Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach dem Mann, der in Nürnberg scheinbar wahllos auf drei Frauen (56, 34 und 26 Jahre) im Stadtteil St. Johannis eingestochen hat. Er habe unvermittelt mit der Waffe zugestoßen und nicht mit den Opfern gesprochen, sagte ein Polizeisprecher. Bisher fehlt von dem Mann jede Spur.

Die drei Tatorte liegen nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt in einem beliebten Viertel mit vielen Altbauten. Pietro Renda (57), Inhaber des Friseurgeschäfts „Riccardo“, erlebte den ersten Angriff in St. Johannis mit. Sein Laden befindet sich 200 Meter vom Tatort entfernt: „Gegen 19.40 Uhr kam ein Mann zu mir in den Laden und rief: ,Da draußen ist eine Frau niedergestochen worden!‘ Ich lief sofort nach draußen mit zwei Handtüchern, kümmerte mich um sie“, so Renda.

Vor seinem Laden versorgte Pietro Renda eines der Opfer

„Die Frau blutete stark auf der linken Bauchseite. Sie erzählte mir, sie ging Richtung Brückentraße, ein Mann sei ihr entgegengekommen. ,Im Vorbeigehen hat er mir in den Bauch gestochen‘, sagte sie. Dann hat der andere Mann die Polizei gerufen.“

Ein weiterer Anwohner: „Ich hörte eine Frau schreien. So extrem, ich wusste sofort, dass da was passiert sein muss. Ich bin zur Haustür, die Frau hatte sich vor unser Haus geschleppt. Sie saß auf dem Treppenabsatz, sie hielt sich den Unterleib und man sah einen Blutfleck. Sie sagte, sie kam von der Kaiserburg und war auf dem Weg nach Hause. Sie war vollkommen aufgelöst, schrie vor Schmerzen, die Rettung war schon verständigt.“

Die drei Frauen wurden in Kliniken notoperiert. Bei zwei von ihnen bestand vorübergehend Lebensgefahr. Im Laufe des Freitags wollen die Ermittler Anwohner und die drei Opfer nochmals befragen. Ob der Gesundheitszustand der angegriffenen Frauen dies zulässt, war zunächst unklar.

Kurz nach den Attacken hatten die schwer verletzten Opfer noch Angaben zum Täter machen können. Weil sich diese aber unterschieden, konnte die Polizei mehrere Täter zunächst nicht sicher ausschließen.

Die Taten

Erst sei gegen 19.20 Uhr eine 56-jährige Frau unvermittelt von einem Unbekannten in den Oberkörper gestochen worden, teilte das Polizeipräsidium Mittelfranken mit. Der Täter sei geflüchtet. Die schwer verletzte Frau musste nach notärztlicher Erstversorgung in einem Klinikum notoperiert werden.

Gegen 22.30 Uhr dann die nächste Attacke! Ein Unbekannter habe auf eine 26-Jährige eingestochen.

Kurz darauf sei dann eine 34-Jährige angegriffen worden. „Beide Frauen erlitten durch die Stiche lebensgefährliche Verletzungen, die im Krankenhaus notoperiert werden mussten“, teilte die Polizei mit. Mittlerweile seien alle Opfer außer Lebensgefahr.

Polizei spricht von Einzeltäter

Trotz unterschiedlicher Aussagen der Frauen kurz nach den Attacken geht die Polizei einem Sprecher zufolge von einem Täter aus. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gibt es nicht. Über die angewendete Tatwaffe gibt es derzeit keine Erkenntnisse.

Am Vormittag veröffentlichte die Polizei zudem eine Täterbeschreibung: Nach dieser ist der Täter ca. 25 – 30 Jahre alt und zwischen 175 und 180 cm groß und normaler Statur. Er soll blonde bis dunkelblonde Haare haben, zudem heller Teint und Drei-Tage-Bart. Über die Bekleidung gibt es unterschiedliche Angaben.

Fahndung läuft

Der Täter ist weiter auf der Flucht. Die Polizei warnte die Bevölkerung vor ihm. Er könne mit einem Messer bewaffnet sein. Mit zahlreichen Einsatzkräften fahndeten die Beamten am Vormittag nach dem Mann. In der Nacht waren auch ein Hubschrauber und Polizeihunde im Einsatz. Die Ermittler hoffen zudem, die Opfer noch am Freitag befragen zu können.

Zudem sollen Anwohner befragt werden, die womöglich mitbekommen haben, wie und von wem die drei Frauen am Donnerstagabend niedergestochen wurden.