Schon vor dem Anschlag erlebte das multireligiöse Sri Lanka eine wirtschaftliche und politische Krise. Der Tourismus war die größte Hoffnung des Landes – bis jetzt.

Sri Lanka hat viele Probleme: Terrorismus gehörte zumindest in den vergangenen Jahren nicht dazu. Seit diesem Ostersonntag ist das anders. Bei insgesamt acht Bombenexplosionen wurden mehr als 200 Menschen getötet und 450 verletzt. Unter den Opfern sind auch mehrere Ausländer. Laut den Behörden sollen hauptsächlich Selbstmordattentäter die Sprengsätze in Hotels und drei Kirchen gezündet haben. Später stürmten Spezialeinheiten einen Unterschlupf von mutmaßlichen Tätern, drei Polizisten wurden dabei getötet.

Sechs der Detonationen fanden nahezu gleichzeitig statt und waren über das ganze Land verteilt. Das spricht für einen hohen Organisationsgrad der Angreifer. Zwischen der Hauptstadt Colombo, wo mehrere Bomben explodierten, und der östlichen Stadt Batticaloa, wo ein Sprengsatz in einer Kirche explodierte, liegen rund 300 Kilometer. In Sri Lanka ist das eine Tagesreise.

Die Regierung meldete mehrere Festnahmen und machte eine „extremistische Gruppe” für die Tat verantwortlich. Noch ist unklar, wer genau hinter dem Anschlag steckt und welches Motiv die Täter hatten. Sicher ist aber schon jetzt, dass dem Land eine schwere Krise droht. Der Terror könnte das multireligiöse Land, das zudem Spielball in einem geopolitischen Machtkampf von Großmächten ist, schnell destabilisieren – und die wirtschaftliche Krise im Land weiter verschärfen.

Zu ethnischen und religiösen Konflikten kommt es in Sri Lanka immer wieder. Die Mehrzahl der Bürger ist buddhistisch. Rund 12,6 Prozent der Bevölkerung sind Hindus, 9,7 Prozent Muslime und 7,4 Prozent Christen. Doch auch wenn es gelegentlich zu Zusammenstößen kommt, so war das Land seit dem Ende des Bürgerkrieges 2009 zwischen buddhistischen Singhalesen und den überwiegend hinduistischen Tamilen weitgehend befriedet.

Nun sorgen sich viele um den Rückfall in alte Zeiten, in denen der Bürgerkrieg jede wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung aufhielt. Schätzungen zufolge wurden zwischen 1983 und 2009 bis zu 100.000 Menschen getötet. Finanzminister Mangala Samaraweera warnte davor, dass die Täter Sri Lanka „in seine dunkelsten Tage zurückziehen wollen”. Rasse und Religion dürften nicht weiter für Spaltung sorgen.

Zuletzt sorgten allerdings nicht ethnische oder religiöse Konflikte für Spannungen, sondern politische Machtkämpfe. Im vergangenen Herbst setzte Präsident Maithripala Sirisena kurzerhand mit Mahinda Rajapaksa einen neuen Regierungschef ein. Der vom Parlament gewählte Ranil Wickremesinghe wollte sich aber nicht so einfach absägen lassen. Es kam zum Machtkampf zwischen den zwei Politikern, ihre Anhänger gingen auf der Straße aufeinander los.

Besonders destabilisierend wirkt sich dabei aus, dass in Sri Lanka Großmächte um Interessen ringen – Sri Lanka gilt als geostrategisch wichtiger Ausgangspunkt für den Pazifik. Rajapaksa ist China zugewandt, während seiner früheren Amtszeit als Präsident trieb er zahlreiche durch die chinesische Seidenstraße finanzierte Infrastrukturprojekte voran. Wickremesinghe bemühte sich dagegen um bessere Beziehungen zu Indien, Japan und dem Westen.

Wirtschaft leidet unter politischer Unsicherheit

Wickremesinghe setzte sich schließlich durch. Doch die wochenlange Unsicherheit verpasste der ohnehin schwachen Wirtschaft einen weiteren Schlag. Das Land leidet unter hohen Schulden und hat für ein asiatisches Schwellenland nur schwaches Wirtschaftswachstum. Zuletzt prognostizierte die Asiatische Entwicklungsbank für dieses Jahr immerhin eine kleine Beschleunigung von 3,6 im Vorjahr auf 3,8 Prozent.

Die Entwicklungsökonomen setzen ihre Hoffnung dabei auch auf den Tourismus – auf ihn war in den vergangenen Jahren Verlass. Mit dem Ende des Bürgerkrieges 2009 erlebte das wunderschöne Land einen Boom in der Gästebranche. Viele Gäste beschreiben das Land als eine Art „Indien für Einsteiger”. Der bekannte Reiseführer „Lonely Planet” kürte Sri Lanka zur Top-Destination 2019.

Der Sektor macht laut dem globalen Branchenverband WTTC mehr als elf Prozent der Wirtschaftsleistung aus – Tendenz steigend. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Gäste auf mehr als 2,3 Millionen pro Jahr etwa verdreifacht. Gäste aus Deutschland trifft man neben Chinesen, Indern und Briten am häufigsten.

Der Besucherstrom dürfte nach dem brutalen Terror am Ostersonntag zumindest gebremst werden. Es bleibt abzuwarten, wie Schlagkräftig die Drahtzieher sind. Doch auch die politischen Machtkämpfe könnten noch einmal heftiger werden. Es stehen richtungsweisende Wahlen an: Schon dieses Jahr wird ein neuer Präsident gewählt, im Jahr darauf dann ein neues Parlament.