Ob es der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ist oder der Angriff auf die Twin Tower – Verschwörungstheoretiker wittern überall das Wirken des „Weltjudentums“. Kein Wunder, dass Israel auch schuld an den Attacken in der Straße von Hormus sein soll.

Neulich auf der Autobahn zwischen Nürnberg und Leipzig. Im Deutschlandfunk, einem der wenigen „richtigen“ Radiosender, die man hören kann, ohne von irgendwelchen Moderatoren-Aliens mit Ratespielen bespaßt zu werden, laufen Nachrichten und Kommentare zum aktuellen Geschehen. In der Straße von Hormus sind zwei Tanker angegriffen worden, und alle Welt fragt sich: Wer war’s? Oder: Wer könnte es gewesen sein?

Die ARD hat einen Korrespondenten vor Ort, in Kairo, und der sagt gleich zu Anfang seines Berichts, es gebe „bisher keine handfesten Beweise dafür“, dass der Iran hinter der Aktion stecken könnte. Dennoch sei der Iran „verdächtig“. Aber eben nicht nur der Iran.

„Aus Sicht einiger Beobachter im Nahen Osten ist … auch Israel tatverdächtig und hat ein Motiv. So seien die Angriffe der Versuch, die USA in einen Krieg gegen den Erzfeind der Israelis, den Iran, zu treiben. Diese Theorie halten einige für glaubwürdiger als die Annahme, dass die iranische Führung suizidal ist und einen Militärschlag der USA provozieren will.“

Das ist Kaffeesatz-Journalismus in Vollendung. Woher der Korrespondent seine Informationen bezieht und wer „die Beobachter“ sind, auf die er sich beruft, bleibt ungesagt. Jedenfalls ist die Theorie, Israel wolle mithilfe der USA einen Krieg vom Zaun brechen, „glaubwürdiger“ als die Annahme, der Iran habe es darauf ankommen lassen.

Hat man jemals nur ein böses Wort aus dem Iran gegen Israel oder die USA gehört? War da nicht was mit dem „großen“ und dem „kleinen Satan“?

Denkbar, möglich ist ja alles, im großen Buch der Verschwörungstheorien sind noch ein paar Seiten frei. Deutsche Neonazis bestehen darauf, das Weltjudentum habe 1939 dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Um den guten Ruf der DDR besorgte Altkommunisten weisen immer wieder darauf hin, es habe an der innerdeutschen Grenze keinen „Schießbefehl“ gegeben.

Geschichte ist nur ein Bündel von Narrativen. Wie zum Beispiel dem, bei dem Anschlag auf die Twin Towers in New York seien keine Juden umgekommen, weil der Mossad alle vorgewarnt hatte. Auch das halten bis heute „einige“ für „glaubwürdiger“ als die Annahme, Osama Bin Laden könnte was mit der Sache zu tun haben.

So gesehen muss bei den Attacken auf die Tanker in der Straße von Hormus „nach allen Seiten hin“ ermittelt werden. Fest steht nur: Vom Deutschlandfunk war keiner dabei. Und der Kollege in Kairo hat bestimmt ein Alibi.