Wer an Weihnachten mal wieder in seiner Kirche vorbeischaut, denkt vielleicht auch kurz an seine Kirchensteuern. Durchschnittlich 291 Euro im Jahr zahlen Katholiken, Protestanten 278 Euro. Insgesamt nehmen die Kirchen in diesem Jahr 12,6 Milliarden Euro durch die Steuer ein, das sind rund 500 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Die Einnahmen steigen immer weiter, dabei sinkt die Zahl der Kirchenmitglieder von Jahr zu Jahr um fast eine halbe Million Menschen. Das zeigt eine Studie des Steuer-Experten Tobias Hentze vom „Institut der deutschen Wirtschaft“ in Köln.

Auch in den kommenden Jahren können die Kirchen mit deutlich steigenden Einnahmen rechnen. „Der hohen Beschäftigung und dem progressiven Einkommensteuertarif sei Dank“, schreibt Hentze. „Mit Blick auf die katholische Kirche werden sich die Einnahmen bis 2023 schätzungsweise gegenüber dem Jahr 2004 mehr als verdoppelt haben, die evangelische Kirche wird bis dahin eine Steigerung gegenüber 2004 um gut 90 Prozent erreichen.“

Die katholische Kirche würde damit im Jahr 2023 schätzungsweise 8,2 Milliarden Euro und die evangelische Kirche 7,0 Milliarden Euro einnehmen. Insgesamt entfallen damit rund 54 Prozent der Kirchensteuereinnahmen auf die katholische Kirche, 46 Prozent auf die evangelische.

Dabei treten jährlich rund 300 000 Menschen aus den großen Kirchen aus, dazu kommen Todesfälle und rückläufige Taufzahlen. Im Jahr 2004 waren noch 51,6 Millionen Menschen Mitglied der evangelischen oder der katholischen Kirche, heute sind es nur noch 44,9 Millionen. Das entspricht einem Minus von 13 Prozent – bei konstant mehr als 82 Millionen Einwohnern in Deutschland.

„Die Einnahmenzuwächse fallen dabei deutlich höher als die Inflationsrate aus, so dass die Kirchen auch real, d.h. bei Berücksichtigung gestiegener Preise, Zuwächse verbuchen“, sagt Hentze. Heißt: Auch die Kirche profitiert von der Progression im deutschen Steuertarif, die dazu führt, dass höhere Einkommen mit einem höheren Prozentsatz besteuert werden. Bei steigenden Löhnen und Gehältern in Deutschland und Rekordbeschäftigung freut die Kirche sich also herzlich mit.

So wird die Kirchensteuer berechnet

Die Kirchensteuer wird übrigens nur mittelbar anhand des Einkommens berechnet. Tatsächlich richtet sie sich nach der Höhe der zu zahlenden Einkommensteuer. Hierauf wird ein Zuschlag Aufschlag von 9 Prozent (8 Prozent in Bayern und Baden-Württemberg) erhoben. Wer im Jahr 1000 Euro Steuern zahlt, zahlt obendrauf 90 Euro an die Kirche.

400 Millionen Euro Bearbeitungsgebühr

Wobei die Analyse auch zeigt: Tatsächlich zahlen Kirchenmitglieder sogar noch ein bisschen mehr als die 12,6 Milliarden. Denn weitere rund 400 Millionen Euro (etwa 3 Prozent) aus dem gesamten Kirchensteueraufkommen behält der Staat mit seinen Finanzbehörden ein, quasi als Bearbeitungsgebühr für das Eintreiben der Steuer.

Für den Fiskus ist die Kirchensteuer trotzdem ein Minusgeschäft: In der Steuererklärung wird sie als Spende berücksichtigt und reduziert damit die staatlichen Einnahmen aus der Einkommensteuer. „Einschließlich der daraus resultierenden Mindereinnahmen beim Solidaritätszuschlag beläuft sich der Aufkommenseffekt auf gut 4,1 Milliarden Euro“, zeigt Hetze.

Nur jedes Dritte Kirchenmitglied zahlt

Die tatsächlich von den Mitgliedern gezahlten Beträge liegen deutlich über den Durchschnittsbeträgen von 291 bzw. 278 Euro. Denn nur jedes dritte Kirchenmitglied ist tatsächlich steuerpflichtig, viele Rentner mit geringen Einkünften oder Kinder fallen als Steuerzahler aus. Hentze zeigt: Ein Verheirateter mit zwei Kindern müsste rund 56.000 Euro im Jahr, ein Single 27.000 Euro im Jahr verdienen um auf die durchschnittlichen Kirchenbeiträge zu kommen.

Allerdings steht die Kirchensteuer nur für 43 Prozent der Einnahmen der evangelischen Kirche, daneben führt Hentze Einnahmen aus Mieten, Zuschüssen für Kitas, Elternbeiträgen und natürlich Spenden auf.