Nach der Verhaftung des Wikileaks-Günders Julian Assange (47) könnte dieser demnächst in die USA ausgeliefert werden. Der Antrag dafür liegt bereits vor. In den Staaten will man ihm den Prozess wegen Verschwörung machen.

Doch wenn Assange vor einem US-Gericht öffentlich aussagt, könnte dies auch gefährlich für US-Präsident Donald Trump werden.

Im Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2016 hatte Trumps Kampagne nachweislich Kontakt zum Enthüllungsnetzwerk Wikileaks, das dem Vernehmen nach vom russischen Geheimdienst gehackte E-Mails des Teams von Trumps demokratischer Gegenkandidatin Hillary Clinton veröffentlichte. Ein entscheidender Schub für Trump im damaligen Wahlkampf.

Trump feierte den Verrat damals bei Wahlkampfauftritten in mehreren Staaten: „Wikileaks, ich liebe Wikileaks“, bekundete er in Pennsylvania. „Dieses Wikileaks ist wie eine Schatztruhe“, ließ er seine Zuhörer in Michigan wissen und „Junge, ich liebe es, Wikileaks zu lesen“, sagte Trump in Ohio.

Insgesamt mehr als 100 Mal pries Trump Wikileaks. Ein Poster von Assange hing in den Räumlichkeiten des heutigen Präsidenten. Jetzt könnte Assange als Staatsfeind der Prozess gemacht werde

Darum glauben einige Experten, dass Trump nun viel daransetzen könnte, dass Assange nicht vor einem US-Gericht öffentlich aussagt. Zu groß sei die Gefahr, dass Assange den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten mit seinem Wissen über die Vorkommnisse von 2016 mit in den Abgrund ziehe. Auch für Assange könne es sich lohnen, wenn er einen Teil seiner Schuld eingestehe, dafür eine kürzere Strafe hinnehme und die „schmutzigen Details“ nicht öffentlich mache, erklärte ein ehemaliger hoher Geheimdienstler.

„Wenn Assange noch einen Funken Verstand hat, schließt er einen Deal mit den Anklägern ab“, so der frühere Geheimdienstmann, der anonym bleiben wollte. Dies würde „ihm und Donald Trump einen Gefallen tun“.

Allerdings hat der Experte auch Zweifel an dieser Entwicklung: „Erstens ist Assange eben Assange und es könnte sein, dass er zum Märtyrer werden will.“ Zweitens bezweifle der Fachmann, dass Donald Trump einen derart großen Einfluss auf die unabhängige Justiz in den USA habe. „Man wird sehen, wie es sich entwickelt. Das hängt auch davon ab, wieviel Assange wirklich weiß“, so der Ex-Geheimdienstler.

Donald Trump jedenfalls scheint sich auf die Rückkehr Assanges bereits vorzubereiten und sich selbst möglichst weit weg von ihm zu positionieren. Auf die Frage nach der Verhaftung Assanges vom Donnerstag sagte Trump im Weißen Haus: „Es ist nicht meine Sache. Ich weiß, dass es etwas gibt, das mit Julian Assange zu tun hat“. Der Justizminister werde „einen Entschluss fassen. Ich weiß eigentlich nichts über ihn“.

Die US-Informationskriegs-Expertin Molly McKew glaubt nicht, dass Trump diese Distanz auf Dauer wahren wird. „Trumps erste Reaktion scheint der Standard zu sein: ‚Ich kannte den Kerl nie‘, aber ich würde nicht erwarten, dass das hält. Assange wird sicherlich jeden Prozesstag nutzen, um die Öffentlichkeit von ihm zu begeistern und von seiner eigenen Richtigkeit zu schwärmen. Wir können nur hoffen, dass sich der Präsident aus diesem Zirkus heraushält, anstatt dazu beizutragen.“

Das ganze Land werde „viel Aufmerksamkeit darauf richten, wie Präsident Trump auf einen möglichen Prozess gegen Julian Assange reagiert und wie er über ihn spricht“.