Santiago Abascal ist Chef der rechtskonservativen Partei Vox, der Mann hinter Spaniens AfD-Moment. Der Waffenbefürworter attackiert offen den Feminismus der Dritten Welle, katalanische Separatisten und (illegale) Migranten. Für ihn hat Merkel in Europa den größten Schaden angerichtet.

Santiago Abascal ist überzeugt, dass Spanien eine neue patriotische Partei braucht. „Ich bin nicht extrem rechts, sondern extrem notwendig“, erklärte er nach dem überraschenden Erfolg seiner Partei Vox bei den Regionalwahlen am vergangenen Sonntag in Andalusien.

Begeisterung löste der Wahlsieg jedenfalls bei Rechtskonservativen und Rechtsnationalen aus: Die erste Gratulantin war die Französin Marine Le Pen, kurz danach meldete sich aus den USA David Duke.

„Zwölf Abgeordnete und das Ende von 40 Jahren sozialistischer Herrschaft in Andalusien beweisen, dass eine Wende möglich ist.“ Der Amerikaner zeigte sich beeindruckt vom Vox-Wahlkampf-Video, in dem Abascal mit seinem Gefolge über die andalusische Steppe reitet.

Der 42-Jährige wiederum bewundert die USA – unter anderem, weil man dort fast uneingeschränkt Waffen tragen darf. Abascal selbst verlässt das Haus nie ohne seine Smith & Wesson. Früher wollte er damit seinen Vater schützen, einen von der baskischen Terrororganisation Eta bedrohten Politiker der konservativen Volkspartei (PP).

Heute soll die Waffe dem Schutz seine Kinder dienen. Der vierfache Familienvater ist geschieden und hat im Juni dieses Jahres erneut geheiratet. Mit seiner neuen Gattin Lidia Bedman, 33, einer Mode-Bloggerin mit 123.000 Followern auf Instagram, hat er zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren.

„Autoritäre“ Frauenbewegung als Feindbild

Wenn es um Frau, Ehe und Familie geht, vertritt Abascal erzkonservative Ansichten. Der gläubige Katholik ist strikt gegen Abtreibung und verteidigt das klassische Familienbild. Die Eheschließung sollte in seinen Augen nur zwischen Mann und Frau möglich sein, und in seinem Fall auch ausnahmsweise nach einer Scheidung ein zweites Mal.

Ein Feindbild für ihn ist die „autoritäre“ Frauenbewegung – sie stelle die Hälfte der Bevölkerung unter Generalverdacht, nur weil sie Männer seien. „Der Feminismus will uns unterdrücken“, findet Abascal, der ein Stierkampf-Fan ist und Tierschützer als „Psychopathen“ bezeichnet.

Abascal, einst wie sein Vater Mitglied der PP, war 2013 Mitgründer von Vox. Lange interessierte niemanden die Partei, die bis zur vergangenen Woche noch nie ein Mandat bei einer Wahl errungen hatte. Das hat sich nun grundlegend geändert, am Sonntag bescherte er Spanien seinen AfD-Moment. Schon haben sich Unterstützer gemeldet: Albert Rivera, Chef der liberalen Partei Cuidadanos, schloss diese Woche eine Koalition mit Vox in Andalusien nicht aus.

Abascal selbst führt seinen Erfolg darauf zurück, dass er „Klartext“ spreche. Den größten Zulauf erhielt er freilich mit seinen markigen Sprüchen zur Einwanderung, die er für die Zunahme der Kriminalität verantwortlich macht. „Früher konnten unsere Großmütter ruhig auf der Straße spazieren gehen, heute reißt man ihnen die Taschen weg, meistens sind die Täter Einwanderer.“

Abascal: „Merkel hat in Europa den größten Schaden angerichtet“

Eine Forderung von Vox in ihrem 100-Punkte-Programm ist die sofortige Abschiebung von illegalen Migranten und die Bestrafung von Hilfsorganisationen, die die Zuwanderung ermöglichen. Angela Merkel sei die Politikerin, so Abascal, die in Europa den größten Schaden angerichtet habe, weil sie 2015 Hunderttausenden von Immigranten und „sogenannten Flüchtlingen“ die Tür öffnete.

„Ich bin für die Diskriminierung und will, dass wir unsere Türen nur denen öffnen, die wir im Lande haben wollen.“ Ebenso wie US-Präsident Donald Trump will auch Abascal mit hohen Mauern Flüchtlinge abhalten.

So sollen die Exklaven Ceuta und Melilla im Norden Marokkos hermetisch abgeriegelt werden. Für die EU-Kommission hat er nicht viel übrig. Dort säßen nur globalisierungsfreundliche Bürokraten, die sich in nationale Angelegenheiten einmischen.

Patriotismus heißt für Abascal, für ein starkes, geeintes Spanien zu kämpfen. Seine Partei übernahm die Volksanklage gegen die katalanischen Separatisten und ihren im Exil lebenden Ex-Ministerpräsidenten Carles Puigdemont.

Am liebsten würde Abascal Katalonien den Autonomiestatut aberkennen, die dortige Landespolizei auflösen und durch Polizisten aus Madrid ersetzten. Seine Vision von einem starken Zentralstaat sieht die Abschaffung aller Regionalparlamente vor. „Wir wollen ein einziges Spanien und keine siebzehn“, so einer seiner Zitate. Ein Blick auf das Vox-Parteiprogramm zeigt Übereinstimmungen mit der AfD sowie die gleiche Rhetorik.

Ebenso wie die AfD, die als Anti-Euro-Partei startete und erst in den Jahren 2015 und 2016 infolge der Flüchtlingskrise erstarkte, profitierte Vox vom steigenden Migrationsdruck in Andalusien. Abascal denkt längst in einem nationalen Rahmen, für ihn ist der Einzug seiner Partei in das Madrider Abgeordnetenhaus nur noch eine Frage der Zeit: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“