Die Sprecher von Fridays for Future wollen mit gutem Beispiel vorangehen – und keinen Führerschein machen. Der Umwelt zuliebe! Es ist jedem oder jeder freigestellt, ob er oder sie einen Führerschein macht. Mir ist nur eine Sache aufgefallen.

Es ist noch keine zwei Wochen her, dass vier Sprecher respektive Sprecherinnen der „Fridays for Future“-Bewegung eine Pressekonferenz gaben, auf der sie konkrete Vorschläge präsentierten, wie die Klimakatastrophe im letzten Moment abgewendet werden könnte. Sie traten kompetent und sicher auf, man konnte es ihnen ansehen, dass sie sich gründlich vorbereitet hatten: Svenja, Sebastian, Linus und Sana, alle im gleichen Alter zwischen 15 und 16 Jahren.

Mit einem Idealismus, der charakteristisch für junge Menschen ist, rechneten sie fest damit, dass „die Politik“ ihre Forderungen annehmen und zügig umsetzen würde. Das „Kollektiv“ sei gefordert, gab Linus zu Protokoll, nicht das „Individuum“.

Weil es aber in der Natur der Sache liegt, dass jedes Kollektiv aus Individuen besteht, die sich für oder gegen was auch immer entscheiden können, wollten die anwesenden Medienvertreter wissen, was die vier jungen Klimaaktivisten „konkret im Alltag“ machen würden, um ihre Klimaziele „zu unterstützen und zu beschleunigen“. Worauf der bereits erwähnte Linus antwortete, er würde kein Fleisch mehr essen und zu Hause darauf achten, dass „der Joghurt nicht aus dem Plastik-, sondern aus dem Glasbecher kommt“.

Ich musste an meine Mutter denken, die gebrauchte Joghurtbecher nicht entsorgte, sondern auf dem Küchenschrank stapelte. Was ich damals für eine Marotte hielt, die mich maßlos aufregte, könnte auch ein Beitrag zum Umweltschutz gewesen sein. Wollte meine Mutter vielleicht verhindern, dass die Joghurtbecher im Meer landen?

Ich hätte den Gedanken gerne weiterverfolgt, wenn nicht Sana zum Mikrofon gegriffen hätte, um zu erklären, was sie persönlich tun würde, um die Umwelt zu schützen. „Ich mache keinen Führerschein. Ich fahre mit der Bahn und mit dem Fahrrad.“

Ich spürte, wie sich mein Respekt vor den jungen Leuten in mir wie eine Alka-Seltzer-Tablette in einem Glas lauwarmen Wassers auflöste. Sana macht keinen Führerschein! Der Umwelt zuliebe!

Nun ist es jedem und jeder freigestellt, ob er oder sie einen Führerschein macht oder lieber einen Angelschein. Mir ist nur aufgefallen, dass unter denjenigen Personen in meiner Umgebung, die keinen Führerschein haben, Frauen weit in der Überzahl sind.

Ich will nicht darüber spekulieren, woran das liegt, ich gebe nur eine Beobachtung wieder. Dazu gehört auch, dass die führerscheinlosen Frauen sehr gerne Mitfahrgelegenheiten annehmen. Offenbar spricht nichts gegen das Autofahren, wenn ein Mann (oder eine andere Frau) den Wagen steuert.

Der Hund kann ja fahren

Es gibt Nichtraucher, die sich so ähnlich verhalten. Sie kaufen keine Zigaretten, aber wenn ihnen eine angeboten wird, greifen sie zu. Nicht aus Geiz, aus Höflichkeit gegenüber dem Anbieter.

Nun überlege ich, ob ich meinen Führerschein zurückgeben und diese Geste als Beitrag zum Umweltschutz deklarieren soll. Ich habe genug Freunde und Nachbarn, die mich mitfahren lassen würden. Eine andere Option wäre, ich bringe meinem Hund das Autofahren bei. Wer sagt denn, dass so etwas unmöglich wäre? Es ist bis jetzt nur nicht versucht worden.

Wenn man dem Klima Vorschriften machen kann, wie es sich entwickeln soll, wird man auch einem Schäferhund beibringen können, wann er Gas geben und wann er auf die Bremse treten soll.