Facebook soll laut einem Bericht sensible Daten wie die Herzfrequenz oder den Eisprungzyklus von Nutzern sammeln. Möglich macht das eine kostenlose Software.

Mindestens elf Gesundheits- und Fitness-Apps sollen Daten an Facebook weitergeben, ohne dass Nutzer davon wissen. Darunter befinden sich offenbar sensible Daten wie die Herzfrequenz oder den Eisprungzyklus. Das berichtet das „Wall Street Journal“. Facebook würde dadurch auf deutlich mehr persönliche Daten von Nutzern zugreifen als bislang bekannt.

Demzufolge sende beispielsweise die App „Flo Period & Evolution Tracker“ Informationen an Facebook, wann die Nutzerin ihre Periode bekommt, „Instant Heart Rate: HR Monitor“ gebe die Herzfrequenz ihrer Nutzer weiter und „BetterMe: Weight Loss Workouts“ das Gewicht. Ermöglichen soll das laut dem Bericht das Analysetool „App Events“.

Facebook bietet das Statistik-Tool App-Entwicklern kostenlos an. Mit der Software können die Entwickler die Aktivitäten der Nutzer aufzeichnen – um besser nachzuvollziehen, wer ihre App nutzt. Die Unternehmen sollen die Nutzer dann gezielt auf Facebook ansprechen können. Allerdings sollen diese Daten auch an Facebook weitergeleitet werden, sodass der Tech-Riese Daten von Nutzern erfasst, selbst wenn diese gar nicht bei Facebook angemeldet sind.

Zwar besagen die Nutzungsbestimmungen, dass App-Entwickler solche sensible Daten nicht weiterleiten sollen. Allerdings scheint Facebook den Datenverkehr zu akzeptieren, ohne die App-Entwickler anzuhalten, diesen zu stoppen.

Gegenüber dem „Wall Street Journal“ erklärte eine Facebook-Sprecherin, dass sensible Daten aus Gesundheits-Apps automatisch gelöscht würden. Das Unternehmen werde prüfen, welche Apps gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen und entsprechende Schritte einleiten.

In den USA ist das Vorgehen von Facebook prinzipiell legal. In der Europäischen Union schreibt die im vergangenen Jahr verabschiedete Datenschutz-Grundverordnung allerdings vor, dass Apps nach dem Einverständnis der Nutzer fragen müssen, bevor sie Daten an Drittanbieter weitergeben.

Der Bericht kommt für Facebook zu einem heiklen Zeitpunkt. Wegen Datenschutz-Pannen könnte dem sozialen Netzwerk in den USA ein Rekordbußgeld von mehreren Milliarden Dollar bevorstehen.

Zudem hatte erst am vergangenen Montag das britische Parlament einen Bericht vorgelegt, wonach Facebook „vorsätzlich und wissentlich“ gegen Datenschutz- und Wettbewerbsrecht verstoße. Die Abgeordneten forderten demnach, dass Social-Media-Unternehmen für Inhalte, die auf ihren Seiten geteilt werden, Verantwortung übernehme. „Unternehmen wie Facebook sollten sich nicht wie „digitale Gangster“ in der Online-Welt verhalten dürfen“, zitierte der „Guardian“ aus dem Bericht.

Der Bericht befasst sich auch mit dem Datenskandal um Cambridge Analytica. In dem Fall hatte der Entwickler einer Umfragen-App vor rund fünf Jahren Informationen von Dutzenden Millionen Facebook-Nutzern an die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica weitergegeben. In dem Parlamentsbericht hieß es, Facebook sei bereit, sich über Datenschutzeinstellungen seiner Nutzer hinwegzusetzen, um Daten an App-Entwickler weiterzugeben.