Der Handelsstreit zwischen den USA und China, der nahende Brexit und etliche Unternehmensbilanzen beschäftigen die Anleger.

Beim Blick allein auf die Zahlen könnte sich bei den Anlegern momentan gute Laune breitmachen. Die leichte Delle aus der ersten Monatshälfte hat der Deutsche Aktienindex (Dax) längst hinter sich gelassen. Am Freitag nahm er gar wieder die Marke von 11.500 Punkten ins Visier, das bisherige Jahreshoch.

Von weiterer Aufbruchstimmung oder gar von Euphorie sind die Börsianer indes weit entfernt. Die letzten Handelstage im Februar sowie erst recht der weitere Verlauf im März bereiten ihnen zunehmend Sorgen. Viele sprechen dabei gar mehr oder weniger offen von „Wochen der Wahrheit“, die für den weiteren Marktverlauf der kommenden Monate entscheidend sein könnten.

In der neuen Woche wächst dabei besonders die Spannung, je mehr es in Richtung Freitag geht. Für den 1. März hat US-Präsident Donald Trump eine Deadline gesetzt, bis zu der der Handelskonflikt zwischen China und seinem Land gelöst sein soll. Zuletzt gab es hier von beiden Seiten positive Aussagen, die auf eine Lösung hindeuteten. An den Märkten waren diese Worte einer der wesentlichen Treiber für eine positive Entwicklung.

Jetzt geht es allerdings in die entscheidende Phase, womit auch die Nervosität der Anleger steigt. Die wollen jetzt Fakten sehen. „Mit einer leichten Verschiebung des Termins wegen noch nicht abgeschlossener Verhandlungen könnten die Märkte leben“, bringt Robert Greil die Lage auf den Punkt.

Mit einer nur kleinen Teileinigung oder sogar überhaupt keiner Einigung dürften sie ein Problem haben, befürchtet der Chefstratege der Merck Finck Privatbankiers. Der erneute Weg der Kurse nach unten wäre dann wohl vorprogrammiert.

Ähnlich groß ist der Einfluss der ungeklärten Frage, wie sich Briten und EU über den anstehenden Brexit einigen werden. Mittlerweile ist es nur noch ein Monat, bis klar sein muss, ob es zu einer oder keiner Einigung kommt – oder ob die Frist bis zu einer Entscheidung womöglich noch einmal verlängert wird.

Am Dienstag wird es dazu erneut eine Rede von Premierministerin Theresa May geben, in der der Schwerpunkt auf der Außenpolitik liegen soll. Am Mittwoch ist dann im britischen Unterhaus eine weitere Brexit-Abstimmung vorgesehen. Chefstratege Greil geht zunehmend von einer Verschiebung des Austrittstermins am 29. März aus. Damit bliebe zumindest die Option auf eine vernünftige Lösung für die Märkte erhalten.

In dieser unsicheren Lage ist die wirtschaftliche Situation im Inland zudem längst kein Stabilisator mehr. Zum Wochenausklang war der viel beachtete ifo-Geschäftsklimaindex auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren gesunken. Es war der sechste Rückgang in Folge.

„Nachdem die deutsche Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2018 nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt ist, geben die vorliegenden Wirtschaftsdaten und Stimmungsindikatoren kaum Hoffnung auf einen kräftigen Jahresauftakt 2019“, heißt es von den Experten der Allianz.

In der neuen Woche stehen hierzulande vor allem das GfK-Konsumklima am Dienstag sowie die vorläufigen Februar-Inflationszahlen am Donnerstag auf der Agenda. Einen Tag zuvor werden für die gesamte Eurozone die Geldmengenzahlen sowie das Wirtschaftsvertrauen inklusive des finalen Verbrauchervertrauens für Februar bekanntgegeben. Am Donnerstag präsentiert das Nürnberger GfK-Institut dann die neuesten Daten zur Verbraucherstimmung.

Auf Unternehmensseite kommt in den nächsten Tagen die Berichtssaison in Fahrt. Hunderte bedeutende Unternehmen weltweit werden bis Ende März ihre Zahlen für das abgelaufene Jahr verkünden. Aus Investorensicht noch wichtiger ist indes der Ausblick auf das laufende Jahr.

Spannend werden in der neuen Woche vor allem der Dienstag und der Mittwoch sein. Zuerst präsentiert dabei der Chemieriese BASF seine Zahlen für das abgelaufene Jahr, einen Tag später der Konkurrenz Bayer.

Beide Werte stehen seit Herbst unter Druck. Diese Entwicklung könnte auch so weitergehen. Analyst Andrew Stott von der Schweizer Großbank UBS geht jedenfalls davon aus, dass die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen im ganzen Jahr schwach sein wird.

Am Mittwoch legt außerdem der Hamburger Konsumgüterproduzent Beiersdorf sein Zahlenwerk vor. Auch hier sind die Experten zuletzt skeptischer geworden. Auch für die europäischen Konsum- und Nahrungsmittelproduzenten dürften der strukturelle Druck zuletzt gestiegen sein, glaubt Martin Deboo vom Analysehaus Jefferies. Das gedämpfte Konjunkturumfeld könnte seiner Meinung nach auch bei Beiersdorf seine Spuren hinterlassen haben.

In solchen Phasen leidet die Halbleiterbranche besonders. Der Aachener Anlagenbauer Aixtron bekam das zu spüren, nachdem der Kurs seiner Aktie seit einem Jahr gut ein Drittel an Wert verloren hat. Am Dienstag veröffentlicht das Unternehmen nun seine Zahlen für das abgelaufene Jahr. Mit einer deutlichen Besserung für 2019 rechnet auch dort kaum jemand.