Die „Friday“-Kids sind nicht nur hoch motiviert, sondern auch gut informiert. Die beste Möglichkeit, sie nicht in Radikalität abgleiten zu lassen, wäre, ihnen politische Verantwortung zu übertragen. Hat mit den 68ern auch geklappt.

Natürlich wohnt beinah jeder Kritik, die Ältere an Jüngeren üben, eine Portion Neid inne. Und die Klage, dass die Jugend dumm, faul und undankbar sei, ist so alt wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Umgekehrt gehören Hymnen auf die Jugend zum Repertoire aller totalitären Systeme. So war es in der Sowjetunion und im Dritten Reich, in China während der Kulturrevolution und in Kambodscha unter den Roten Khmer. In der DDR haben Kinder ihre Eltern denunziert.

Sprichwörter wie „Jugend kennt keine Tugend“ oder „Ich war jung und brauchte das Geld“ müssen wörtlich genommen werden. Es hat auch seine Richtigkeit, dass Jugendliche unter 14 Jahren nicht strafmündig sind und danach bis zum 18. bzw. 21 Lebensjahr vor Gerichten als Heranwachsende behandelt werden. Wer zum Bundespräsidenten gewählt werden möchte, muss mindestens 40 Jahre alt sein. Der jüngste, den die Bundesrepublik je hatte, war Christian Wulff, bei seiner Wahl immerhin schon 51.

Nun überbieten sich die besten Köpfe der Republik, der Präsident, die Kanzlerin und der Berliner Bischof Koch vorneweg, in Lobpreisungen auf eine „Bewegung“, die sich nichts weniger vorgenommen hat, als den Weltuntergang zu verhindern. So etwas hat es in der Geschichte der Menschheit öfter gegeben. Und das Ergebnis war immer das Gleiche: Der Untergang blieb aus, und die „Bewegung“ ging unter.

Diesmal könnte die Sache anders laufen. Die „Friday“-Kids sind offenbar nicht nur hoch motiviert, sondern auch gut informiert. Das beweisen deren Vorschläge zur Einführung einer CO2-Steuer. Die Politik sollte ihnen eine Chance geben. Luisa Neubauer könnte anstelle von Angela Merkel die Regierungsgeschäfte führen, für eine Probezeit von, sagen wir, sechs Monaten.

Alle anderen Posten im Kabinett würden ebenfalls mit Aktivisten und Aktivistinnen der „Bewegung“ besetzt. Bischof Koch wäre sicher froh, sein Amt an einen umweltbewussten Ministranten abgeben zu können, der als Erstes die Gläubigen verpflichten würde, zu Fuß oder mit dem Rad zur Sonntagsmesse zu kommen, unabhängig vom Alter und der Entfernung zum Wohnort.

Man soll Kinder ernst nehmen. Diesen Freitag werden sie, nach einer kurzen Pause, wieder demonstrieren. Die beste Möglichkeit, sie nicht in Radikalität abgleiten zu lassen, wäre, ihnen Verantwortung zu übertragen. Hat mit den 68ern auch geklappt. Da es egal ist, wer nicht regiert, kann auch nicht viel schiefgehen. Und freitags wäre endlich wieder Ruhe im Karton.