Der Terror dauerte 17 Minuten – 49 Menschen wurden in zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch erschossen. Brenton Tarrant (28), australischer Staatsbürger. Er hinterließ ein Manifest, in dem er sich zum Teil selbst interviewte.

Neumann: „Im Prinzip steht in dem Manifest, dass er sich zu dem Anschlag bekennt, und wie er sich selbst sieht. Er fragt: Ist er rassistisch? Ja. Ist er islamophob? Ja. Ist er ausländerfeindlich? Ja. Er sagt damit, dass seine Motivation rechtsextrem ist, er sieht muslimische Einwanderer als Invasoren, die die westliche Gesellschaft von Innen heraus versuchen zu zerstören.“

,Der große Austausch‘, so lautet auch der Titel seines Manifests. Dahinter steckt, dass die europäische indigene Bevölkerung aufgrund von Masseneinwanderung durch Muslime ausgetauscht wird“, erklärt Neumann. „Er sagt: Ich möchte das stoppen – indem ich so viele wie möglich töte und zum Nachahmen anregen. Und dadurch auch Muslime abschrecke, in westliche Länder zu kommen.“

Im Manuskript behauptet Todesschütze Brenton Tarrant, Kontakt mit dem Norwegen-Attentäter Anders Breivik gehabt zu haben und schreibt von einer Organisation namens „Tempelritter“.

Neumann: „Ich bezweifle, dass er Kontakt zu Breivik hatte, wie er schreibt. Ich vermute, er will sich dadurch selbst erhöhen, hat ihm vielleicht einen Brief geschrieben, aber es gab vermutlich keine aktive Kommunikation. Er will betonen, dass er in der Tradition von Breivik steht.Genauso wie er erwähnt er auch die sogenannten ,Tempelritter‘. Diese Organisation existiert natürlich nicht, aber diese Idee von westlichen Kreuzzügen gegen den Islam hat sich bei den Rechten verfangen. Es ist ein Gefühl der Tradition, das verbindet.“

Der Terrorismus-Experte: „Das Interessante: Es sind auch falsche Fährten im Manuskript enthalten. Er macht Insiderwitze, die nur Leuten bekannt sind, die in medialen Subkulturen, wie zum Beispiel bestimmten Foren, zu finden sind. Das sind nicht die Neonazis auf der Straße, sondern sie bilden eine Subkultur im Netz. Ich vermute, der Täter ist einer, der noch nie in der Öffentlichkeit aufgefallen ist, aber Teil dieser rechten Subkultur ist und sich dort auch radikalisiert hat.“

Um Angst und Schrecken sowie seine Ideologie zu verbreiten, streamte Brenton Tarrant seine Angriffe auf betende Muslime live bei Facebook. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einem „terroristischen Angriff“.