Die globalen Kräfteverhältnisse sind in Bewegung geraten. Wir können auf eine starke Innovationskraft bauen, aber wir müssen Partnerschaften auf Augenhöhe eingehen.

Noch sind die USA die größte Volkswirtschaft. Aber während sie vormals stärkster Verfechter freien Handels waren, gilt im Zentrum der Macht heute „America first“ mit Sympathien für „America only“. Dafür ist die Tonalität, mit der Interessenslagen durchgesetzt werden sollen, ein deutliches Zeichen.

Europa ringt mit inneren Herausforderungen und hat im Grunde keine einheitliche Außenwirtschaftspolitik. Die unterschiedlichen Horizonte großer und kleiner Mitgliedstaaten und die chaotischen Zustände rund um den Brexit lassen Besserung ohne grundlegende Reformen nicht erwarten.

Asien hingegen strotzt vor wirtschaftlicher Dynamik und Selbstbewusstsein. Seit den Neunzigerjahren ist Asiens Bruttoinlandsprodukt um mehr als das Dreifache gestiegen, in China sogar um das Neunfache. Dieser Aufschwung ermöglichte es Millionen von Menschen, aus der Armut in die Mittelschicht aufzusteigen – eine Leistung, die in Europa zu selten gewürdigt wird.

Asien holt auch technologisch massiv auf, wie die Landung einer chinesischen Sonde auf der Rückseite des Mondes zeigt. Das war zuvor noch keiner Nation gelungen. In der Telekommunikation hat China den Westen längst abgehängt, in der verbraucherbezogenen Plattformökonomie ist es nur eine Frage der Zeit.

Und mit der Belt-and-Road-Initiative fördert China den Bau von Infrastrukturen, die 65 Prozent der Weltbevölkerung erreichen. Sie hat Potenzial, das größte Investitionsprogramm aller Zeiten zu werden.

Die Pläne anderer asiatischer Länder sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. Indien verfolgt mit „Make in India“ eine ambitionierte Industrialisierungsstrategie.

Auch die Industriepolitik von Indonesien, Vietnam und Malaysia ist eindeutig auf Wachstum ausgerichtet. Japan und Südkorea gehören bereits zu den führenden Volkswirtschaften der Welt, allerdings mit ähnlichen Herausforderungen wie Industrienationen in Europa.

Wie gehen wir damit um? Mit Abschottung oder gar gesetzlichen Beschränkungen von Investitionen asiatischer Unternehmen in Europa? Zumindest exportorientierte Nationen wie unser Land sollten sich das gut überlegen.

Ich sehe drei wichtige Punkte.

Erstens: Reziprozität schafft Gemeinsamkeiten. Es geht um ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen, um „Win-win“-Beziehungen. Deutsche Unternehmen können viel bieten: führende Technologien, Investitionen, Arbeitsplätze durch Lokalisierung und Ausbildung.

Der Zugang zu Märkten, der Schutz von Investitionen und geistigem Eigentum, also fairer Wettbewerb muss eine gemeinsame Basis werden.

Das Freihandelsabkommen zwischen Japan und der EU weist den Weg in die Zukunft: Wir brauchen ein Freihandelsabkommen mit China. Es ist höchste Zeit für einen offenen und konstruktiven Dialog.

Dazu müssen Wirtschaft und Politik eng zusammenarbeiten. Wie schon in der Vergangenheit wird der Asien-Pazifik-Ausschuss hier einen Beitrag leisten.

Zweitens: Anpassungsfähigkeit ist die Zukunft. Die Welt wird komplexer, das Tempo der Veränderung steigt. Geopolitik bestimmt zunehmend die Geoökonomie, und die Digitalisierung überfordert viele.

Asiatische Nationen stehen vor großen Herausforderungen – ob Klimawandel oder Urbanisierung. Und genau hier können deutsche Unternehmen mit ihrer Erfahrung und Innovationskraft helfen.

Drittens: Gemeinsamkeit ist eine Stärke. In den vergangenen Jahrzehnten waren deutsche Unternehmen in Asien sehr erfolgreich. Auch dank der Arbeit des Asien-Pazifik-Ausschusses sind sie in der Region gut vernetzt, kennen die lokalen Märkte und Anforderungen.

„Made in Germany“ genießt einen exzellenten Ruf. Aber das ist keine Garantie für zukünftigen Erfolg. Kanzlerin Merkel formulierte es zuletzt sehr treffend: Wir können „noch so fleißig, noch so toll, noch so super sein“ – wenn mächtige Handelspartner den fairen Wettbewerb nicht unterstützen, nützt das wenig.

Bis eine abgestimmte EU-Außenwirtschaftspolitik erreicht ist, müssen zumindest Deutschland und seine Unternehmen mit einer gemeinsamen Position ihre Interessen vertreten. Für deutsche Unternehmen ist das „asiatische Jahrhundert“ Chance und Herausforderung zugleich. Wir können auf eine starke Innovationskraft und hohes Ansehen bauen.

Aber wir müssen fähig sein, Partnerschaften auf Augenhöhe einzugehen, und anerkennen, dass Globalisierung keine Einbahnstraße ist. Reziprozität ist dabei die Formel für den Erfolg.

Mehr: Deutschland lebt von offenen Märkten. Trotzdem tut die Bundesregierung gut daran, bei Übernahmen aus China künftig genauer hinzuschauen.