Bitcoinfarmen rentieren sich in Deutschland für gewöhnlich nicht – zu hoch sind die Strompreise hierzulande. Kriminelle zwackten deshalb den benötigten Strom einfach illegal ab. Nun stehen sie vor Gericht.

Klingenthal ist für vieles bekannt. Das kleine Städtchen im sächsischen Vogtland war im Mittelalter eine Hochburg des Bergbaus, später wurden hier von böhmischen Exilanten Geigen und andere Musikinstrumente gefertigt, und heute ist die Skischanze Austragungsort von Weltcup-Springen. Sigmund Jähn, der erste Deutsche, der in den Weltraum geflogen ist, wohnt ganz in der Nähe. Doch nun hat es Klingenthal mit einer ganz anderen Meldung in dieser Woche in die Medien geschafft: Mit einem Großeinsatz gegen Stromklau, den sogenannte „Miner“ verursacht haben sollen.

Doch von vorne: In den vergangenen Jahren haben sogenannte Digitalwährungen für Aufsehen gesorgt. Sie sind eigentlich zum Bezahlen gedacht, doch waren sie zuletzt eher ein Gut für Zocker, da die Transaktionen zu teuer und langwierig waren sowie die Kursschwankungen zu stark. Für Zocker sind sie allerdings ein Paradies, da die Preise lange Zeit nur eine Richtung kannten: nach oben.

Um die Netzwerke für Digitalwährungen zu betreiben, ist eine ganze Menge Strom erforderlich. Deswegen stehen die Rechenzentren, die Bitcoin herstellen, größtenteils in Ländern, in denen der Strom billig ist, etwa in China. Diese sogenannten Miner halten das Netzwerk am Laufen. Und hier schließt sich der Kreis zu Klingenthal.

Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren

Dort sollen eine Frau und fünf Männer solch ein Rechenzentrum betrieben haben. Es stand in den Räumen der früheren PGH Elektro, einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks. Unter solchen Genossenschaften wurden früher Handwerker mehr oder weniger mit Zwang zusammengeschlossen. Und eben in solchen Räumlichkeiten wurde ein Rechenzentrum betrieben. Die 49 Rechner, davon 30 mit Spezialhardware, 80 Grafikkarten, zahlreiche Kabel – liefen mutmaßlich Tag und Nacht. Das Problem daran: Sie taten es illegal. Da der Strom in Deutschland vergleichsweise teuer ist, lässt sich so ein Rechenzentrum in Deutschland eigentlich nicht wirtschaftlich betreiben. Doch der Strom wurde illegal unter Umgehung eines Zählers abgezapft, der Schaden beläuft sich auf 220.000 Euro. Die Anlage verbrauchte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Zwickau so viel Strom wie 30 normale Haushalte. Das fiel auf.

121 Beamte untersuchten daraufhin acht Objekte im Vogtland und dem Zwickauer Raum. Darunter befanden sich Staatsanwälte, Polizisten und Steuerfahnder, aber auch speziell geschulte Beamte des Mobilen Einsatzkommandos und Spezialisten des Cybercrime Competence Center Sachsen, welches am Landeskriminalamt angedockt ist. Drei Personen wurden vorläufig festgenommen, ein Mann wurde dem Haftrichter vorgeführt. Die Beschuldigten müssen sich nun wegen des Straftatbestandes der Entziehung elektrischer Energie verantworten. Er sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor.

Durch die stark gefallenen Preise für Digitalwährungen – seit Ende 2017 fiel der Kurs von knapp 20.000 Dollar je Bitcoin auf etwas mehr als 3300 Dollar – lohnen sich viele Rechenzentren nicht mehr. Berichte, dass Strom illegal entwendet wird, gibt es seitdem immer einmal wieder. Diese kamen bisher aber vor allem aus China. So wurde Anfang des vergangenen Jahres eine Direktive von der Zentralregierung ausgegeben: Sie forderte die Provinzregierungen auf, „aktiv“ dafür zu sorgen, dass Kryptowährung produzierende Unternehmen – die „Miner“ – in ihrer Region den Betrieb einstellten.

Die Gesetze zum Energiekonsum sollten dafür „strikt“ durchgesetzt werden, lautete es in der Order aus Peking. Der Zentralregierung war es schon damals vor allem ein Dorn im Auge, dass viele Bitcoin-Minenbetreiber den Strom nicht bei den nationalen Energieversorgern einkauften, sondern günstiger bei lokalen – oder zuweilen auch illegalen-Anbietern, glauben Beobachter der Kryptowährungen in China. Mit dieser Begründung wurden zuvor schon Serverfarmen geschlossen.