Nur selten werden IS-Jüngerinnen als „Terroristinnen“ bezeichnet. Stattdessen gelten sie als „Ehefrauen von Terroristen“, so als wären sie keine eigenständig agierenden Menschen. Lasst sie einreisen – und stellt sie vor Gericht.

Die Gleichstellung von Männern und Frauen gehört zu den Themen, die in Deutschland mit Vorrang behandelt werden. Allen Bemühungen der letzten Jahre zum Trotz werden Frauen in vielen Berufen schlechter entlohnt als Männer. Wie weit der „Gender Pay Gap“ ist, hängt von der statistischen Berechnungsmethode ab, die Schätzungen gehen bis zu 21 Prozent. Auch die Tatsache, dass nur 31 Prozent der Abgeordneten im Bundestag weiblich sind, könnte bald durch ein „paritätisches Wahlgesetz“ korrigiert werden, das Frauen 50 Prozent der Mandate garantieren soll. Denn: mehr Gleichheit bedeutet mehr Gerechtigkeit.

In einem wichtigen Bereich allerdings ist die „Genderisierung“ ins Stocken geraten: Es gibt keine „Terroristinnen“, bestenfalls „Ehefrauen von Terroristen“. Als wären die keine selbstständig agierenden Wesen, sondern das Eigentum ihrer Männer.

Wir haben es nicht nur mit einem sozialen und sprachlichen Problem zu tun, sondern auch mit einem juristischen. Immer mehr deutsche Frauen, die in den Irak oder nach Syrien gezogen sind, um sich dort dem IS anzuschließen, wollen zurück nach Deutschland, weil sie für sich und ihre Kinder „keine Zukunft“ in den einst vom IS eroberten und nun befreiten Gebieten sehen.

Für die deutschen Behörden ergibt das ein Problem. Einerseits können sie deutschen Staatsangehörigen die Rückkehr nicht verweigern, ganz gleich warum sie Deutschland den Rücken gekehrt haben. Andererseits ahnen sie, mit welchen Gefahren die Aufnahme der „Dschihad-Bräute“ verbunden wäre. Also suchen sie nach einem rechtlich vertretbaren dritten Weg.

Die Richter am Bundesgerichtshof gehen von einer Art „Arbeitsteilung“ zwischen Männern und Frauen aus: „Dschihadistische Männer kämpfen, foltern oder morden. Frauen hingegen kümmern sich vornehmlich um den Haushalt, bekommen Kinder und versorgen die Ehemänner und den Nachwuchs“ – so etwas sei nicht strafbar. Das mag juristisch richtig sein, ist aber ausgesprochen misogyn, weil damit Frauen auf traditionelle Rollenbilder reduziert werden.

Wenn in Deutschland derzeit darüber geredet wird, 16-Jährigen das Wahlrecht zu geben, dann muss man auch anerkennen, dass Frauen in diesem Alter wissen, was sie tun, wenn sie sich einer Terrortruppe anschließen. Das gäbe den deutschen Behörden zwei Optionen. Entweder sie sorgen dafür, dass die „Ehefrauen der Terroristen“ bleiben, wo sie sind. Oder sie lassen sie einreisen und stellen sie vor Gericht: als Terroristinnen.