Es gibt Fälle, da fällt selbst uns Hartgesottenen von TPN die Kinnlade herunter. Dann gibt es Fälle, wo wir uns regelrecht, intellektuell beleidigt vorkommen. Und dann gibt es Fälle wie diesen, auf die beides zutrifft.

Wir hoffen, dass dieser Artikel zumindest für Erheiterung sorgt und nicht nur für Kopfschütteln. Und los geht’s: Er war jahrelang in der Terror-Hochburg Raka, zeugte im ISIS-Gebiet zwei Kinder – an all dem Horror um sich herum aber will er nicht beteiligt gewesen sein.

Die Bildzeitung hat in Nordsyrien einen deutschen ISIS-Kämpfer getroffen und mit ihm über die Debatte zur Rücknahme der Terroristen nach Deutschland gesprochen. Mahmud Sayd Adib (34) aus Troisdorf (NRW) kam Ende 2015 nach Syrien, reiste über die Türkei ein. „Meine Frau hatte Deutschland verlassen, nachdem sie konvertiert war. Ich wollte sie finden.“

Angeblich hat er nie gekämpft, vor allem im Gefängnis gesessen, sagt er. „Ich war nicht im Krieg, stattdessen dachte ISIS, dass ich als Spion arbeiten würde. Ich habe keine Menschen umgebracht, wollte dort weg.“ Die kurdischen Kämpfer der SDF halten die Geschichte von Sayd Adib für wenig glaubwürdig. „Fast alle, die wir bei der Flucht festgenommen haben, erzählen uns das Gleiche“, sagt einer der kurdischen Kämpfer, „sie haben angeblich nie gekämpft“.

Die Debatte um die Rücknahme von ISIS-Kämpfern in ihre Heimatländer wird hier in Nordsyrien genau verfolgt – auch von den Kämpfern selbst. Mahmud Sayd Adib sagt: „Ich will so schnell wie möglich nach Deutschland zurück, um dort zu berichten, wie schlimm es bei ISIS wirklich war. Ich kann mir gut vorstellen, Sozialarbeiter zu werden, um die gefährdeten Jugendliche davon abzuhalten, radikal zu werden.“

Bei einer Rückkehr nach Deutschland, das weiß er selbst, würde ihm der Prozess gemacht. „Ich bin bereit, dafür zu büßen, dass ich hier war. Aber bitte nehmt uns zurück.“ Mit „uns“ meint Sayd Adib seine Familie, er hat eine Frau und drei Kinder, die in einem Flüchtlingslager auf ihn warten.

„Meine Frau hat sich in Deutschland radikalisiert, weil sie Videos gesehen hat. Sie war einfach naiv, deshalb ist sie gegangen. Ich möchte später in den Moscheen den jungen Menschen erklären, dass sie das nicht glauben dürfen, was ihnen erzählt wird.“ Kurdische Kräfte, die Sayd Adib weiter festhalten, halten seine Geschichte für wenig glaubwürdig. „Warum ist er denn dann solange in Syrien geblieben?“, fragt einer. „Ich kann das alles nicht glauben.“