Die Integrationsbeauftragte im hessischen Maintal ließ Bierdeckel mit Fragen zum Islam bedrucken. Der örtliche „Ausländerbeirat“ forderte empört ein Ende der Aktion. Daraufhin wurde unser Autor neugierig.

Vermutlich erwarten Sie an dieser Stelle einen weiteren Beitrag zur „Schicksalswahl“ am Sonntag. Ich war in der Tat kurz versucht, etwas darüber zu schreiben, bin dann aber an einem Wahlplakat vorbeigefahren, das den absoluten Tiefpunkt an Dämlichkeit markiert: „Für Deutschlands Zukunft in Europa.“

Ja, mei, wo sonst soll Deutschlands Zukunft liegen? Hinter den Karawanken? In Polynesien? In der Subsahara? Stehen schon Tausende von Tiefladern bereit, um das Land irgendwohin zu verlegen, wo das bedingungslose Grundeinkommen bereits eingeführt wurde? Schluss mit den Spinnereien. Wir wenden uns einem ernsten Thema zu, der Integration.

Die Integrationsbeauftragte der Stadt Maintal (38.000 Einwohner) im Main-Kinzig-Kreis zwischen Frankfurt/Main und Hanau hatte eine Idee, wie man denjenigen, die schon länger hier leben, den Islam näherbringen könnte.

Sie ließ 5000 Bierdeckel drucken und in Maintal verteilen, auf denen Fragen in hessischer Mundart standen, die zum Nachdenken anregen sollten, zum Beispiel „Wie is des mit dem Koppduch?“ oder „Gibt’s vom Islam verschiedene Sorde?“.

Worauf sich der „Ausländerbeirat“ der Stadt Maintal umgehend beschwerte. Erstens sei er nicht vorab über die Aktion unterrichtet worden, zweitens dürfe man „Islam und Alkohol“ nicht zusammenbringen. Die Bierdeckel, auch „Untersetzer“ genannt, sollten sofort aus dem Verkehr gezogen werden.

Die Ausländerbeiräte vertreten nur sich selbst

Neugierig geworden, wandte ich mich an Google. Es gibt in Maintal tatsächlich einen Ausländerbeirat, dem zehn Männer und eine Frau angehören. Die letzte Wahl fand im November 2015 statt. 7678 Frauen und Männer waren wahlberechtigt, an der Wahl nahmen 125 Wahlberechtigte teil, das heißt, die Wahlbeteiligung lag bei 1,63 Prozent.

In Limburg an der Lahn waren es 3,31 Prozent, in Seeheim-Jugenheim 4,99 Prozent, in Butzbach 5,08 Prozent. Bezogen auf ganz Hessen betrug die Wahlbeteiligung „etwas mehr als sechs Prozent“, noch weniger als fünf Jahre zuvor waren es 8,2 Prozent.

Was sagt uns das? Die Ausländerbeiräte in Hessen und anderswo vertreten nur sich selbst. Von einer demokratischen Legitimation kann keine Rede sein. Die „Ausländer“, die in Deutschland leben, wollen nicht als Exoten wahrgenommen werden.

Zudem sind nicht alle Ausländer Muslime. Und auch die dürften Wichtigeres zu tun haben, als sich über Bierdeckel-Botschaften aufzuregen. Es soll sogar Muslime geben, die ein Warsteiner von einem Wicküler unterscheiden können. Das ist gelebte Integration.