. Im „Palace Grand Hotel Varese“ steht ein Flügel, auch dort werden alte, italienische Schlager gespielt, es gibt Chesterfieldsofas wie auf den Bildern einer exklusiven Callgirlagentur, und ich gehe dann einfach an die Bar und finde vielleicht eine wohlriechende Einsame mit warmem Blut. Oder auch nicht. Aber es ist wenigstens nicht die totale Ablehnung durch eine zutiefst feindselige und lusthassende Linke auf der falschen Seite der Alpen, sondern Italien, wo die alten Mächte, egal ob Bunga-Bunga-Berlusconi oder Merkels Migrationsbeihelfer, von Lega und Movimento 5 Stelle hinweggefegt wurden. Die sind uns ein paar Jahre voraus, und sie haben immerhin keine gelben Westen angezogen. Das ist nicht die schlechteste aller möglichen Welten. Und ich hoffe, das war jetzt linksironisch genug, um mir die Gunst der Wohlriechenden zu bewahren.