Ein Berliner Sender hat die Blitzermeldungen eingestellt. Es war zwar fair, die Raser zu warnen – doch die erhoffte erzieherische Wirkung blieb aus. Nun müssen noch ganz andere Meldungen auf den Prüfstand.

Der beliebte Berliner Sender Radio 1 hat eine seiner Service-Leistungen eingestellt. Ab sofort werden keine Blitzermeldungen durchgegeben. Das sei „nicht mehr zeitgemäß“, erklärte ein Sprecher des Senders. Zudem gebe es auch „ganz objektive Gründe“, die in der Verkehrsunfallstatistik liegen. In Brandenburg habe sich die Zahl der Rasertoten fast verdoppelt: Von neun im Jahre 2017 auf 17 im Jahre 2018. Zu hohes Tempo sei die häufigste Unfallursache.

Vermutlich ist das nicht nur in Brandenburg so. Schnelles Fahren auf der Autobahn und der Landstraße gehört zu den letzten Freiheiten des „mündigen Bürgers“, die er sich nicht nehmen lässt. Manchen ist das aber nicht genug.

Sie rasen auch in Wohngebieten und beschweren sich darüber, dass ihnen Fußgänger in die Quere kommen. Nun könnte man sagen, nicht die Geschwindigkeit sei das Problem, sondern das fahrerische Können desjenigen, der am Steuer sitzt. Leider gibt es zwischen diesen beiden Faktoren einen Zusammenhang. Nicht nur Anfänger neigen dazu, sich zu überschätzen, das gilt auch für ältere Fahrer, die gerne von null auf hundert in vier Sekunden beschleunigen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Als bekennender Langsamfahrer finde ich so ein Verhalten nicht nur albern, es ist auch asozial. Was bringt es, zwischen zwei Kreuzungen ein Viertelmeilenrennen zu veranstalten, an der nächsten Ampel trifft man sich eh wieder. Auf der Straße setzt die klassenlose Gesellschaft aus, da muss man zeigen, was man hat.

Auch andere Warnungen müssen auf den Prüfstand

Trotzdem fand ich es fair, die Raser zu warnen. Niemand lässt sich gerne von der Polizei stoppen, von der drohenden Strafe und dem möglichen Entzug des Führerscheins nicht zu reden. Es macht keinen Spaß, abends mit einem Taxi zu Hause anzukommen und gestehen zu müssen, der Lappen sei weg, möglicherweise auch das Auto. Da hört das Fahrvergnügen auf. Trotzdem haben die Blitzer-Meldungen nicht die erhoffte erzieherische Wirkung gehabt.

Nun müssen auch die anderen Warnungen auf den Prüfstand. Ich zum Beispiel finde die Staumeldungen am Ende der Nachrichten im Deutschlandfunk vollkommen überflüssig. Was nutzt es mir auf dem Weg von Ludwigslust nach Perleberg zu erfahren, dass sich auf der A3 bei Siegburg der Verkehr staut?

Meistens erfährt man von einem Stau, wenn man schon mittendrin steckt. Und selbst wenn man rechtzeitig abfahren kann, nutzt es auch nichts. Staus funktionieren wie Wasser in kommunizierenden Röhren, auch die Umgehungsstraßen sind bald voll. Ebenso sinnlos sind Wettermeldungen. Was geht es mich an, ob es in Tirana, der Hauptstadt von Albanien, regnet oder schneit und wie kalt oder warm es gerade in Tampere in Finnland ist? Was soll ich mit solchen Infos anfangen? Wer sie braucht, hat doch längst eine Wetter-App auf seinem Smartphone. Weg damit.

Was mich am meisten nervt, sind die Wasserstandsmeldungen von den Börsen. Der Dollar ist um einen halben Cent gefallen, dafür ist die Feinunze Gold um fünf Cent teurer geworden? Ist mir egal.

Ich lege meine Ersparnisse in polnischen Zloty und tschechischen Kronen an, das sind stabile Währungen. Und zum Tanken fahre ich nach Franzensbad in Böhmen. Da kostet der Liter Normalbenzin einen Euro. Aber das sagen sie einem nicht im Radio. Das muss man einfach wissen.