Um irgendwie nach Deutschland zu kommen, haben Flüchtlinge bei Facebook einen riesigen Ausweis-Flohmarkt eröffnet – der seit Jahren floriert. Das Problem ist den Behörden bekannt.

Hussam A. schreibt am 20. November: „Ich brauche einen ähnlichen Reisepass für einen 24-jährigen schlanken Mann mit brauner Hautfarbe. Wer einen Pass hat, soll mich bitte privat kontaktieren. Bitte keinen Touristenpreis.“ Ahmad N. kommentiert: „Veröffentliche doch mal das Foto von ihm. Wenn wir etwas für ihn haben, melden wir uns. Es gibt zwei Pässe, die passen könnten.“

Warum wird der illegale Handel nicht gestoppt?

Flüchtlinge, die in der Türkei oder Griechenland festsitzen, kaufen bei Facebook deutsche Reisedokumente mit Aufenthaltstiteln – meist von Landsleuten, die Deutschland schon wieder verlassen haben. Der Tatort: geschlossene Facebook-Gruppen in arabischer Sprache.

In einer dieser Gruppen mit 8300 Mitgliedern postet Malek A. am 1. Dezember ein Foto eines deutschen Reiseausweises für Flüchtlinge. „Zum Verkauf steht ein deutscher Pass mit Aufenthaltstitel und Gesundheitskarte (AOK). Preis: 700 Euro.“ Es melden sich gleich mehrere Interessenten

Die Einreise mit einem anderen Ausweis ist illegal. Immer häufiger fliegen Flüchtlinge auf, die mit echten Dokumenten einreisen wollen, die aber nicht ihnen gehören (554 im Jahr 2017). Doch gestoppt wurde der Dokumenten-Flohmarkt auf Facebook bis heute nicht.

Was sagt Facebook dazu?

Fast nichts. Auf Anfrage teilt das Unternehmen mit: „Menschen haben die Möglichkeit, Inhalte zu melden, die sie als bedenklich oder anstößig empfinden. Jede Meldung wird vom Community Operations Team, also von individuellen Personen, geprüft – in der jeweiligen Sprache. Anschließend wird eine passende Maßnahme ergriffen.“

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erklärt auf Anfrage: „Wird im Rahmen der Dokumentenprüfung eine Manipulation festgestellt, dann werden diese Dokumente beim Bundesamt aufbewahrt und das Untersuchungsergebnis an die Polizeibehörden weitergeleitet.“

Für die Strafverfolgung sind dann die ermittelnden Bundesbehörden zuständig.

Marineblauer Einband, Bundesadler, Wasserzeichen: Der Reiseausweis der Bundesrepublik Deutschland für Flüchtlinge ist kein Papier wie jedes andere.

Wer es in Händen hält, ist in Sicherheit: Das staatliche Dokument bedeutet Schutz vor Verfolgung, vor Folter, vor Willkür. Der Besitzer darf in fast jedes EU-Land reisen – ohne Kontrolle.

Es ist ein Zeichen von Anerkennung. Ein Papier der Freiheit. Und für viele Menschen die Vorstufe zum deutschen Pass.

Umso bitterer sind die Fälle, die wir heute zeigen: Der Reiseausweis wird auf Facebook verscherbelt wie eine alte Couch!

Flüchtlinge, die ihn nicht mehr benötigen, bieten ihn an. Jeder kann ihn kaufen. Ohne Prüfung. Auch Kriminelle oder Terroristen.

Menschen, die so etwas Schäbiges tun, zeigen damit vor allem eines: Sie hatten dieses wertvolle Dokument niemals wirklich verdient.