Deutschland hat momentan im Zangengriff von China und Donald Trump wirtschaftlich wenig Spaß. Wie peinlich und dilettantisch Konzerne wie VW, Bayer oder Thyssen obendrein agieren, lässt sich am Unternehmenswert ablesen.

Bei Feingold Research haben wir uns am vergangenen Wochenende einen kleinen Scherz erlaubt: Wir haben uns vorgestellt, dass das Enthüllungsvideo von Heinz-Christian Strache nicht primär auf den Politikbetrieb in Österreich zielen sollte. Vielmehr musste die Deutsche Finanzszene dieses letzte Mittel wählen – nämlich die österreichische Regierung zu stürzen –, um davon abzulenken, dass die österreichische Erste Bank Gruppe erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg höher bewertet ist als die Deutsche Bank.

Natürlich ist dies ein kleiner satirischer Einwurf, doch ein wenig Wahrheit steckt drin: Viele Firmen in Deutschland gibt es gerade im Ausverkauf, und die 12.000 im Dax täuscht darüber hinweg, dass Qualitätstitel verdammt gelitten haben. Die Daten am Börsenplatz Gettex der Börse München spucken aus, dass mit Bayer, Covestro, Infineon, Continental, Thyssen, Fresenius, Deutsche Bank, Fresenius, BMW und Lufthansa nicht weniger als zehn Dax-Firmen 30 Prozent oder mehr ihres Unternehmenswertes in den letzten zwölf Monaten eingebüßt haben.

Dabei hat sich das Umfeld für den Index in den vergangenen Monaten zusehends verbessert, der Dax kletterte von 10.300 auf 12.000 Punkte. Doch die Haupttreiber waren SAP, Adidas und die beiden Versicherer. Allesamt hoch gewichtete Titel im Index. Nach der Börsenregel „Sell in May“ müsste man am Aktienmarkt eigentlich nun aussteigen.

Doch Börsenregeln sind genauso Unfug wie Bauernregeln. Manchmal stimmt es, manchmal nicht. Besser wäre es, den Twitter-Account von Donald Trump zu analysieren, wie es Feingold Research in seinem Börsendienst vollzieht. Denn Trump bewegt mittlerweile den Aktienmarkt spürbar, ob man will oder nicht.

Im Sommer könnte der Dax ungeachtet der Saisonalität natürlich noch einmal billiger werden. Eine zweite Korrekturwelle auf den Ausverkauf vom Dezember wäre auch normal. Dann muss man bei den ausverkauften Aktien aber zuschlagen. Und sie einfach mal liegen lassen. Das kostet nicht einmal viel, beispielsweise beim Broker etoro kann man Aktien seit Mai kostenfrei erwerben. Viele andere Handelsplätze sind ebenfalls günstig geworden, niemand muss bei den bekanntesten, aber oft teuren Brokern einkaufen und 20 oder 30 Euro je Order bezahlen.

Risiken und Chancen scheinen im Dax fundamental gerade gleichmäßig verteilt. Beflügelt wurde der Index zuletzt von einer Reihe von Konjunkturdaten aus China, wie zum Wirtschaftswachstum, zur Industrieproduktion und zu den Einzelhandelsumsätzen, die besser als erwartet ausgefallen sind.

Das deutet darauf hin, dass die bisherigen Maßnahmen der Regierung und der Notenbank wirken und es zu einer Konjunkturbelebung gekommen ist. Davon würden gerade stark exportabhängige Dax-Unternehmen mit großem China-Geschäft wie die Autobauer profitieren, zumal eine Belebung in China, dem mit Abstand wichtigsten Antriebsmotor für die Weltwirtschaft, auch sie ankurbeln würde.

Fed beginnt mit Lockerung der Geldpolitik

Für zusätzlichen Rückenwind beim Dax sorgt die 180-Grad-Kehrtwende der Fed. Sie will die Zinsen nicht mehr erhöhen, sondern halbiert vielmehr das Programm zum Verkauf von Staatsanleihen ab Mai auf 15 Milliarden Dollar pro Monat, was einer Lockerung der Geldpolitik entspricht. Das stützt die Erwartung der Investoren, dass die US-Wirtschaft entgegen der zwischenzeitlichen Sorge nicht in eine Rezession abrutschen, sondern sich in den nächsten Monaten beleben wird.

Allerdings hängt alles an einem Thema: Viele Investoren gehen davon aus, dass es in den nächsten Monaten zu einer Einigung zwischen den USA und China im Handelsstreit kommen wird. Damit würde ein wichtiger Belastungsfaktor für die chinesische Wirtschaft wegfallen. Diese Bedingung muss allerdings auch eintreffen.

Es gäbe aber auch negative Fakten zu besprechen: Weil sich die Stimmung vieler Investoren erheblich verbessert hat, sehen sie über einige wichtige Risiken hinweg. So könnte US-Präsident Donald Trump schon bald Strafzölle auf in Europa hergestellte Autos einführen, was gerade die ohnehin stark schwächelnde deutsche Wirtschaft erheblich belasten würde. Gleichzeitig würde der Druck auf die angeschlagene Wirtschaft der Euro-Zone weiter zunehmen.

Ein weiterer Belastungsfaktor für den Dax ist, dass es bislang keinerlei Anzeichen gibt, dass die Konjunkturerholung in China auf die deutsche Wirtschaft übergeschwappt ist. Vielmehr ist der ifo-Geschäftsklimaindex zuletzt überraschend gesunken, wobei die Indexkomponente für die Industrie kräftig auf Talfahrt ist.

In dem Umfeld sinken die 2019er-Gewinnschätzungen für den Dax immer weiter, zuletzt lagen sie bei nur mehr 912,8 Indexpunkten. Damit notieren sie um mehr als zehn Prozent unter dem Stand von vor einem Jahr.

Als Fazit könnten mutige Dax-Anleger mit Mut zum Risiko zum Beispiel Discount-Optionsscheine wählen wie das Papier mit Basis 11.500 und Cap bei 12.000 Punkten und WKN MF63GN von Morgan Stanley. Mit Renditeziel zehn Prozent ist das Bonuszertifikat GA5GAN von Goldman Sachs eine schöne Alternative.