Google will sein Betriebssystem Android für Huawei-Smartphones in abgespeckter Version ausliefern. Was bedeutet das für die Nutzer bestehender Geräte?

Google will künftig für Smartphones von Huawei kein vollständiges Android mehr zur Verfügung stellen. Warum das amerikanische Unternehmen das angekündigt hat und so reagiert, lesen sie hier. Es gibt dazu ein kurzes offizielles Statement von Google. Die Maßnahmen betreffen nicht Geräte, die bereits verkauft wurden oder im Lager liegen. Bereits auf dem Markt befindliche Huawei-Smartphones können weiterhin auf den Google Play Store und Google Play Protect zugreifen. Damit können Nutzer weiterhin Apps herunterladen, und das Android-Betriebssystem sorgt für Sicherheit durch Virenscans, Fernsperrung des Geräts nach Verlust oder sicheres Surfen in dem Browser Chrome.

Das klingt erst einmal beruhigend für Nutzer von Huawei-Smartphones. Auch für die nächsten Wochen. Wenn Google die neuen Sicherheitsupdates (Patches) verteilt, die kritische Schwachstellen schließen, wäre Huawei weiterhin unter den Empfängern, weil die Aktualisierung das Open-Source-Projekt (Android Open Source Project) betrifft und dieses nicht von Googles Maßnahmen betroffen ist. So die Zusage von Google.

Huawei wäre zwar nicht als erstes dran, weil Google zunächst seine eigenen Geräte wie das Pixel bedient und sodann alle Smartphones mit Android One wie etwa die Nokia-Modelle mit dem Patch ausstattet. Doch zumindest die Flaggschiffe von Huawei, Samsung oder Sony bekommen das Update recht zügig. Die Verzögerung kommt übrigens durch die Hersteller, weil sie kein „nacktes“ Android anbieten, sondern mit eigenen Oberflächen arbeiten, die angepasst werden müssen. Die Geräte wären also weiterhin sicher.

Keine Android-Version 10 Q auf Huawei-Smartphones

Doch bald sind auch diese Nutzer betroffen. Spätestens wenn Google im Herbst die neue Android-Version 10 Q einführt. Bisher waren das Mate 20, Mate 20 Pro, Mate 20 X, P30 und P30 Pro auf der Liste für ein Update. Wenn es nach dem derzeitigen Stand der Dinge dabei bleibt, wird Google kein Versionsupdate für Android ausspielen. Das gilt dann natürlich auch für die Geräte, die bald auf den Markt kommen. So ist im Oktober der Nachfolger des Mate 20 Pro zu erwarten. Doch vorher dürfte Huawei sein faltbares Smartphone Mate X in den Handel bringen. Für dieses Gerät hat Googles Ankündigung ebenfalls Auswirkungen.

Für alle neuen Geräte könnte es ganz böse kommen. Denn angeblich will Google diese nicht mehr mit Software versorgen. Das bedeutet: Die Huawei-Produkte kommen möglicherweise ohne die Navigations-App Google Maps, das Mail-Programm Gmail oder die Video-App Youtube. Sie könnten auch nicht auf offiziellem Weg heruntergeladen werden, weil dann der Play Store ebenfalls fehlt. Es können zwar Apps als sogenannte APK-Datei direkt installiert werden. Doch dann sollte man genau überprüfen, ob sie aus einer seriösen Quelle stammen. Und nicht alle Android-Apps sind jenseits des Play Store als APK-Dateien erhältlich. Für die meisten Android-Nutzer ist eine solche Recherche zu aufwendig und zu gefährlich. Wenn der Play Store fehlt, ist Android auf Huawei-Smartphones in gewisser Weise wertlos.

Ein Ausweg für Huawei könnte ein anderes Betriebssystem sein. Die Chinesen arbeiten seit einigen Jahren an einem eigenen Betriebssystem, das in der Netzgemeinde unter der Bezeichnung Kirin OS auftaucht. Das Betriebssystem hat den Namen von den hauseigenen Kirin-Prozessoren geerbt, die mittlerweile in den Smartphones verbaut sind. Auch gibt es die Huawei Mobile Services, die eigene Apps enthalten und den Emui-Aufsatz von Huawei, der viele Smartphone-Funktionen rund um E-Mail, Kalender und Adressen bereits abbildet. Doch wer sich diese Alternativen anschaut, wird schnell merken, dass sie kein Ersatz für die Apps im Google Play Store sind.