Makler sind verhasst, aber den Immobilienmarkt hat die Politik ruiniert: Der Populismus von Katarina Barley steht in der Tradition des real existierenden Sozialismus und hilft keinem Hauskäufer weiter.

Die Propaganda des Kommunismus besitzt eine Sprache, die jedes Volk versteht: Die Elemente dieser Universalsprache sind so einfach wie Hunger, wie der Neid, wie der Tod, schrieb 1841 so treffend Heinrich Heine aus seinem Pariser Exil, und die Geschichte gab ihm im 20. Jahrhundert auf eine Art recht, die auch den betroffenen Völkern zumeist nicht sonderlich gefallen hat. Das sage ich mir auch immer wieder, wenn ich die Auswüchse des Kapitalismus sehe, vor denen mich Geburt, Stand und Tätigkeit gemeinhin verschonen. Aber ich bin nicht aus Jux und Tollerei in London, und auch nicht wegen des Brexits oder gar für das, was Briten für „Brot“ halten, sondern zum Besichtigen von Räumlichkeiten, die erst noch gekauft werden müssen. Es ist nämlich so, eine hoch geschätzte Bekannte lebt dortselbst und möchte nun, was ich äußerst lobenswert finde, eine Wohnung kaufen, statt weiter die exorbitanten Mieten dieser Stadt zu bezahlen. Beim Erwerb von altem Gemäuer kann es nicht schaden, jemand dabeizuhaben, der den Kitt der dünnen Fenster begutachtet, an die Verschraubungen der Wasserleitungen greift und in die Ecken zu den Problemen schaut, die gerne verborgen werden, und dann auch prompt Anlass findet, den Preis etwas zu drücken. Und bei den Preisen in London würde sich die Bestellung so eines Negativbegutachters durchaus lohnen, wenn denn die Verkäufer willig wären, ein etwas niedrigeres Gebot angesichts des Brexits und der erkannten Mängel zu akzeptieren.

To cut a long story, ich fand zwar Kritikpunkte, aber die Verkäufer wollten wirklich nicht von ihren Vorstellungen abweichen. So ist das nun mal leider in diesem Geschäft: Verkäufer wissen gemeinhin, was sie wollen, die Makler haben ein Gefühl für das, was der Markt hergibt, und es ist oft völlig egal, ob der eine Käufer den Preis nicht zahlen will: Dann nimmt man eben den nächsten Käufer. Der Verkauf von Immobilien ist anders als das Vermieten, bei dem man sich auf eine jahrelange Partnerschaft mit einem Mieter einlässt. Man sieht sich einmal beim Notar. Man baut keine persönliche Beziehung auf, aus der heraus Kompromisse entstehen könnten. Man verlangt in den begehrten Lagen enorme Preise und wartet, bis derjenige kommt, der am meisten auf den Tisch zu legen bereit ist. Und für den Käufer spielt es absolut keine Rolle, ob das, was ihm abgepresst wird, nun noch teilweise an den Makler geht oder auch nicht: Käufer nehmen das, was sie finanzieren können. Und wenn der Makler nach dem Bestellerprinzip vom Verkäufer bezahlt werden muss, verlangt der Verkäufer eben mehr Geld. Es gibt jede Menge Geld in den Immobilienmärkten, solange die Zinsen niedrig sind. Es gibt aber nicht genug Wohnungen in den besseren Lagen. Geld kann man drucken, Wohnungen dagegen allenfalls enteignen, den eigenen Apparatschiks geben und dann darauf hoffen, dass man nach dem ganzen Zirkel des real existierenden Sozialismus in die Krise diesmal in Berlin nicht wie in Venezuela endet, sondern wieder nur wie Honecker. Oder wie die SPD.

Womit wir bei Katarina Barley wären, die ihre sozialdemokratische Kleinpartei gerade über vermutlich gegen die Verfassung verstoßende Zwangsquoten für Geschlechterwahlen aus der Krise zerren will, neuerdings auch über – man denke an Heine – die kommunistische Generaltugend des Neides auf diejenigen, die Immobilien zu verkaufen haben. Bislang nämlich ist es so, dass sich je nach Bundesland Käufer und Verkäufer die Maklerprovision teilen – wie etwa in Bayern – oder der Käufer alleine zu zahlen hat wie in vielen nördlichen Bundesländern und Berlin. Ich persönlich finde das Teilen gar nicht so schlecht, weil der Makler hier wirklich Makler und bezahlter Vermittler zwischen beiden Seiten ist und ein Eigeninteresse an einem Ausgleich hat. Würde nun, wie Frau Barley das im EU-Wahlkampf als Justizministerin gesetzesentworfen hat, allein derjenige bezahlen, der den Makler bestellt – nun, da würden mir als möglicher Verkäufer in Bestlage gleich drei Wege einfallen, das Problem zu umgehen.

Erstens, Verkauf ohne Makler. Ich kratze hier schon jetzt wegen eines aktuellen Leerstandes bei Restaurierungsvorbereitungen jede Woche irgendwelche Briefe von den Scheiben, in denen ich angebettelt werde, mich doch zu erbarmen und Interessenten zu kontaktieren, die hier unbedingt einziehen wollen. Zweitens, Verkauf mit Makler und einem Preis, der um die Maklercourtage erhöht wird. Und drittens der Gang zum nächsten Makler drei Straßen weiter, der ein dickes Portfolio von hoch qualifizierten Leuten hat, die ganz dringend eine Immobilie wollen und keine bekommen und für die auch gerne die Arbeitgeber die Kosten der Makler übernehmen: So läuft das heute eben in der Gentrifizierung. Unter anderem auch weil, siehe oben, Geld gedruckt und Zinsen gedrückt werden, aber exakt jene Regierung, der Frau Barley angehört, die Grenzen für eine massive Zuwanderung geöffnet hat, ohne die dafür notwendige Infrastruktur zu bauen. Das „Wir schaffen das“ sollte reichen, jetzt ist es halt so, dass Wohnraum knapp ist und ich diese vulgärkommunistische Verlagerung der Maklergebühren weiter verlagere – wie das in der DDR auch üblich war, wenn das ZK der SED einen seiner vielen Fehler machte und Betriebe schauen mussten, wie sie ihre Pläne erfüllten. Mir ist durchaus bewusst, ich sehe es in London, dass der Markt auch nicht immer alles effektiv zu den besten Preisen regelt. Aber die politische Kaste in Berlin, den Ländern und Kommunen hat der massiven Verteuerung von Häusern und Mieten lange tatenlos zugeschaut oder sie sogar aktiv befördert, und jetzt sollen scheinbar die Maklerprovisionen weg, damit die SPD bei dumm-naiven kaufwilligen Familien punkten kann. Was für Kreditverträge wohl Personen unterschreiben, die Frau Barley etwas glauben?

Denn die Maklerprovisionen sind heute so teuer, weil sie mit den politisch geförderten und geduldeten Preisen mitgestiegen sind. Die Preise sind so hoch, weil sie im Neubau wegen der staatlichen Vorschriften, vor allem zum Klimaschutz, stark gestiegen sind. Wenn der Quadratmeter Neubau wirtschaftlich nicht unter 2500 bis 3000 Euro verkauft werden kann, steigen daneben die Preise für den Altbau, der zumeist besser gelegen ist, automatisch mit. Davon profitieren die gleichen Raubbundesländer, die sich auch in der Maklerprovision unterscheiden: Bayern und Sachsen nehmen seit Langem 3,5 Prozent Grunderwerbsteuer, andere Bundesländer dagegen sechs oder 6,5 Prozent. Folgerichtig haben sich die Einnahmen der Länder aus dieser Steuer in den vergangenen zehn Jahren rund verdoppelt. Gezahlt wird die Steuer aber nicht, wenn große Konzerne oder Investment-Heuschrecken Firmen übernehmen, die viele Tausende von Wohnungen im Portfolio haben: Bei solchen Übernahmen, bei denen oft genug Bundesländer und Kommunen ihre Bestände veräußern, kann man die Grunderwerbsteuer bis zur Nichtexistenz weggestalten. Bezahlt werden die Milliarden vom Normalkäufer, der seine Wohnung nicht in eine Firma verpacken und die dann auf einer Kanalinsel parken kann. Dazu will der Staat noch 0,5 Prozent des Kaufpreises für den Grundbucheintrag und spielt den Notaren 1,5 Prozent für den Kaufvertrag zu. Das macht in Bayern für den Käufer mit Makleranteil rund neun Prozent des Kaufpreises aus, in Berlin sind es sechs Prozent Grunderwerbsteuer, 7,14 Prozent Maklerprovision plus 1,5 Prozent plus 0,5 Prozent: Und mit dieser SPD-Politik stellt sich Frau Barley nun hin und sagt, man möchte doch sozial denken und die Provision dem Verkäufer aufbürden. Was sie nicht sagt: Rot-Rot-Grün könnte in Berlin doch auf die massiv gestiegene Grunderwerbsteuer verzichten, weil sie auch ein Hindernis für den Wohnungserwerb durch junge Familien ist.

Aber genau das wäre eigentlich ein guter Vorschlag. Ich bin durchaus dafür, dass professionelle Käufer, die mit einem Wertzuwachs rechnen, mit einer Steuer beim Erwerb zur Kasse gebeten werden. Wer auf einen Schlag in der Lage ist, 100 Wohnungen zu kaufen, sollte seinen Teil zum Gemeinwohl beitragen, und man sollte ihm jene Steueroptimierung untersagen, die der Erwerb von Grund in Form einer entsprechend gestalteten Firma ermöglicht. Wenn solche Firmen dann Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umwandeln und an die Mieter verkaufen, brauchen sie keine teuren Makler, sondern nur ihre eigenen Angestellten: In diesen Fällen bringt Frau Barleys Vorschlag den Käufern also überhaupt nichts. Für mich, dessen Familie einen mittleren Stadtpalast mehr als die eigentlich zum standesgemäßen Dasein nötigen Immobilien besitzt, ist das alles ohnehin egal: Der Übergang dieser Immobilien innerhalb der direkten Linie ist von der Grunderwerbsteuer befreit. Und so wird es wohl, sofern man in Berlin keine Revolte will, auch bleiben. Es geht also nicht wirklich gerecht zu, und so muss man natürlich fragen, ob es nicht eine sinnvollere Lösung gäbe, wie etwa die Trennung zwischen institutionellem Immobilienerwerb und Hauskauf für rein private Nutzung.

Also, sagen wir mal, Singles bekommen für privat benutzte und mindestens zehn Jahre gehaltene Immobilien je nach Preisen am Wohnort zwischen 100.000 und 300.000 Euro Freibetrag, bis zu dem keine Grunderwerbsteuer anfällt, und Familien, deren Kinder unter 18 Jahre alt sind, zwischen 300.000 und 900.000 Euro. Damit hätte der Bürger – um den es der SPD angeblich gehen soll – einen Vorteil gegenüber Spekulanten, die man von mir aus gern ausgleichend belasten könnte, auch wenn das letztlich den Mietern solcher Immobilien, die die Steuern refinanzieren, kaum gefallen könnte. Der gleiche Staat, der sich selbst mit Vorkaufsrechten ausstattet, könnte auch seinen Teil dazu tun, indem er solche Wohnungen direkt an Privatleute verkauft statt an Konzerne, die er später unter dem Druck der Unzufriedenen dann mit Mietbremsen und Enteignungen wieder bekämpfen muss. Und der gleiche Staat könnte auch Grundbuchämter und Notare bei privat genutztem Eigentum zu niedrigeren Sätzen anhalten, sodass die zusätzlichen Kosten bei deutlich weniger als fünf Prozent liegen, selbst wenn man sich den Makler teilt. Mir ist schon klar, dass Makler verhasst sind, und die Maklerinnen, die ich in London traf, machten wirklich kaum mehr, als nach Battersea zu fahren, die Wohnungen aufzusperren und einige Fragen zu beantworten. Es spräche nichts gegen gestaffelte Sätze, die Klein- und Erstkäufer bevorzugten. Aber was machen die Bundesländer, was macht Katarina Barley für bis zu 6,5 Prozent der gestiegenen Kaufpreise, die über die Steuer eingestrichen werden? Öffnen sie eine Tür, erklären sie mir, wann die Stromleitungen erneuert wurden und wie sich das Hausgeld zusammensetzt?

Die Politik kann deutlich in den Wohnungsmarkt eingreifen. Bei uns auf dem bayerischen Dorf wird das mit Einheimischenprojekten gemacht, die auf Eigeninitiative durch Neubau setzen, woanders könnten Bauträger überzeugt werden, einen gewissen Teil der Wohnungen speziell für junge, kaufende Familien vorzuhalten. Helfen könnte der Staat auch, wenn er bei der Schenkungssteuer zurücksteht, um Eltern zu helfen, ihren Kindern eine Immobilie zu erwerben, oder mit massiven Vergünstigungen in weniger beliebten Lagen, um dem Trend in die Innenstädte etwas entgegenzusetzen – und bitte, das sage ich als theoretischer Profiteur dieser Entwicklung. Man muss gegenüber den Menschen ehrlich sein und sich von der Vorstellung verabschieden, dass jede Krankenschwester, jeder Busfahrer, jeder Polizist, jeder Lehrer, alle die sinnstiftenden Berufsgruppen, die bei solchen Gelegenheiten von der Berliner Kaste instrumentalisiert werden, im Münchner Zentrum, an der Alster oder Berlin-Mitte kaufen können, nur weil die Maklergebühren scheinbar neu verteilt werden. Man könnte auch den Südtiroler Weg gehen, Neubauten konsequent für Einheimische reservieren und ausländische Käufer mit höheren Preisen massiv benachteiligen – in Südtirol wird das über eine höhere Erschließungsgebühr gemacht, da nimmt es der Staat gnadenlos von denen, die ihm nicht so naheliegen. Die grundlegende Frage, die man damit beantwortet hat, ist ganz einfach: Wie erleichtere ich den Erwerb den eigenen Leuten, und wie mache ich es anderen schwer, sich hier niederzulassen und die Preise zu verteuern? Das ist dann zwar auch keine ganz freie Marktwirtschaft mehr, aber es funktioniert für die Kaufwilligen besser als das Abkassieren der Grunderwerbsteuer, die einseitige Belastung durch die Maklergebühren und der Irrglaube, es würde sich etwas am Grundproblem der falsch geplanten Immobilien in einem vom heterogenen Zuzug betroffenen Deutschland ändern.

Dessen Folgen habe ich im letzten Jahr übrigens hautnah erleben dürfen, bei Vorgängen, die man freundlich als Baustellenbesichtigung und weniger nett als Hausfriedensbruch bezeichnen könnte. Wir hatten hier einige Fälle von Herren, die sich unangemeldet Zutritt verschafften, erfragten, wem die Baustelle hier gehöre, und dann vergleichsweise ruppig Angebote unterbreiteten. Ich sehe auch, wie „Spiegel Online“ von der Haussuche eines verzweifelten deutschen Doppelverdienerpaars berichtet – die Realität hier auf dem Boden sind aber mehr schrankartige Männer mit nicht allzu hoher Bildung und nach Eigenangaben keinerlei Problemen, sofort bar „die letzte Preis“ zu bezahlen. Ich bin nun selbst eher schrankartig und robust, aber wäre ich eine 75-jährige Witwe, würde ich mir auch keine derartigen Konfrontationen antun und lieber ein paar Tausend Euro bezahlen, damit jemand für mich diese Arbeit übernimmt.

Egal ob Vermietung oder Verkauf, das Geschäft mit Immobilien hat sich in den vergangenen zehn Jahren dramatisch verändert. Ich persönlich meide nach schlechten Erfahrungen den freien Markt und vermiete inzwischen ausschließlich über Beziehungen oder auf Empfehlung. Auf der Kundenseite mag der verrufene Makler wie ein Faulpelz erscheinen, der die Tür aufsperrt. Auf Anbieterseite ist er heute mitunter eine Art Türsteher, der dafür sorgt, dass penetrante Anbieter für möblierte Massenquartiere jenseits der Mietpreisbremse nicht an die Adressen, Klingelknöpfe und Telefonnummern der Verkäufer gelangen. Vielleicht mag Frau Barley einmal ein Gesetz vorschlagen, das den Missbrauch der Freizügigkeit in der EU einschränkt oder die Profiteure der Flüchtlingskrise schärfer überwacht? Auch die sind nämlich Faktoren bei der Wohnungsknappheit in Deutschland.

Wenn der Kampf gegen die Makler auch nichts an den Problemen ändert, wird sich der Vulgärkommunismus neue Feindbilder suchen. Den Immobilienentwickler. Den Vermieter. Den Alten, der einsieht, dass seine 70 Quadratmeter auch eine gute Unterkunft für diejenigen sind, die man aus Gründen der angeblichen Gerechtigkeit meint privilegieren zu müssen. Den Leerstandsbesitzer, der nach einem Jahr Baustelle im Hinterhaus und exorbitanten Renovierungskosten jetzt mal ein Jahr Pause braucht, um die nächsten Abschnitte aus der Miete zu refinanzieren. Alle werden sie schuld sein, alle wird man unter Druck setzen, seitens der Politik und ihrer populistischen Versprechungen, die dann von jenen Schlechtbezahlten nachgeplappert werden, die sich heute für eine Tätigkeit bei Hauptstadtmedien in den WGs drängeln und ihre dispokreditösen Privatprobleme mit den realen Folgelasten der Merkeljahre verwechseln.