Die Belanglosigkeit der Wahlplakate ist eine Belästigung des Bürgers: „Europa ist die Antwort“, „Gemeinsam erfolgreich in Europa“ oder „Wir bauen das neue Europa!“ Unser Autor fragt sich, warum sich niemand um die ökologischen Kosten der Plakataktion schert.

Ich habe es längst aufgegeben, mich über die Armseligkeit, die Belanglosigkeit und die Beliebigkeit der Plakate aufzuregen, die zu jeder Wahl von den Parteien aufgestellt werden. Ich versuche, sie zu übersehen. Und wenn ich doch eines bewusst wahrnehme, weil ich an einer Ampel halten muss, dann weiß ich zehn Sekunden später nicht mehr, wer mir da gerade „Europa ist die Antwort“ zugerufen hat, „Gemeinsam erfolgreich in Europa“ oder „Wir bauen das neue Europa!“. Allein in Berlin, so das Ergebnis einer dpa-Umfrage, wollen die sechs großen Parteien, also CDU, SPD, FDP, AfD, die Linke und die Grünen, mindestens 110.000 Plakate zur Europawahl aufhängen, im ganzen Bundesgebiet dürften es mehrere Millionen sein.

Muss das sein? Gibt es irgendeine verlässliche Studie, ob und wie Plakate die Entscheidung der Wähler beeinflussen? Oder geht es nur darum, Präsenz zu zeigen. „Hallo, wir sind auch noch da! Und wir sind genauso doof wie die anderen!“

Es geht mir nicht darum, wie viel diese Art der Werbung kostet. Alles in allem, bundesweit und parteiübergreifend, vermutlich weniger als ein nicht einsatzfähiger Mehrzweckkampfhubschrauber der Tiger-Serie. Wo viel Geld zur Verfügung steht, da wird auch viel Geld vergeudet. Der Bericht des Bundesrechnungshofes bestätigt diese Regel jedes Jahr. Ich frage mich nur, warum niemand die Frage nach den ökologischen Kosten der Plakataktion stellt.

Es ist heute möglich, auszurechnen, wie viel Energie gespart würde, wenn die Besitzer von TV-Empfängern die Stand-by-Funktion der Geräte deaktivieren würden. Man weiß, wie viel Wasser für die Herstellung eines einzigen H&M-Poloshirts benötigt wird. Und wie viel CO2 pro Passagier und Kilometer bei einem Flug von Frankfurt-Hahn nach Lanzarote anfällt. Nur die Öko-Bilanz eines Parteiplakats interessiert keine Sau, nicht einmal die Grünen.

Aber diese Plakate fallen nicht vom Himmel. Sie müssen gedruckt, zu den Einsatzorten gebracht, aufgehängt, geklebt und nach der Wahl wieder eingesammelt und entsorgt werden. Das ist ein Vorgang, bei dem viel Energie verbraucht wird, auch dann, wenn die Plakate recycelt und als Toilettenpapier wieder dem Kreislauf der Natur zugeführt werden.

Wieso ist das kein Thema? Warum regt sich darüber kaum jemand auf? Weshalb gibt es dazu kein Statement von Greta?

Was mich angeht: Ich werde keine Partei wählen, die sich an diesem Quatsch beteiligt. Wer meine Stimme haben will, muss auf Plakate verzichten.