Eine Petition, initiiert unter anderem von Monika Maron, wendet sich gegen Eingriffe in die Sprache im Namen der Gendergerechtigkeit. Das Anliegen ist löblich und die Liste der Unterzeichner beeindruckend. Doch leider wird der entscheidende Punkt ausgeklammert.

Es begann mit dem Binnen-I in den 80er Jahren, inzwischen sind wir bei Gender*sternchen, Gender_gap und Gender-x: der Versuch der ideologischen Normierung der deutschen Sprache. Was anfangs als Marotte von ein paar esoterischen Studentengrüppchen abgetan werden konnte, hat, ausgehend von den Universitäten, Instituten, Organisationen und NGOs Einzug in den deutschen Alltag gehalten. Selbst das durchschnittliche Provinzbürgeramt verwendet inzwischen das Binnen-I oder betreibt Sprachverrenkungen mit Querstrichen und waghalsigen Klammerkonstruktionen. Diese Entwicklung ist geradezu ein Lehrstück darin, wie es einer radikalen aber entschlossenen Minderheit gelingen kann, der Majorität ihre Vorstellungen zu oktroyieren, wenn diese Mehrheit nur nachlässig und desinteressiert genug ist – und kein Gespür für die Macht politische Symbolik hat.

Beeindruckende Liste von Unterzeichnern

Doch offensichtlich formiert sich nun, reichlich spät, der Widerstand. Unter der etwas reißerischen Überschrift „Schluss mit dem Gender-Unfug!“ wendet sich eine bemerkenswerte Petition gegen „zerstörerische Eingriffe in die deutsche Sprache“ im Namen der Gendergerechtigkeit. Initiiert wurde das Ganze von der Schriftstellerin Monika Maron, dem Journalisten und Sprachkritiker Wolf Schneider, dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus und dem Präsidenten des Vereins für deutsche Sprache Walter Krämer.

Und die Liste der Erstunterzeichner ist beeindruckend: Der Bestsellerautor Prinz Asfa-Wossen Asserate hat unterschieben, ebenso der ehemalige Chefredakteur der Bild-Zeitung Kai Diekmann, der Moderator Peter Hahne, die Kabarettisten Dieter Hallervorden und Dieter Nuhr, die Schriftstellerinnen Sibylle Lewitscharoff und Cora Stephan, der Publizist Rüdiger Safranski, der Sprachkolumnist Bastian Sick, zudem zahlreiche Professoren, Wissenschaftler, Künstler und Unternehmer.

Die gendergerechte Sprache, so wird in dem Petitions-Text ausgeführt, beruhe auf dem Irrtum, dass zwischen dem natürlich und dem grammatischen Geschlecht ein fester Zusammenhang bestehe, führe zu lächerlichen Sprachgebilden, sei sprachlogisch nicht durchzuhalten und trage nicht einmal dazu bei, dass Frauen mehr Rechte bekommen.

Die Petition blendet die politische Dimension aus

Leider jedoch klammert die Petition den entscheidenden Punkt aus: den machtpolitischen. Denn über linguistische Thesen lässt sich wohlfeil diskutieren. Unter anderem auch deshalb, weil nirgendwo geschrieben steht, dass das, was über Jahrhunderte gültig war, nicht heute geändert werden kann. Sprachregeln, Semantik und Grammatik sind leider willkürlich. Es gibt nicht das richtige Deutsch.

Die linguistischen Argumente gegen die Gendersprache laufen also ins Leere, so verständlich sie auch sein mögen. Entscheidend ist hingegen der politische und der weltanschauliche Punkt: Politisch ist die Gendersprache nichts anderes als der undemokratische Versuch einer Minderheit, der Mehrheit eine ideologisch motivierte Sprachregelung zu verpassen. In den vergangenen Jahren wurde auf mehr oder minder subtile Art versucht, sprachliche Tatsachen zu schaffen. Und nicht alle stellten sich dabei so ungeschickt an wie die Stadtverwaltung von Hannover.

Ideologisch geht es den Apologeten der Gendersprache mitnichten um Frauenrechte. Vielmehr geht es um das gesamte politische Feld, das sich hinter dem Stichwort „Geschlecht“ öffnet: um Familie, Identität, Erziehung, Ausbildung et cetera. Die Gendersprache ist nicht das Ziel, sondern lediglich ein Hebel.

An den Hochschulen ist man vorsichtig

So berechtigt das Anliegen der Petition also ist: Sie klammert die eigentlich problematische Dimension der Debatte um die gendergerechte Sprache aus. Es geht um wesentlich mehr als um Grammatik, Stringenz und sprachliche Schönheit. Es geht vielmehr um die Fähigkeit, eine ideologische Agenda durchzusetzen, also um Macht.

Das sieht man unter anderem auch daran, dass zumindest unter den Erstunterzeichnern auffallend wenig aktive Angehörige deutscher Hochschulen sind. Man ist dort offensichtlich vorsichtig – nicht ohne Grund, wie die vergangnen Jahre gezeigt haben.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Das Anliegen der Petition wird nur dann erfolgreich sein, wenn sie dazu beiträgt, sich dem opportunistischen Klima entgegenzustellen, das wieder einmal in deutschen Amtsstuben herrscht. Zu wünschen wäre es.